Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2010

07:55 Uhr

Hermann Gröhe

Der CDU-Modernisierer muss sich beweisen

VonPeter Müller

Angela Merkel erneuert die CDU, doch beim Wähler zeigt das noch kaum Wirkung. Dies zu ändern ist die Aufgabe des neuen CDU-Generalsekretärs Hermann Gröhe. Er soll den Modernisierungskurs vorantreiben und der Partei gleichzeitig neues Selbstvertrauen einflößen. Wie gut er das kann, wird sich bei der bevorstehenden Klausur zeigen.

Der neue CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe soll die Modernisierung der Partei vorantreiben. Quelle: dpa

Der neue CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe soll die Modernisierung der Partei vorantreiben.

BERLIN. Hermann Gröhe war noch nicht richtig in Amt und Würden, da kam von ihm schon die erste programmatische Ansage, die vielleicht sogar das Leitbild für seinen neuen Job als CDU-Generalsekretär sein könnte. Am Ende der Koalitionsverhandlungen war das, als Minister- und Staatssekretärsposten längst verteilt worden waren und schließlich feststand, dass Hermann Gröhe, bis dahin Staatsminister im Kanzleramt, Ronald Pofalla als CDU-Generalsekretär nachfolgen würde.

Wie er denn das schwarz-grüne Projekt nach vorne bringen wolle, wurde Gröhe da gefragt. Dass er die Öffnung seiner Partei hin zu den Grünen unterstützt, immerhin so viel wusste man von Merkels neuem General. "Indem ich aus grünen Wählern schwarze mache", lautete seine Antwort.

Damit ist eine der wichtigsten Aufgaben Gröhes beschrieben: Er soll den Modernisierungskurs der CDU vorantreiben und dafür sorgen, dass diese Erneuerung der CDU beim Wähler endlich Wirkung zeigt. Mindestens genauso wichtig dürfte sein, dass er der Partei Selbstvertrauen einflößt, dass er dafür sorgt, dass die CDU neben der schwarz-gelben Regierung sichtbarer ist, als sie es im Bündnis mit der SPD war, dass das Konrad-Adenauer-Haus wieder Ideengeber für die mehr als eine halbe Million CDU-Mitglieder wird.

Wie gut dies dem 48-jährigen Juristen aus Neuss gelingt, wird man zum ersten Mal morgen sehen, wenn sich der CDU-Vorstand zur Klausur in Berlin trifft. Befeuert von einem Brief von vier Landespolitikern, die nicht zufällig gerade jetzt einmal mehr das fehlende konservative Profil der CDU beklagen, will die Partei ihre Lehren aus der Bundestagswahl ziehen. Die brachte zwar die gewünschte Regierung mit der FDP, fiel für die CDU als Partei aber enttäuschend aus.

Gröhe muss dabei dafür sorgen, dass die Bedenken der Modernisierungskritiker auf den Tisch kommen, ohne dass die Aussprache in Führungskritik an der Kanzlerin umschlägt. Nach dem Brandbrief sind die Chancen für allzu offene Worte ohnehin schlechter geworden: Öffentliche Schelte zwingt die Partei seit jeher zum Schulterschluss mit der Kanzlerin.

An der Parteispitze gilt Gröhe als gut vernetzt. Freunde, die ihn noch aus der Zeit als Chef der Jungen Union kennen beschreiben ihn als "bienenfleißig", als einen, "den man ständig am Telefon sah, auch als es noch keine Handys gab". In der CDU hat Gröhe einen guten Draht zur Kanzlerin. Wie sein Vorgänger nimmt er an der Morgenlage bei Merkel teil. Gemeinsam mit Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier, Kanzleramtschef Pofalla und Umweltminister Norbert Röttgen gehört Gröhe zur sogenannten Pizza-Connection, dem Zusammenschluss von CDU-Abgeordneten, die sich in Bonner Zeiten mit Kollegen von den Grünen beim Italiener trafen, um der Enge der Kohl-Partei zu entkommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×