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08.10.2014

15:36 Uhr

Heribert Schwan und Tilman Jens

Kohl-Buch-Autoren erhalten Rückendeckung

Exklusiv600 Stunden lang befragte Heribert Schwan Helmut Kohl. Kritiker monieren, dass einige Zitate unautorisiert in einem neuen Kohl-Buch verwendet wurden. Der Journalistenverband stützt den Autor - teilweise jedenfalls.

Der Stein des Anstoßes: Das Umstrittenes Buch: "Vermächtnis - Die Kohl Protokolle". Reuters

Der Stein des Anstoßes: Das Umstrittenes Buch: "Vermächtnis - Die Kohl Protokolle".

BerlinNach Ansicht des Vorsitzenden des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Michael Konken, ist die umstrittene Veröffentlichung von Gesprächen mit Altkanzler Helmut Kohl durch den zeitweiligen Ghostwriter Kohls, Heribert Schwan, unter gewissen Voraussetzungen mit dem Pressekodex vereinbar. „Für Journalisten, Schwan ist auch Journalist, gibt es kein generelles Verbot, verbotene Informationen zu verwenden, das zeigt das Beispiel Günter Wallraff“, sagte Konken dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Es hänge immer vom Einzelfall ab.

Es gehe dabei um die Frage,  ob, wie es unter Ziffer 4.1 im Pressekodex steht, „Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind“. „Ob das Ergebnis im vorliegenden Fall tatsächlich von besonderem öffentlichem Interesse ist, hängt von der Frage ab, ob dadurch wirklich wichtige neue Informationen über die Person Kohl zugänglich gemacht werden“, sagte Konken.

Klar sei aber auch, „dass, wer einmal gegen die Vertraulichkeit verstößt, in Zukunft wohl keine Informationen mehr bekommt“, gab der DJV-Chef zu bedenken. Gleichwohl hält er es für nachvollziehbar, dass Schwan seine Dokumente gerne veröffentlichen möchte, an die er in seiner Funktion als Ghostwriter gelangt sei. Konken sagte aber auch: „Nach meiner Kenntnis hat er allerdings in dieser Funktion mit Helmut Kohl vereinbart, dass dieser bestimmen kann, was wann und wie veröffentlicht wird.“

Schwan unterstrich am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Buches „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“, dass es keine Vereinbarung mit Kohl gegeben habe, Teile der Gespräche vertraulich zu behandeln. „Ich hätte niemals eine Schweigepflichterklärung unterzeichnet“, sagte er.

Kommentare (3)

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Herr Paul Müller

08.10.2014, 16:06 Uhr

Kohl war und ist überschätzt. Er war zufällig Kanzler während des Beitritts der Gebiete der ehemaligen DDR zur BRD. Mehr nicht.

Account gelöscht!

08.10.2014, 16:22 Uhr

Was Journalisten- und andere Verbände dazu sagen, mag für die von ihnen Vertretenen von einer gewissen Bedeutung sein.

Entscheidend aber ist ausschließlich die Rechtslage, die in der Tat vom Verlagsjustitar zutreffend eingeschätzt wird, wie es scheint.

So zählt der historische Wert, der sich allein durch etliche Zitate schon evident belegt, denn es offenbart sich die Einschätzung der Akteure durch einen auch noch machtvollen Insider - persönliche Betroffenheit hin oder her, die es überall und nirgends gibt.

Nicht Kohl, sondern die politische Landschaft steht im Mittelpunkt - soweit sie personell besetzt ist.

Und natürlich die Menschen, welche bis heute von Leuten regiert werden, von denen sie nun bezeugt erhalten - nicht mehr nur ahnen -, wie sie im Allgemeinen, aber auch Besonderen, gestrickt sein dürften.

Herr Stubenkastl Johann

08.10.2014, 17:37 Uhr

Also ich finde diese Veroeffentlichung gut. Man hat das Recht zu erfahren, wie dieser Mensch wirklich tickt. Seine Handlungen waren ja letztlich nicht gerade ohne erhebliche Konsequenzen fuer den deutschen/europaeischen Buerger. Ich sag es mal so, jetzt wird mir manches klarer...wenn es dies auch nicht gerade einfacher macht.

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