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18.01.2009

22:01 Uhr

Hessen

Linke wollen Speerspitze bleiben

VonDorit Marschall

Es sollte der „Koch-Ärger-Tag“ werden, so hatten es die Linken angekündigt – letztlich wurde es aber vor allem eines: ein „SPD-Ärger-Tag“. Denn zunächst stand es auf der Kippe, ob die Linkspartei abermals den Sprung in den Landtag schafft.

Guter Dinge: Der Spitzenkandidat der Partei Die Linken, Willi van Ooyen. Foto: dpa dpa

Guter Dinge: Der Spitzenkandidat der Partei Die Linken, Willi van Ooyen. Foto: dpa

WIESBADEN. Auch wenn die hessische Linke am Sonntagabend ein Wechselbad der Gefühle erlebt hat und die Genossen sich von Hochrechnung zu Hochrechnung Zuversicht zureden mussten – mal blieb die Säule bei 5,1 Prozent stehen, mal bei fünf, zu späterer Stunde bei 5,2 – so hat die Partei doch eines geschafft: Sie hat sich im Westen behauptet und bleibt im Wettlauf um linke Wähler ein schmerzlicher Stachel für die Sozialdemokraten.

Bei Sekt, türkischer Cola und Frühlingsrollen begossen die Roten das im zweiten Stock des hessischen Landtages. Draußen bleiben müssen und allein außerhalb des hessischen Regierungssitzes feiern, wie noch im vergangenen Januar im Georg-Buch-Haus – diese Zeiten sind vorbei.

„Wir haben das erste Mal den Wiedereinzug in einem westdeutschen Flächenstaat in den Landtag geschafft“, rief Ulrich Wilken voller Optimismus trotz eines denkbar knappen Überschreitens der Fünf-Prozent-Hürde bereits um kurz nach 18 Uhr ins Mikrofon. „Das ist doch was.“

Dabei waren die Umstände für die Linken denkbar schlecht: In wirtschaftlichen Krisen profitieren traditionell bürgerliche Parteien – ihnen traut man wirtschaftliche Kompetenz eher zu, sie hält man für glaubwürdiger. Da haben es Oppositionsparteien wie die Linken schwer. Obendrein hatte die Partei im Wahlkampf ihren eigenen Laden nicht im Griff, spotteten Kritiker, denen es an Munition nicht fehlte. Während die CDU mit ihrer Strategie, den Mund weitgehend zu halten, um möglichst wenig Fehler zu machen, Erfolg hatte, gerieten die Linken immer wieder in die Schlagzeilen. Weil sie laut stritten – und das vor allem intern.

Dass der Start in das Wahljahr 2009 trotzdem erfolgreich für die Linken ausgefallen sein dürfte, ist ein gutes Vorzeichen vor den anstehenden Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen, Brandenburg und dem Lafontaine-Zuhause Saarland. Bei all den kommenden Landtagswahlen wird sie wohl kaum so sehr wie in Hessen um den Einzug in die Landesparlamente fürchten müssen und somit gestärkt in den Bundestagswahl im Herbst ziehen.

„Die SPD wird umdenken müssen“, frotzelte Harald Schindel, der aus der Berliner Bundesgeschäftsstelle der Linken in die hessische Landeshauptstadt gereist war. Dass die Sozialdemokraten nicht längst in Hessen regieren, sondern stattdessen eine gehörige Wahlschlappe hinnehmen mussten, haben sie sich laut Schindel selbst zuzuschreiben: „Wir waren jedenfalls nicht Schuld, dass es nicht dazu kam – das waren die Abweichler in der SPD.“ Die verbliebenen Sozialdemokraten können sich nun warm anziehen: Dass es ihr Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel vor der Wahl zu einem seiner Ziele erklärte, den Widereinzug der Linken im hessischen Landtag zu verhindern, stachelte die am gestrigen Abend nur noch mehr an: „Wir werden die Speerspitze der Opposition sein, dass verspreche ich“, rief ihr Spitzenkandidat Willi van Ooyen seinen Genossen zu.

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