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04.01.2015

10:14 Uhr

Henkel beschimpft AfD-Chef Adam

„Ich hoffe, Sie treten von der Bühne“

Der Streit in der AfD gewinnt an Schärfe. Parteivize Hans-Olaf Henkel stellt sich auf die Seite von Parteigründer Bernd Lucke und verteidigt ihn gegen parteiinterne Kritiker. Die AfD steht vor einer entscheidenden Woche.

Der stellvertretende Sprecher der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel (rechts), und der AfD-Bundesvorsitzende Bernd Lucke stemmen sich gegen den Rechtstrend der jungen Partei. dpa

Der stellvertretende Sprecher der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Hans-Olaf Henkel (rechts), und der AfD-Bundesvorsitzende Bernd Lucke stemmen sich gegen den Rechtstrend der jungen Partei.

HamburgDie Schlammschlacht in der euro-kritischen Alternative für Deutschland (AfD) geht in die nächste Runde. Im eskalierenden Führungsstreit ist nun eine weitere interne E-Mail aufgetaucht, in der Vizechef Hans-Olaf Henkel einen der drei Vorsitzenden, Konrad Adam, persönlich beschimpft und zum Rücktritt auffordert. „Ich hoffe, der letzte Akt wird bald aufgeführt und Sie treten von der Bühne“, schrieb Henkel Ende des Jahres an Adam, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Wochenende berichtete.

Adam sei von Ehrgeiz zerfressen und versuche mit „immer größerer Energie“, Parteichef Bernd Lucke ein Bein zu stellen. Doch könne Adam Lucke „nicht im Entferntesten“ das Wasser reichen. „Sie sind total von der Rolle und merken es offensichtlich nicht einmal“, schreibt Henkel demnach weiter.

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Die beiden gleichberechtigten Co-Vorsitzenden Luckes, Adam und Frauke Petry, stemmen sich gegen dessen Pläne, sich über eine Satzungsänderung den Posten des alleinigen Vorsitzenden zu sichern. Henkel unterstützt Lucke. Der 52 Jahre alte Wirtschaftsprofessor Lucke ist das bekannteste Gesicht der AfD und gehört zu den Gründern der Partei. Innerhalb der AfD entwickelt sich ein Richtungsstreit um den weiteren politischen Kurs. Lucke und Henkel wollen sich gegenüber dem rechtspopulistischen Kurs klar abgrenzen, ihre Kritiker sehen die AfD hingegen in einem Bündnis mit der in Dresden gestarteten Pegida-Bewegung.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

06.01.2015, 14:02 Uhr

Hr. Henkel war doch Spitzenmanager. Er weis doch, wie man führt. Warum ist er nicht der Spitzenmann der AFD?

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