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31.05.2015

16:37 Uhr

Hessische AfD

Durchmarsch der Lucke-Gegner

Die Alternative für Deutschland steckt tief in der Krise. In Hessen haben die Euro-Kritiker nach Personalquerelen zwar eine neue Führung. Doch die Partei bleibt gespalten – der Bundesvorsitzende muss weiter einstecken.

AfD, eine Partei im freien Fall

Video: AfD, eine Partei im freien Fall

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HofheimDie Gegner des AfD-Bundesvorsitzenden Bernd Lucke haben bei den Landesvorstandswahlen der Alternative für Deutschland (AfD) in Hessen einen Durchmarsch hingelegt. Zwei Wochen vor einem entscheidenden Bundesparteitag der zerrissenen Partei erhielten sie Unterstützung vom brandenburgischen Parteichef Alexander Gauland. „Wir brauchen den liberalen Flügel, aber ohne Bernd Lucke“, sagte der Bundesvize am Wochenende in Hofheim am Taunus. Die eurokritische Partei stehe kurz vor dem Abgrund, eine Spaltung drohe. „Ich bin völlig gegen den „Weckruf““, erklärte Gauland unter Applaus der Mehrheit der 350 Delegierten.

Auch die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch forderte Lucke zum Rückzug auf: „Wenn man eine neue Partei begründet, kann man die alte nicht führen.“ Mit dem Verein „Weckruf 2015“ versucht Lucke, den liberalen Flügel der Partei zu organisieren und seine Gegenspielerin Frauke Petry zurückzudrängen. Sie zählt wie Gauland zum nationalkonservativen Flügel der AfD. Der Machtkampf soll am 13. Juni bei einem Bundesparteitag in Kassel entschieden werden.

Wer hält bei der AfD die Fäden in der Hand?

Bernd Lucke

Parteigründer Bernd Lucke (52) ist der mächtigste Mann in der AfD. Mit der bisher eher basisdemokratischen Führungsstruktur tut sich das ehemalige CDU-Mitglied schwer. Gerne würde er deutschnationale Kräfte und Mitglieder, die radikale Systemkritik wollen, loswerden. Lucke ist gläubiger Christ. Mit der provinziellen Deutschtümelei einiger AfD-Mitglieder kann er nichts anfangen.

Frauke Petry

Frauke Petry (39) stand als Co-Vorsitzende im Bundesvorstand anfangs im Schatten von Lucke. Seitdem die AfD 2014 mit 9,7 Prozent in den sächsischen Landtag eingezogen ist, hat sie an Profil gewonnen. Petry ist Politikneuling. Sie setzt sich im Landtag und auch in der eigenen Partei für mehr Basisdemokratie ein. Die Chemikerin wird dem rechten Flügel zugeordnet. Im Vergleich zu den Forderungen anderer Vertreter dieses Flügels sind ihre Positionen aber eher moderat. Petry ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und hat vier Kinder.

Alexander Gauland

Alexander Gauland (74) gehört dem AfD-Bundesvorstand als Stellvertreter an. Sein Landesverband hatte im vergangenen Jahr mit 12,2 Prozent das bislang beste Landtagswahl-Ergebnis für die Partei eingefahren. Gauland ist ehemaliges CDU-Mitglied. Von 1987 bis 1991 leitete er die hessische Staatskanzlei. Gaulands Schwerpunkt ist die Asylthematik. Er will die AfD zu einer Partei machen, die sich vor allem den Sorgen der „kleinen Leute“ widmet.

Konrad Adam

Konrad Adam (73) ist ein konservativer Publizist. Er arbeitete unter anderem für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Welt“. Lucke schätzt Adams rhetorische Fähigkeiten, reibt sich aber häufig an seinen Positionen, vor allem beim Thema Einwanderungspolitik. Adam gehört dem rechten Flügel an. Radikale Kräfte will er in er AfD nicht haben.

Björn Höcke

Björn Höcke (43) ist Wortführer einer Gruppe von rechten AfD-Mitgliedern, die sich eine Anti-Mainstream-Politik wünschen. Der Lehrer für Sport und Geschichte ist Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Im März veröffentlichte er die „Erfurter Resolution“. Darin heißt es, viele Mitglieder wünschten sich die AfD als „Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands“. Nachdem Höcke vor einigen Tagen erklärt hatte, nicht alle NPD-Mitglieder seien extremistisch, forderte ihn Lucke zum Austritt aus der AfD auf.

Luckes Unterstützer in Hessen erlitten bei dem Parteitag am Samstag ihre erste Niederlage, als mit 170 zu 169 Stimmen beschloss wurde, bei drei gleichberechtigten Vorstandssprechern zu bleiben. Die Lucke-Anhänger hatten gehofft, ihren Vertreter Hadi Riedel als einzigen Sprecher durchzusetzen. Einige „Weckruf“-Anhänger verließen das Treffen unter Protest.

Bei der Vorstandswahl erzielte dann der frühere Frankfurter CDU-Kämmerer Albrecht Glaser das beste Ergebnis. Der Bad Homburger Rechtsanwalt Peter Münch kehrte in den Vorstand zurück, nachdem ihn das Schiedsgericht der Partei erst im März dieses Amtes enthoben hatte. Grund waren angeblich inkorrekte Angaben über seine Mitgliedschaft bei den Republikanern. Dritter Sprecher wurde Rolf Kahnt, AfD-Kreisvorsitzender der Bergstraße.

Von

dpa

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