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07.02.2005

14:24 Uhr

Hintergrund

Unternehmenssteuer: Der Streit um die tatsächliche Belastung

In der Debatte über die Steuerbelastung von Unternehmen in Deutschland werden häufig nur die Steuersätze mit denen anderer Länder verglichen. Dies greift jedoch zu kurz, denn beachtet werden müssen auch unterschiedliche Bemessungsgrundlagen als Basis für eine Besteuerung. So kommt es, dass die bloßen Steuersätze nicht die tatsächliche Belastung widerspiegeln.

HB BERLIN. Bei der Besteuerung von Personen- und Kapitalgesellschaften gibt es ein großes Gefälle. Ein Großteil aller deutschen Firmen zahlt als Personengesellschaft - etwa Offene Handelsgesellschaft (OHG) oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) - Einkommensteuer. Hier wurde der Spitzensatz von einst 53 auf jetzt 42 % gesenkt. Das heißt aber nicht, dass jeder OHG-Beteiligte auch den Spitzensatz zahlt. Dies hängt von seiner persönlichen Einkünftesituation ab.

Der Körperschaftsteuersatz - wichtigste Abgabe für Kapitalgesellschaften - ist niedriger. Unternehmen, die als GmbH oder Aktiengesellschaft firmieren, zahlen auf Gewinne 25 %. Bei einem Vergleich der nominalen Körperschaftsteuersätze unter EU- und Industrieländern rangierte Deutschland 2004 im unteren Drittel. Viele Länder - vor allem die neuen EU-Staaten - planen aber Nachlässe.

Durch zusätzliche Unternehmenssteuern ist die Belastung aber höher. Addiert man Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag hinzu, summiert sich die Belastung von Kapitalgesellschaften auf 38,7 %. Das ist so hoch wie in keinem anderen europäischen Land. Dieser Wert wird nur vom US-Staat New York (39,9) und Japan (40,9) übertroffen.

Zwischen nominalem Steuersatz und wirklicher Abgabenlast klafft dennoch eine Lücke. 2004 sprudelten zwar die Gewinne großer Konzerne. Durch viele Steuerschlupflöcher werden Gewinne aber klein gerechnet. Effektiv liegt die Belastung dank der Abzugsmöglichkeiten also niedriger. Dennoch kann ein hoher Steuersatz Investoren abschrecken.

Die EU-Kommission und die OECD beziffern die effektive Besteuerung in Deutschland auf 20 %, was weit unter EU-Durchschnitt ist. Der Industrieverband BDI hat dagegen eine effektive Steuerbelastung von 36 % ermittelt. Bei Kapitalgesellschaften liege der Grenzsatz je nach Gewinnverwendung zwischen 39,5 bis 53,8 %.

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