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16.06.2015

16:48 Uhr

Henning Kagermann im Interview

„Ich hätte mir Konkreteres von der Bundesregierung gewünscht“

VonDaniel Delhaes

Ohne Elektroautos keine echte Energiewende, sagt Henning Kagermann, Ex-Vorstandsvorsitzender von SAP und Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität. Im Interview fordert er neue Anreize für Käufer und Hersteller.

Der ehemalige SAP-Vorstandschef ist seit 2010 Vorsitzender des Expertengremiums Nationale Plattform Elektromobilität. dpa

Henning Kagermann

Der ehemalige SAP-Vorstandschef ist seit 2010 Vorsitzender des Expertengremiums Nationale Plattform Elektromobilität.

BerlinHenning Kagermann gilt als Mr. Elektroauto. Am zweiten Tag des Regierungsgipfels hat der studierte Physiker und ehemalige Vorstandschef von SAP Zeit für ein Gespräch. Kagermann, seit 2010 Chef der Nationalen Plattform Elektromobilität, wirkt entspannt und trinkt erstmal einen Tee.

Herr Kagermann, wie geht es Ihnen am zweiten Tag des politischen Gipfeltreffens zur Elektromobilität?
Ich sag es mal so: Die Veranstaltung macht Freude, die Ergebnisse allenfalls Hoffnung. Wenn man jedoch fünf Jahre an einer Sache arbeitet, lässt man sich nicht so leicht die Laune verderben.

Sie klingen gut gelaunt. Sind Sie nicht enttäuscht, dass die Kanzlerin keine Förderung verkündet hat, um den Verkauf der Elektroautos anzukurbeln?
Ich hätte mir Konkreteres von der Bundesregierung gewünscht, das verhehle ich nicht. Andererseits gab es zwei klare Botschaften: Die Kanzlerin hat anerkannt, dass es ohne Anreize in diesem Jahr nichts mit dem Ziel werden wird, eine Million Fahrzeuge bis 2020 auf die Straßen zu bringen. Und der Wirtschaftsminister hat klargestellt: Entweder wir tun etwas, oder wir müssen die Ziele korrigieren. Es ist gut, dass zumindest dieses gleiche Verständnis vorhanden ist.

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Haben Sie denn Verständnis dafür, wenn die Regierung weiß, dass sie etwas tun muss und dann nichts tut?
Lassen Sie es mich so sagen: Wir haben keine Maßnahmen vorgeschlagen, die nicht schon im Fortschrittsbericht der nationalen Plattform Elektromobilität stehen. Die Empfehlungen sind gut begründet, wurden im Konsens bearbeitet und liegen seit Dezember auf dem Tisch. Insofern hatte ich gehofft, dass die Regierung die Bühne nutzt, um nun konkrete Zusagen zu machen.

Die Bundesregierung ist Teil der Plattform und zeichnet den Bericht mit. Wie viel ist der dann wert?
Natürlich feilen wir mit der Regierung und den Staatssekretären an dem Bericht. Wir hätten keinen Bericht vorgelegt, bei dem einer der vier Staatssekretäre ein Veto einlegen hätte.

Das hat offenkundig Unionsfraktionschef Volker Kauder eingelegt.

Irgendetwas scheint jedenfalls zu klemmen. Meine Hoffnung liegt im Prozess. Es gibt eine große Gruppe im Parlament, die sich für die Förderung der Elektromobilität einsetzt. Der Abgeordnete Steffen Bilger vom Parlamentskreis Elektromobilität unterstrich das noch heute Morgen in seiner Rede.

Andere sagen, der Staat hat genügend Anschubhilfen gegeben, nun muss sich die Industrie selbst helfen. Wird jetzt verstärkt in diese Richtung gedacht?

Die Industrie hat 17 Milliarden Euro investiert, der Staat 1,5 Milliarden. Die Industrie liefert. Es war von Anfang an klar, dass der Aufbau des Marktes für Elektroautos eine gemeinschaftliche Aufgabe sein würde. Es geht schließlich auch darum, für Umwelt und Klima etwas zu tun. Und es wird in der Branche einen Strukturwandel geben, an dem viele Arbeitsplätze hängen. Es war immer  klar, dass alle Seiten ihren Beitrag leisten müssen.

Wie fällt denn Ihre Bilanz nach den ersten fünf Jahren  aus?
Die erste Phase war ein absoluter Erfolg. Wir haben alle Ziele erreicht, die Forschung ausgebaut, Standards und Normen entwickelt, den Nachwuchs ausgebildet - und die Hersteller haben sogar mehr Modelle auf den Markt gebracht als wir vor fünf Jahren angekündigt hatten. Das nützt aber am Ende wenig, wenn wir uns jetzt alle auf die Schulter klopfen und den Start in die zweite Phase, den Markthochlauf, verschlafen. Deshalb muss sich in diesem Jahr etwas tun. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, versuchen wir, das Beste aus der Situation zu machen.

Kommentare (4)

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Herr Eberhard Steinweg

16.06.2015, 18:37 Uhr

Der Staat koennte doch die 1.000.000 Elektro-Autos kaufen und an verdiente Genossen verteilen. So erfuellt man den Plan.

Herr Charly Schorr

16.06.2015, 18:47 Uhr

Erfolgreiche Elektromobilität erleben wir täglich bei ICE, U-Bahn usw. Der dafür notwendige Strom wird nicht an 'Bord als chemisches Energiepotental in einem Akku gespeichert! Erfolgreiche Elektromobilität wird aus dem Netz heraus, mit allem notwendigen Strom für Radantrieb, Klimatisierung und Beleuchtung versorgt. Es entspricht dem Wesen von Strom, das Verbrauch und Erzeugung zwei zeitgleiche Vorgänge sind. Wird Strom einen Tag, eine Stunde oder auch nur eine Sekunde erzeugt bevor gebraucht, muss eine Wandlung von Strom in eine andere Energieform erfolgen. Ein Beispiel dafür ist ein Akku, in welchem Strom in chemisches Energiepotential gewandelt wird. ABER ELEKTOMOBILITÄT MIT AKKUAUTOS WIRD NIEMALS TECHNISCH UND WIRTSCHAFTLICH SINNVOLL FUNKTIONIEREN. Elektrofahrzeuge aus dem Netz heraus just in time während der Fahrt zu versorgen ist notwendig. Induktiv aus der Straße heraus, über einen Luftspalt.

Herr Vitto Queri

16.06.2015, 19:49 Uhr

>> Im Interview fordert er neue Anreize für Käufer und Hersteller. >>

Mit anderen Worten fordert hier wieder mal einer Planwirtschaft. Wie mit der Energiewende.

Der gute Mann sollte sich mal fachlich mit dem Thema auseinandersetzen, bevor er bescheuerte Forderungen in der Öffentlichkeit verbreitet !

http://www.handelsblatt.com/auto/test-technik/interview-mit-fritz-indra-tesla-wird-scheitern/11830774.html

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