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18.11.2013

19:25 Uhr

Hessen

SPD denkt über rot-grüne Minderheitsregierung nach

CDU und SPD haben nach der Landtagswahl in Hessen ein weiteres Mal sondiert. Doch die Lage bleibt unklar, keine Seite äußert sich öffentlich. Stattdessen kommt eine neue Option auf den Tisch.

Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel (l.) und Tarek Al-Wazir: Bilden SPD und Grüne in Hessen eine Minderheitsregierung? dpa

Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel (l.) und Tarek Al-Wazir: Bilden SPD und Grüne in Hessen eine Minderheitsregierung?

WiesbadenKnapp zwei Monate nach der Landtagswahl in Hessen steuern die Parteien auf Entscheidungen über die Regierung zu. Die SPD brachte dabei eine weitere Option ins Spiel: ein rot-grünes Minderheitskabinett. Der Vorstoß überschattete spürbar das vierte und letzte Sondierungsgespräch von CDU und SPD am Montag. „Hessen braucht eine stabile und verlässliche Regierung auf fünf Jahre“, mahnte der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Volker Bouffier in Wiesbaden.

Der SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel zog abends im Parteirat in Frankfurt eine Bilanz der Gespräche mit der Union sowie mit Grünen und Linkspartei. Mit dem Ende der Sondierungen beginnt für die hessische Landespolitik eine Woche der Entscheidungen. Auch CDU, Grüne und Linkspartei wollen bis zum Wochenende ihre Marschroute festlegen.

Bouffier und Schäfer-Gümbel sprachen nach eigenen Angaben über Streitfragen wie Schule, Finanzen und den Frankfurter Flughafen. In vielen Sachfragen sehe man einen Korridor für Lösungen. Sie gaben aber keinen Hinweis darauf, ob sie eine große Koalition ansteuern.

Unklar blieb, ob der SPD-Parteirat noch am Montag über Koalitionsverhandlungen entscheidet. Wahrscheinlich werde sich die SPD-Führung bis zu einem Parteitag am 30. November noch mehrfach mit der Frage beschäftigen, sagte Generalsekretär Michael Roth. „Meine Wunschkonstellation ist die, in der Thorsten Schäfer-Gümbel Ministerpräsident wird“, sagte der Landtagsabgeordnete Marius Weiß.

Ein Minderheitskabinett könnte die CDU aus der Regierung verdrängen, obwohl sie stärkste Partei ist. „@HessenSPD arbeitet nach wie vor für Politik- und Regierungswechsel“, schrieb Roth im Kurznachrichtendienst Twitter. Rot-Grün könnte sich nach diesen Vorstellungen von der Linkspartei ins Amt wählen lassen und danach auf wechselnde Mehrheiten setzen. Ein festes rot-grün-rotes Bündnis will Schäfer-Gümbel angeblich nicht.

Seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti war 2008 am Widerstand aus den eigenen Reihen mit dem Versuch gescheitert, eine Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linken zu bilden.

Die Linkspartei zeigte sich mit dem neuen Vorstoß einverstanden. „Wenn Thorsten Schäfer-Gümbel bei der Wahl antritt, gehe ich davon aus, dass wir Bouffier abwählen“, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler dem Sender hr-Info. Rückendeckung erhielt sie von Bundeschefin Katja Kipping, die im „Tagesspiegel“ sagte: „Unsere hessische Landtagsfraktion ist ein Aktivposten für den Politikwechsel.“

An diesem Dienstag will Schäfer-Gümbel mit Jörg-Uwe Hahn, dem Vorsitzenden der hessischen Liberalen, die politische Lage im Land erörtern. Dies soll ausdrücklich keine Sondierung sein, weil die FDP sich an keinem Bündnis beteiligen will. Eine Minderheitsregierung könnte aber auch eine Kooperation mit der FDP versuchen. Am Donnerstag wird Grünen-Chef Tarek Al-Wazir mit Hahn sprechen.

Die Grünen wollten den SPD-Vorstoß nicht kommentieren. Sie streben nach bisherigen Beschlüssen eine auf fünf Jahre stabile Regierung an. Sie könnten auch als Partner der CDU an die Regierung kommen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.11.2013, 19:44 Uhr

Zitat : SPD denkt über rot-grüne Minderheitsregierung nach

- das ist das Vorspiel und die Testphase auch für den Bund !

Die SPD hat sich durch den Parteitag amtlich zur LINKEN geöffnet......jetzt sind mehrere Spielchen drin !

Murksel kann sich jetzt warm anziehen.........!

Ihre Tage als Kanzlerin sind wohl gezählt !

Account gelöscht!

19.11.2013, 08:28 Uhr

Der Wähler wollte alles , aber sicher keine Minderheitsregierung mit Schäfer-Gümbel. Das widerspricht Wahlen, die ja als Zeichen gelten sollen.

Wenn in Zukunft die stärkste Partei in diesen Land die Verliererpartei ist, dann können wir in Zukunft am Wahlabend die Verlierer feiern und Wahlen in Zukunft per Telefonanruf abhalten. Vielleicht über RTL als Anbendshow.

strabani

19.11.2013, 08:58 Uhr

Hallo, warum kann nicht auch die CDU es mit einer Minderheitsregierung versuchen? Ansonsten plädiere ich für Neuwahlen damit endlich klare Verhältnisse geschaffen werden. Parallel sollten weitere Parteineugründungen erfolgen.

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