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12.01.2009

15:27 Uhr

Hessen

Roland Koch – lebenslang Hessen Kassel

VonHeike Anger

ExklusivBei der Landtagswahl in Hessen will Ministerpräsident Roland Koch für die CDU seine Wahlschlappe vom Vorjahr vergessen machen. Koch-Biograph Hajo Schumacher erklärt im Gespräch mit Handelsblatt.com, warum der Christdemokrat geschäftsmäßig, glanzlos und glücklich die Wahl gewinnen wird – und sich trotzdem fühlen dürfte wie Michael Ballack, der lebenslänglich bei Hessen Kassel spielen muss.

Roland Koch hat bei der Wahl 2008 eine krasse Niederlage einstecken müssen. Foto: dpa dpa

Roland Koch hat bei der Wahl 2008 eine krasse Niederlage einstecken müssen. Foto: dpa

Herr Schumacher, bitte nennen Sie drei Worte: Wie wird die Wahl für Roland Koch ausgehen?

Ich muss vorausschicken, dass der hessische Wähler an sich natürlich unberechenbar ist. Aber ich gehe von einem Sieg für Roland Koch aus und der wird: geschäftsmäßig, glanzlos und glücklich.

Und warum?

Roland Koch hat bei der Wahl 2008 eine krasse Niederlage einstecken müssen. Nun erfolgt eine notdürftige Reparatur. Es wird kein überraschender Sieg sein, sondern ein Sieg nach Vorschrift – und darum ein geschäftsmäßiger. Zudem kommt es nur zu Neuwahlen, weil vier andere Parteien zu blöd waren, Koch abzulösen. Es wird damit auch kein Sieg aus eigner Großartigkeit, sondern wegen der Schwäche der anderen. Und das ist glanzlos. Etwa so als würde Deutschland im Fußball 4:0 gegen Costa Rica gewinnen. Roland Koch wird aber auch ein glücklicher Sieger sein, weil sein Abschneiden ihn vor dem politischen Tod bewahrt.

Bei der letzten Landtagswahl hat Roland Koch ein Minus von zwölf Prozent für die CDU eingefahren. Was wäre denn dieses Mal ein schlechtes Ergebnis?

Man muss bedenken, dass Koch von einer absoluten Mehrheit von 48,8 Prozent im Jahr 2003 kommt. Jedes Wahlergebnis, das darunter bleibt, ist eine Niederlage. Das ist Kochs ewiges Problem: die immensen Erwartungen. 1995 hatte ihn Helmut Kohl als Nachfolger für das Amt des Parteivorsitzenden und als Kanzlerkandidat vorgesehen. In diesem Bewusstsein ist Koch durch sein Leben gesegelt. Er war es, der Angela Merkel 2002 mitteilte, dass nicht sie, sondern Edmund Stoiber die Berechtigung für die Kanzlerkandidatur habe – in dem Glauben, 2006 dann selbst zum Zuge zu kommen. Doch er hat Merkel unterschätzt. Nun hängt er komplett von ihr ab. In Hessen dürfte er sich so fühlen wie ein Michael Ballack, der lebenslänglich bei Hessen Kassel spielen muss.

In welcher Phase seiner Laufbahn befindet sich Roland Koch denn derzeit nach Ihrer Einschätzung?

Er ist zu jung, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen und zu alt, um als politisches Wunderkind herumgereicht zu werden. Koch befindet sich also in einer politischen Midlifecrisis. Es ist wie beim Marathon nach Kilometer 25: Man hat die Hälfte geschafft, aber ein Ziel ist nicht in Sicht. Man deliriert. Außerdem ist ihm der Wahlschock des letzten Jahres ganz schön in die Knochen gefahren. Er dachte, er ist der Größte. Das ist typisch für die hessische CDU, eine ewige Bande von Halbstarken. Die „Mädchen“ werden einfach nicht ernst genommen. Und dann ist auf einmal die Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti am Drücker. Für Koch war das ein peinliches politisches Schicksal: von Merkel und von Ypsilanti abzuhängen.

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