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27.12.2016

18:49 Uhr

Hetze im Netz

Asoziale Netzwerke

Der Ton im Netz wird immer rauer. Mit Hetze lässt sich in den sozialen Netzwerken eine ganz andere Wirkung erzielen als am Stammtisch in überschaubarer Runde. Experten sind alarmiert – denn 2017 ist Wahljahr.

2016 war das Jahr der Hetze. Die Verrohung der politischen Debatte gibt den Populisten Auftrieb. dpa

Hass im Netz

2016 war das Jahr der Hetze. Die Verrohung der politischen Debatte gibt den Populisten Auftrieb.

DüsseldorfSchäbig, schrankenlos, voller Wut und Verachtung – viele Menschen sorgen sich um einen drastisch veränderten Ton im Land. Ist ein Damm gebrochen in der öffentlichen Debatte? „Etwas hat sich verändert in der Bundesrepublik. Es wird offen und hemmungslos gehasst“, beklagt Friedensbuchpreisträgerin Caroline Emcke. „Im Internet artikulierte Gewaltphantasien und Hasskommentare verbergen sich oft nicht mehr hinter Decknamen“, schreibt sie in ihrem Buch „Gegen den Hass“. Ähnlich sieht es RTL-Chefmoderator Peter Kloeppel: „Die Verrohung in der Debatte finde ich erschreckend.“

Warum ist das so – liegt es auch an der starken Zuwanderung, den Silvester-Übergriffen, begangen überwiegend von Nicht-Deutschen? „Insgesamt ist es scheinbar gesellschaftsfähig geworden, nicht nur verdeckt rassistische Äußerungen zu tätigen, sondern offen (...) menschenverachtend seine Meinung kund zu tun.“ Dieses Fazit zieht Oliver Wilkes in einer Studie zur Wirkung der Kölner Silvesternacht. Geschmackloses werde zunehmend unter Echtnamen gepostet. „Daraus kann man schließen, dass die Verfasser sich sicher und von einem großen Teil der Gesellschaft unterstützt fühlen“, sagt Wilkes vom Duisburger Ibis-Institut.

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Lange sei es gesellschaftlicher Konsens gewesen, dass Äußerungen, die „in einem deutlichen ideologischen Bezug zum NS-Regime und zum Holocaust stehen, geächtet sind.“ Das scheine sich zu verändern. Um fremdenfeindlich Stimmung zu machen, würden auch Falschmeldungen gestreut – etwa, dass Flüchtlinge Tiere aus einem Streichelzoo gestohlen und gegessen hätten. „Sie werden trotzdem hundert- und tausendfach geliked und geteilt.“

Kommunikationswissenschaftler Frank Marcinkowski beobachtet: „Es gibt ganz unbestreitbar eine verstärkte Aggression in der Debatte.“ Flüchtlingsfrage und Silvestervorkommnisse sieht er als Symptome. In der politischen Auseinandersetzung, bei Kundgebungen sei „ungeheure Wut“ im Spiel. Und das Netz biete einen „riesigen Resonanzraum“. Da lässt sich eine ganz andere Wirkung erzielen als am Stammtisch in überschaubarer Runde. Die „sozialen Medien“ Facebook und Co. sollten so nicht heißen, sagt der Experte aus Münster, denn: „Dort tobt sich auch das komplette Gegenteil von „sozial“ aus.“

Verstärkend wirke die gegenseitige Bestätigung, weiß Gerhard Vowe, Kommunikationsforscher von der Uni Düsseldorf. „Wenn man gelikt wird, bedeutet das Unterstützung und Ermutigung.“ Eine „populistische Internationale“ habe sich im Netz gebildet, die zusätzlich Rückenwind gebe. Und wer ist so radikal, rassistisch, aggressiv, auch mit unerträglichen persönlichen Anfeindungen unterwegs? „Wichtigstes Kennzeichen der Lautstarken: Es sind wenige“, sagt Vowe. „Vielleicht ein bis zwei Prozent der Bevölkerung.“

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