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09.03.2016

21:05 Uhr

Herkunft von Straftätern

Presserat lehnt Änderung der Richtlinien ab

Der Deutsche Presserat steht bei der Nennung der Nationalitäten von Straftätern für große Zurückhaltung. Eine Änderung der entsprechenden Richtlinie lehnt er ab. Nicht alle sind darüber erfreut.

Die Zurückhaltung bei der Herkunftsnennung von Straftätern soll die Diskriminierung von Minderheiten verhindern. dpa

Blaulicht

Die Zurückhaltung bei der Herkunftsnennung von Straftätern soll die Diskriminierung von Minderheiten verhindern.

BerlinMedien sollen auch künftig nur dann Religion oder Nationalität von Straftätern nennen, wenn es einen „begründeten Sachbezug“ zur Tat gibt. Der Deutsche Presserat lehnte es am Mittwoch ab, die entsprechende Richtlinie 12.1 im Pressekodex zu ändern. Die Zurückhaltung in dieser Frage soll die Diskriminierung von Minderheiten verhindern. Bei vielen Medien ist die Richtlinie umstritten. Die „Rhein-Zeitung“ aus Koblenz kündigte an, sich künftig nicht mehr daran gebunden zu fühlen.

„Die Richtlinie bleibt, wie sie ist“, sagte Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Presserats. „Es gab eine ganz breite Mehrheit dafür.“ Zuvor hatte das Selbstkontrollorgan in nicht-öffentlicher Sitzung diskutiert. „Wir sind überzeugt, dass wir sie nicht ändern müssen“, sagte Tillmanns. „Sie ist kein Sprachverbot und kein Maulkorb für Redaktionen. Sie sind autonom in ihrer Arbeit und sollen es auch bleiben.“

Es gebe allerdings bei vielen Medien eine große Unsicherheit, räumte Tillmanns ein. „Wir haben das nicht nur zur Kenntnis genommen. Wir wollen den Redaktionen auch jede erdenkliche Hilfestellung geben.“ Gedacht sei unter anderem an einen Leitfaden mit Kriterien für Entscheidungen im Redaktionsalltag: „Er soll zügig fertig werden, innerhalb der nächsten Monate.“

Der Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“, Christian Lindner, bedauerte die Entscheidung und erklärte: „Wir werden uns an die Richtlinie 12.1 nicht mehr gebunden fühlen.“ Lindner kündigte eigene Empfehlungen für seine Redaktion an, „die hilfreicher sein werden als die aus der Zeit gefallene Richtlinie 12.1“. Und er betonte: „Wir werden unseren Redakteuren die Sicherheit geben, dass sie künftig keine Probleme bekommen, wenn es aufgrund unserer eigenen Richtlinie Rügen oder Missbilligungen des Presserates geben sollte.“

Die „Sächsische Zeitung“ erwägt, die Herkunft von Straftätern in der Berichterstattung künftig generell anzugeben. Chefredakteur Uwe Vetterick, der an der Sitzung des Presserats teilgenommen hatte, schlug dabei vor, künftig konsequent die Nationalität zu nennen, egal ob es sich dabei um Deutsche handele oder um Ausländer.

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