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20.01.2008

19:02 Uhr

Hinweise aus dem Libanon

Terrorwarnung für jüdische Einrichtungen

Für jüdische Einrichtungen in Deutschland besteht nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden eine erhöhte Terrorgefahr. Aufgrund von Hinweisen aus dem Libanon sei man am 11. Januar von den Behörden über eine „erhöhte Gefährdungssituation“ informiert worden, sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer

HB BERLIN. Diese Warnung gelte nach seinen Informationen nicht speziell für die Hauptstadt, so Kramen gegenüber der Nachrichtenagentur DPA, sondern deutschlandweit sowohl für jüdische als auch für andere zivile Einrichtungen. Das Magazin „Focus“ hatte zuvor berichtet, Berlins Jüdische Gemeinde und die israelische Botschaft seien ausdrücklich vor Attentaten islamischer Terroristen gewarnt worden. Hintergrund sei die Festnahme von vier verdächtigen Arabern in Berlin. Laut „Focus“ waren sie beim Ausspähen jüdischer Objekte ertappt worden. Drei von ihnen seien mittlerweile wieder auf freiem Fuß, der vierte bleibe wegen anderer Delikte in Haft. Dies konnte die Berliner Polizei allerdings nicht bestätigen.

Kramer sprach von Hinweisen aus dem Libanon und einem Zusammenhang zu den Prozessen gegen die „Kofferbomber“ von Köln. Mit einem ähnlichen Hintergrund hatte es bereits vor einer Woche Meldungen über Anschlagspläne in Deutschland gegeben, unter anderem gegen das Bundesjustizministerium. Diese Terrorwarnung ging auf die Festnahme eines mutmaßlichen Extremisten im Libanon zurück. Auch hier war von „Rache“ für die „Kofferbomber“ die Rede, die 2006 in zwei Regionalzügen Sprengsätze deponiert hatten, die allerdings nicht explodiert waren. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte am vergangenen Montag allerdings Entwarnung gegeben.

Laut Zentralrat gilt die erhöhte Gefährdungslage jedoch nach wie vor. Anlass zur Panik bestehe allerdings nicht. „Es gibt überhaupt keinen Grund, jetzt mit der Sirene durch die Stadt zu laufen“, sagte Kramer. Die Sicherheitsvorkehrungen vor den jüdischen Einrichtungen seien aber erhöht worden. Auch die „Berliner Morgenpost“ meldete am Samstag, vor Synagogen und jüdischen Schulen in der Hauptstadt solle verstärkt Streife gefahren werden. Der Zeitung zufolge sollen zudem in dieser Woche an mindestens drei jüdischen Einrichtungen Betonsperren errichtet werden, um zu verhindern, dass Terroristen mit Fahrzeugen in die Gebäude eindringen können.

Bundesinnenministerium, Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft wollten am Wochenende keine Stellung nehmen. „Focus“ berichtete unterdessen, an einem geheimen Ort sei bereits eine große Menge Sprengstoff gebunkert worden. Zudem sei befürchtet worden, dass ein gestohlener Bundeswehr-Kleinbus - der mittlerweile mit abmontierten Kennzeichen wiedergefunden wurde - als rollende Bombe eingesetzt werden soll. Auch dies ähnelt den Berichten von vor einer Woche. Damals war die Rede von einem Lastwagen, der mit bis zu einer Tonne Sprengstoff auf dem Weg nach Deutschland sei.

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