Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2013

07:03 Uhr

Hindukusch

Bundeswehr-General vertraut afghanischen Sicherheitskräften

In 22 Monaten soll Schluss sein mit dem Afghanistan-Einsatz in seiner jetzigen Form. Frage wird sein, ob die Afghanen die Verantwortung für die Sicherheit schultern können. In der Truppe ist man vorsichtig optimistisch.

Erich Pfeffer übergibt das Regionalkommando heute in Masar-i-Scharif. dpa

Erich Pfeffer übergibt das Regionalkommando heute in Masar-i-Scharif.

BerlinKnapp zwei Jahre vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes haben afghanische Sicherheitskräfte weitgehend die Verantwortung von der Bundeswehr in Nordafghanistan übernommen. „Die Federführung für die Planung und Durchführung praktisch aller Sicherheitsoperationen liegt bereits heute bei unseren afghanischen Partnern“, sagte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan, Bundeswehr-General Erich Pfeffer. Er übergibt heute in Masar-i-Scharif das Regionalkommando an General Jörg Vollmer ab. Der Einsatz der Nato-geführten Isaf läuft Ende 2014 aus.

„Die Rolle der Isaf beschränkt sich jetzt auf die Beratung und Unterstützung mit beispielsweise Informationen oder durch Sprengfallenräumung“, sagte Pfeffer. „Aber eine Vielzahl von Operationen führen unsere Partner bereits völlig eigenständig durch.“ Mehr als 80 Prozent aller Sicherheitskräfte im Norden würden inzwischen durch die Afghanen selber und nicht mehr durch internationale Truppen gestellt. „Die afghanischen Sicherheitskräfte sind im vergangenen Jahr quantitativ nahezu vollständig aufgestellt worden und haben sich qualitativ deutlich verbessert.“

Vor Karsai-Besuch: Kompletter US-Abzug aus Afghanistan wäre möglich

Vor Karsai-Besuch

USA erwägen Komplett-Abzug

Die Option könnte sich auf Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten auswirken.

Auch die Sicherheitslage in der Region habe sich im vergangenen Jahr „insgesamt verbessert“, sagte Pfeffer. „In sechs von neun Provinzen war die Lage zuletzt ausgesprochen ruhig. Hier hat bereits die afghanische Polizei die Führungsrolle. Die Sicherheitsoperationen unter Führung des afghanischen Militärs konzentrieren sich auf drei Provinzen, und auch hier auf wenige Distrikte.“ Zu gewaltsamen Zwischenfällen komme es vor allem in zehn der 123 Distrikte im Norden. Hauptbedrohung seien weiterhin selbst gebaute Sprengfallen der Aufständischen.

Der General sagte: „Fraglos ist die Lage in einigen Distrikten noch nicht so, wie wir uns das wünschen würden. Fraglos haben die afghanischen Sicherheitskräfte noch Defizite. Aber die Fortschritte sind unübersehbar.“ Er sei daher „zunehmend optimistisch, dass sich diese Trends weiter ausbauen lassen und die afghanischen Sicherheitskräfte im Norden erfolgreich bestehen können, auch wenn es dafür keine Garantie gibt.“

Sicherheit im Land: Afghanistan ist dem Zeitplan voraus

Sicherheit im Land

Afghanistan ist dem Zeitplan voraus

Die Übergabe der Verantwortung an die Afghanen schreitet voran, und zwar schneller.

Wie viele internationale Truppen längerfristig in Afghanistan verbleiben ist laut Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) noch nicht unklar. Dies sei weder in der US-Administration noch für die Bundeswehr entschieden, sagte er der „Neuen Presse Hannover“. „Wir müssen ja auch sehen, wie sieht denn der Auftrag aus?“ Abstrakt sei das einfach: ausbilden und beraten. Aber unter welchen Bedingungen, müsse noch mit den Partnern besprochen werden.

„Es kann sein, dass wir noch im ersten Halbjahr diesen Jahres zu einer Vorentscheidung kommen. Es kann auch sein, dass wir sie erst 2014 treffen“, sagte de Maizière. „Das entscheiden ganz wesentlich die Amerikaner. Sie tragen die Hauptlast.“ Der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan soll 2014 beendet sein. Die USA planen nach Medienberichten, anschließend bis zu 10 000 Mann am Hindukusch zu belassen. Allerdings wurden angesichts der fragilen Sicherheitslage auch schon höhere Zahlen genannt. Der Bundestag hatte im Januar beschlossen, das Bundeswehr-Kontingent bis Ende Februar 2014 von derzeit 4500 auf 3300 Soldaten zu reduzieren.

Anschlag auf US-Stützpunkt in Afghanistan

Video: Anschlag auf US-Stützpunkt in Afghanistan

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×