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20.12.2011

12:57 Uhr

Hauskredit-Affäre

8.000 Euro Amtsbonus für Christian Wulff

VonReiner Reichel

Ein Hauskredit zu besten Konditionen, mitten in der Finanzkrise: Mit dem günstigen Darlehen der Geerkens sparte Christian Wulff mehr als 8.000 Euro. Und das war nicht die einzige Gefälligkeit seiner vermögenden Freunde.

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DüsseldorfErst war es nur ein Hauskredit zu präsidialen Konditionen, dann kamen private Urlaubsreisen mit Unternehmern, inzwischen ist nur noch von einer Affäre die Rede: Wegen Gefälligkeiten von vermögenden Unternehmern in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident steht Bundespräsident Christian Wulff weiter Ärger ins Haus. Am Montag wurde zudem bekannt, dass AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Zeitungsanzeigen bezahlt hat, mit denen 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch „Besser die Wahrheit“ des Ministerpräsidenten Wulff geworben wurde.

Die „Bild“-Zeitung berichtete, Maschmeyer habe die Rechnung für die Werbung zu dem Wulff-Buch in Höhe von 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen beglichen. Das Interview-Buch, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt, sei ein wichtiges Instrument des damaligen CDU-Landtagswahlkampfes gewesen. Die Partei habe seinerzeit einige tausend Exemplare gekauft und sie als Wahlwerbung verschenkt.    

Wulff hat davon angeblich nichts gewusst. Maschmeyer sagte, der Verlag habe ihn gebeten, Anzeigen zur Begleitung des Buchs zu unterstützen. „Dieser Bitte habe ich entsprochen und die Anzeigen privat bezahlt. Ich habe sie nicht steuerlich geltend gemacht. Über das ganze Thema habe ich mit Herrn Wulff nicht gesprochen.“ Der Bundespräsident ließ auf „Bild“-Anfrage über seinen Rechtsanwalt Gernot Lehr erklären, ihm sei von den Zahlungen seines Freundes Maschmeyer nichts bekannt gewesen.

Wulffs Urlaubs-Freunde

Edith und Egon Geerkens

Egon Geerkens hat erst mit Schrott und dann mit Schmuck sein Vermögen gemacht. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Villa des Unternehmerehepaares in Florida. Geerkens sei zum Zeitpunkt der USA-Reise zum Jahreswechsel 2009/2010 nicht mehr unternehmerisch tätig gewesen. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub. Der Bundespräsident ist mit dem medienscheuen Unternehmer seit vielen Jahren befreundet. Das Paar lebt inzwischen in Luzern in der Schweiz. In Osnabrück hatte Egon Geerkens zuletzt ein Schmuckgeschäft und mehrere Immobilien.

Wolf-Dieter Baumgartl

Der 68-Jährige Manager gilt als einer der wichtigsten Köpfe in der deutschen Versicherungsbranche. 1993 wurde er Vorstandschef des Versicherers HDI in Hannover, den er erfolgreich umbaute und auch durch Übernahmen vergrößerte. Baumgartl schuf den heute drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx. 2006 übernahm er den Talanx-Aufsichtsratsvorsitz. In einem Anwesen Baumgartls in Italien hatte sich Wulff mit seiner Frau im Jahr 2008 aufgehalten.

Angela Solaro und Volker Meyer

Über die beiden ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig bekannt. Das ältere Paar lebt auf der Nordsee-Insel Norderney, einem der liebsten Urlaubsziele von Wulff. Er soll dass Paar schon besucht haben, als er noch Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen war. Womit die langjährigen Freunde ihr Geld verdienen, ist unklar. Laut Medien besitzen sie ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und vertreiben Feinkost. 2008 und 2009 hatte die Familie Wulff das Ehepaar auf Norderney besucht.

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer gilt als schillernde Persönlichkeit und begnadeter Verkäufer. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums gründete der 52-Jährige den Finanzdienstleister AWD und machte Millionen. 2007 übernahm der Versicherer Swiss Life den AWD. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gilt als wichtige Figur eines einflussreichen Kreises in Hannover aus Unternehmern, Politikern und anderen Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Sport. Er gilt als Freund sowohl von Altkanzler Gerhard Schröder als auch von Bundespräsident Christian Wulff. Wulff machte 2010 Urlaub in einem Appartement einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca.

Eines der teuersten Geschenke, das Wulff erhielt, war zweifellos das Darlehen der Unternehmerfamilie Gerkens. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau wollte Christian Wulff sich und seiner neuen Gattin Bettina 2008 ein neues Haus kaufen. Doch die Umstände dafür waren denkbar schlecht: Lehman-Pleite, Banken, die sich misstrauten und einander kein Geld mehr liehen, eine Garantieerklärung der Bundeskanzlerin für Spareinlagen – im Oktober 2008 ging es am deutschen Finanzmarkt hoch her. Genau zu jener Zeit brauchte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff ein Baudarlehen. Er bekam es von dem befreundeten Ehepaar Geerkens: 500 000 Euro zu vier Prozent Zinsen, ohne laufende Tilgung. Als Sicherheit genügte sein Wort – Traumkonditionen. Und ein geldwerter Vorteil von mindestens 8000 Euro.

Kommentare (69)

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lar

20.12.2011, 12:58 Uhr

Nunja. Bei seinen Pensionansprüchen ist er auf jeden Fall ein solventerer Schuldner als so mancher Staat. Auf dem Markt würde es für so ein sichere Anlage momentan eher nur 1% geben. Somit müsste die Einleitung umgeschrieben werden und es sollte heißen "gerade wegen der Finanzkrise".

Account gelöscht!

20.12.2011, 13:09 Uhr

Meine neueste Theorie ist folgende:

- Die Vorwürfe sind ja alt, aus seiner MP-Zeit in Niedersachsen - ABER JETZT WILL MERKEL WULFF WEG HABEN UM IHN MIT EU_ZOMBIE_VAN_ROMPUY ZU ERSETZEN !!

Also die Schlagzeilen waren schon über Jahre heimlich gesammelt worden um Wulff loswerden zu können. Deshalb auch die Rotlich-Vorwürfe an seine Frau jetzt (Quelle http://info.kopp-verlag.de/index.html).

Alles Manipulation. Die GEZ-Sender sind die willigen Marionetten von Merkel und co und holen jetzt auf Befehl die Wulff-Vorwürfe aus dem Keller. Widerliches Theater und nachher sitzt dieser Rompuy auf Wulffs Platz. Passt doch zur EU-Fiskal-Union.

dergrieche

20.12.2011, 13:12 Uhr

Wasser ist nass, die Erde ist keine Scheibe und Politiker / innen sind korrupt! Warum das Entsetzen, dass dies auch auf Wulff zutrifft. Entscheidend wäre m.E. das die Politiker/innen veröffentlichen würden von wem sie Begünstigungen bekommen, dann könnte man vielleicht endlich wieder nachvollziehen, wer für welche Politik steht.

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