Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.09.2016

11:50 Uhr

Herbstgutachten

Wirtschaftsforscher erwarten mehr Wachstum

1,9 Prozent statt 1,6 Prozent: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erhöhten ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr. Zugleich rufen sie Berlin zu einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel auf.

Die deutsche Wirtschaft werde 2016 um 1,9 Prozent wachsen, heißt es im Herbstgutachten, das die fünf Institute am Donnerstag veröffentlichten. Bislang waren sie von 1,6 Prozent Wachstum ausgegangen. dpa

Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft werde 2016 um 1,9 Prozent wachsen, heißt es im Herbstgutachten, das die fünf Institute am Donnerstag veröffentlichten. Bislang waren sie von 1,6 Prozent Wachstum ausgegangen.

BerlinDie führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr kräftig angehoben. Die deutsche Wirtschaft werde 2016 um 1,9 Prozent wachsen, heißt es im Herbstgutachten, das die fünf Institute am Donnerstag veröffentlichten. Bislang waren sie von 1,6 Prozent Wachstum ausgegangen.

Getragen werde der „moderate Aufschwung“ in diesem Jahr vom stabilen Arbeitsmarkt und dem kräftigen Konsum, heißt es in dem Gutachten weiter. Die Arbeitslosenquote dürfte im kommenden Jahr auf ihrem historischen Tief von 6,1 Prozent verharren. Die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts schätzen die Forscher im Jahr 2017 aber nur noch auf 1,4 Prozent.

Risiken für die deutsche Konjunktur bestünden vor allem in „gesellschaftlichen Strömungen“, die die Integration der Weltwirtschaft in Frage stellen, erklärten die Ökonomen. Das Gutachten nennt die Entscheidung der Briten, aus der Europäischen Union auszutreten, und die auch andernorts wachsende Skepsis gegenüber internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

So geht's der Wirtschaft in der Euro-Zone

Wirtschaftswachstum

Das Wirtschaftswachstum in Europa hat sich zur Jahresmitte abgeschwächt. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung in den 19 Ländern der Währungsunion lediglich um 0,3 zu, nachdem sie in den ersten drei Monaten des Jahres 2016 noch um 0,6 Prozent gestiegen war. In der gesamten Europäischen Union wuchs die Wirtschaft um 0,4 Prozent.

Analysten zufolge könnte das Brexit-Votum im Laufe des Jahres das Wirtschaftswachstum weiter dämpfen.

Verbraucherpreise

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit in Europa ist im Juni stabil geblieben. Sie blieb im Juni mit 10,1 Prozent in der Eurozone und 8,6 Prozent in der gesamten Europäischen Union auf dem Niveau des Vormonats, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat mitteilte. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete demnach Griechenland nach letzten verfügbaren Angaben im April mit 23,3 Prozent. Dagegen lag die deutsche Erwerbslosigkeit nach den europäischen Berechnungen im Juni bei 4,2 Prozent.

Inflation

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im Juli minimal angestiegen. Wie die Statistikbehörde Eurostat nach einer ersten Schätzung mitteilte, erhöhten sich die Lebenshaltungskosten in den 19 Staaten der Währungsunion um 0,2 Prozent. Im Juni waren sie um 0,1 Prozent gestiegen, nachdem sie im April und im Mai zurückgegangen waren. Vor allem die sinkenden Energiepreise dämpfen den Preisanstieg weiterhin. Sie gingen im Juli um 6,6 Prozent zurück.

Die führenden Institute fordern die Bundesregierung zu einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel auf. „Die Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre war in erster Linie auf Umverteilung ausgerichtet“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Herbstgutachten. „Zukunftsorientierte Maßnahmen wurden vernachlässigt, sind aber dringend erforderlich, steht Deutschland doch vor den besonderen Herausforderungen der Alterung der Bevölkerung und der hohen Zuwanderung.“ Die Gutachter sehen „erhebliche Defizite in den Bereichen Infrastruktur, Bildung und Forschung sowie bei der Unternehmensdynamik“. Auch sei die Abgabenbelastung der Arbeitnehmer hoch. Durch die Flüchtlingsmigration verschärften sich die Defizite insbesondere im Bereich der Bildung noch.

Die Institute plädieren deshalb für eine neue Wirtschaftspolitik. „Die Wachstumsperspektiven sollten durch zusätzliche investive Ausgaben insbesondere für Bildung und Forschung sowie eine anreizfreundlichere Struktur des Steuersystems verbessert werden“, erklärten die Institute. Auch müsse das Rentensystem „demografisch wetterfester“ gemacht werden – etwas durch eine verlängerte Lebensarbeitszeit. Die Rente mit 63 und die Ausweitung der Mütterrente wirkten hier kontraproduktiv.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×