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27.01.2015

16:46 Uhr

Heinz Buschkowsky hört auf

Bestsellerautor und „ein Stück Berlin“

Er konnte poltern und ironisch zuspitzen: Mit seiner drastischen Wortwahl machte sich der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, bundesweit einen Namen. Nun tritt er ab.

Heinz Buschkowsky. Der streitbare Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, tritt aus gesundheitlichen Gründen ab. dpa

Heinz Buschkowsky. Der streitbare Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, tritt aus gesundheitlichen Gründen ab.

BerlinEiner der bekanntesten Lokalpolitiker Deutschlands – der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky – hört auf. Der streitbare Sozialdemokrat bat am Dienstag den Regierenden Bürgermeister Michael Müller, ihn zum 1. April aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand zu versetzen. Das bestätigte sein Büro. Zuerst hatte die „Bild“ darüber berichtet. Schon Ende kommender Woche sei sein letzter Arbeitstag.

Der zum rechten Flügel gehörende Sozialdemokrat hatte sich in dem sozialen Brennpunktbezirk mit vielen Zuwanderern einen Namen als Realpolitiker gemacht. Als einer der ersten prangerte er mit eingängigen, teils polternden Worten die Defizite einer wegschauenden Integrationspolitik an. Schon 2004 verkündete er: „Multi-Kulti ist gescheitert.“ Fördern ohne fordern funktioniere nicht.

In seiner eigenen Partei galt Buschkowsky oft als eigensinniger Querdenker. Seine kernigen Thesen wie „Kommt das Kind nicht zur Schule, kommt das Kindergeld nicht aufs Konto“ gefielen vor allem linken Sozialdemokraten nicht. Bundesweites Aufsehen erregte Buschkowsky auch mit Wachschutz für Schulen.

Buschkowsky stand mehr als 15 Jahre an der Spitze von Berlin-Neukölln - 1991/1992 und dann von 2001 an. Regierungschef Müller würdigte Buschkowsky als „einer der profilierten Köpfe der Berliner SPD und der Bezirkspolitik unserer Stadt“. Vor allem die Neuköllner hätten ihn für seine Markigkeit geliebt. „Mit seinem Rückzug aus der Tagespolitik geht ein Stück Berlin verloren“, erklärte Müller.

Eigentlich hat der 66-Jährige schon seit eineinhalb Jahren das Pensionsalter erreicht. Doch Buschkowsky ließ sich nach seinem 65. Geburtstag im Sommer 2013 von der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln seine Amtszeit bis zur nächsten Wahl 2016 verlängern.

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Gewalt, gescheiterte Integration und Islamismus: All dies lässt sich im neuen Buch „Neukölln ist überall“ von Heinz Buschkowsky finden. Aber das Buch ist mehr. Es ist eine Analyse über Berlins Problemviertel.

Nun habe ihm sein Arzt nach einem Gesundheitscheck zum Kürzertreten geraten, sagte Buschkowsky der Zeitung. „Mein Ergebnis in diesem Jahr war, dass ich von der 80-Stunden-Woche runterschalten muss. Aber das geht in meinem Job nicht. Da geht nur ganz oder gar nicht.“

Von

dpa

Kommentare (5)

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Herr C. Falk

27.01.2015, 17:20 Uhr

Buschkowsky ist ein absoluter Ausnahmepolitiker, nicht nur in der SPD, er wäre es auch in jeder anderen Partei gewesen.

Außerordentlich schade, dass diese Sorte von Politikern auf die Liste der aussterbenden Spezies zu setzten ist.

Wo sie auftauchen, sollte man sie unter Artebschutz stellen. lol

Alles gute für Herrn Buschkowsky, möge er seine Gesundheit pflegen.

Frau Margrit Steer

27.01.2015, 17:23 Uhr

Herr C. Falk,
da brauche ich nichts mehr sagen, dem kann ich absolutvoll zustimmen.
Ja, uns gehen die guten Leute aus.
Denn was wir sonst so haben, ist Schrott

Herr Marcel Europaeer

27.01.2015, 17:59 Uhr

.. sicher ist auch Buschkowsky ein Populist aber viele seiner Positionen kann man teilen.

Er hält z.B. Sarrazins Ansichten für rassistisch und lehnt das Betreuungsgeld ab.
http://www.welt.de/politik/deutschland/article6618182/Buschkowsky-wirft-Sarrazin-Rassismus-vor.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/buschkowsky-neukoelln-zum-betreuungsgeld-das-ist-zynismus-pur/1622398.html

„Sein“ Stadtteil Neukölln ist inzwischen einer der boomenden Bezirke von Berlin. Daran hat er kräftig mitgewirkt.
http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article124983452/Berlin-boomt-Neukoelln-ist-so-beliebt-wie-Prenzlauer-Berg.html

Alles Gute und viel Spaß bei den zukünftigen Auftritten in diversen Talkshows.

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