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28.07.2016

09:24 Uhr

Hildesheim

Polizisten durchsuchen Moschee und Wohnungen

Schon länger ist bekannt, dass die Region um Hildesheim und Göttingen ein Schwerpunkt radikaler Salafisten ist. Die Polizei geht nun gegen die Islamisten vor. Ziel: Ein Verbot des Moscheevereins.

Durchsuchungen in Hildesheim: Sicherheitsbehörden durchsuchen Wohnungen und die die DIK-Moscheen. dpa

Razzia in Hildesheim

Durchsuchungen in Hildesheim: Sicherheitsbehörden durchsuchen Wohnungen und die die DIK-Moscheen.

HildesheimDie Polizei ist mit einer Razzia gegen mutmaßliche Islamisten in Hildesheim vorgegangen. Die Beamten durchsuchten nach Angaben des Innenministeriums die DIK-Moschee „Deutschsprachiger Islamkreis Hildesheim“ sowie Wohnungen von acht Vorstandsmitgliedern des Vereins. Dabei seien zahlreiche Beweismittel sichergestellt worden, hieß es am Donnerstag aus Polizeikreisen. Festnahmen habe es nicht gegeben.

„Der DIK in Hildesheim ist ein bundesweiter Hot-Spot der radikalen Salafistenszene“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) laut Mitteilung. „Nach Monaten der Vorbereitung sind wir mit den Durchsuchungen einen wichtigen Schritt zum Verbot des Vereins gegangen.“

Den Sicherheitsbehörden lägen Erkenntnisse vor, wonach im Verein Muslime radikalisiert und zur Teilnahme am Dschihad in den Kampfgebieten motiviert würden, sagte Pistorius. Zahlreiche Moschee-Besucher sind laut Innenministerium „nachweislich“ nach Syrien und in den Irak gereist - unter anderem, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. „Das werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln bekämpfen“, sagte Pistorius.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Die Region Hildesheim/Göttingen hat sich zu einem Schwerpunkt für die wachsende Zahl radikal-islamischer Salafisten entwickelt. Ein Drittel der im vergangenen Jahr in Richtung Syrien und Irak ausgereisten Gotteskrieger stammt aus der Region, wie es im Ende Mai vorgelegten Verfassungsschutzbericht 2015 hieß. Die Zahl der Salafisten stieg demzufolge von 400 Ende 2014 auf mehr als 540.

An der Razzia bis zum Mittwochabend waren bis zu 400 Einsatzkräfte der Polizeidirektion Göttingen, der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen mit mehreren Einsatzhundertschaften sowie aus dem Landeskriminalamt Niedersachsen mit dem Spezialeinsatzkommando beteiligt.

Von

dpa

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