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19.03.2014

14:41 Uhr

Hitler-Vergleich

Timoschenko vergrault deutsche Politiker

VonDietmar Neuerer

ExklusivHitler-Vergleiche gehen in Deutschland immer nach hinten los – so auch für Julia Timoschenko. Mit drastischen Worten hatte die Ukrainerin Putin „ungefilterten Faschismus“ vorgeworfen. Und erntet nun harte Kritik.

Ukrainische Politikerin Timoschenko: „Putin will die Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut.“ dpa

Ukrainische Politikerin Timoschenko: „Putin will die Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut.“

BerlinJulia Timoschenko kennt keine Gnade. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, schont sie sich nicht – und ihre politischen Gegner erst recht nicht. Bereits aus der zweieinhalbjährigen Haft heraus führte die wegen Amtsmissbrauchs verurteilte ukrainische Ex-Regierungschefin mit flammenden Appellen die Opposition gegen Präsident Viktor Janukowitsch. Mit Erfolg: Janukowitsch ist längst nicht mehr im Amt. Wer sein Nachfolger werden soll, steht für Timoschenko außer Frage. Sie will bei der Präsidentenwahl am 25. Mai antreten. Dafür rührt sie schon kräftig die Werbetrommel.

Allerdings  erzielt Timoschenko damit nicht immer den gewünschten Effekt, wie ein Interview mit der „Bild“-Zeitung zeigt. Die 53-Jährige, die für viele noch ein Symbol der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 ist, wirft in dem Gespräch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin „ungefilterten Faschismus“ vor. Er beabsichtige „die Neuzeichnung von Weltkarten durch Kriege, Massenmord und Blut“, sagt sie. Dieses Programm sei Putins „Mein Kampf“.

Die drastische Wortwahl kommt in der deutschen Politik nicht eben gut an. „Das ist völlig verantwortungsloses Gerede, mit dem sie sich als Politikerin disqualifiziert und Wasser auf die russische Propagandamühle leitet“, sagte der Russland-Berichterstatter der Unions-Bundestagsfraktion, Karl-Georg Wellmann, Handelsblatt Online. Die Europäische Union brauche aber Partner, die sich den Anforderungen gewachsen zeigen, die Ukraine aufzubauen. „Frau Timoschenko jedenfalls hat in der Vergangenheit schon genug Unheil angerichtet und sollte sich ihrer Gesundheit widmen“, fügte der CDU-Außenpolitiker hinzu. „Sie tut ihrem Land einen wichtigen Dienst, wenn sie sich als Person aus der Politik heraushält.“

„Historische Vergleiche verbieten sich von selbst“

Auch die SPD geht auf Distanz zur ukrainischen Oppositionsführerin. „Die von Frau Timoschenko angeführten Vergleiche sind irreführend und unangebracht“, sagte der Vize der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, Handelsblatt Online. Messlatte für die Bewertung internationalen Handelns seien die Beachtung von Regeln und das Ansinnen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. „Frau Timoschenko sollte ihren Aufenthalt in Deutschland ausschließlich nutzen, um wieder gesund zu werden.“

Die Grünen sehen die Rolle Timoschenkos ebenfalls sehr kritisch. „Historische Vergleiche jeglicher Art verbieten sich von selbst – gerade in der jetzigen Situation“, sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, Handelsblatt Online. Die Ukraine brauche jemanden, der das Land wieder zusammenführt und integriert. „Timoschenko hat in der letzten Zeit nicht unbedingt so gewirkt.“

Nach Ansicht des Außenexperten der Linksfraktion im Bundestag, Stefan Liebich, hat sich Timoschenko mit ihren Aussagen als ernstzunehmende Gesprächspartnerin für die Bundesregierung disqualifiziert. „Gift und Galle sind die falschen Zutaten für eine auf Frieden und Stabilität gerichtete Politik in der Ukraine“, sagte Liebich Handelsblatt Online. „Bei aller berechtigten Kritik am Vorgehen Russlands verbieten sich Vergleiche Putins mit Hitler schon allein mit Blick auf die Millionen Toten, die die UdSSR im von Hitler begonnenen Zweiten Weltkrieg zu beklagen hat.“ Die Europäische Union wäre daher gut beraten, zu diesen Äußerungen von Timoschenko auf Distanz zu gehen.

Kommentare (36)

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19.03.2014, 13:59 Uhr

Aus der gestrigen Rede Putin´s lese ich heraus, dass für sein Handeln folgendes bestimmend ist: nach der "Heimholung" der für Russland strategisch sehr wichtigen Krim möchte er zur Tagesordung übergehen, internationale Geschäftsbeziehungen ausbauen und entwickeln als gleichberechtigter Parner der führenden Industrienationen. Dies ist m.E. sein Hauptanliegen. Dafür ist er bereit, auf die "Heimholung" der russisch dominierten Ostukraine zu verzichten.

Sollte Russland jedoch international isoliert werden, hält er sich nicht nur die Option offen, die Ostukraine "heimzuholen" - "zum `Schutz´ der dort lebenden Russen" - sondern die gesamte Ukraine - "Kiew ist die Mutter der russischen Städte".

Dass Putin bereit ist, auf die "Heimholung" der Ostukraine zu verzichten, ist allein der Drohung mit Isolation und Wirschaftssanktionen geschuldet. Diese Drohung hat somit schon Wirkung entfaltet, wohlgemerkt ihre maximal mögliche Wirkung, da die Krim für Russland strategisch zu wichtig ist.
Es ist jetzt Aufgabe der Politik und der Diplomatie, diesen Status Quo mit Russland zu sichern. Wen erst die "Heimholung" der Ostukraine oder sogar der von Kiew Fahrt aufnimmt, würde man sich sehnlichst die jetzt aktuelle Sachstandslage - wohl vergeblich - herbeiwünschen. Ich wünsche der von mir sehr geschätzten Frau Bundeskanzlerin weiterhin eine glückliche Hand und gute Intuition bei den anstehenden Entscheidungen. MfG Bihari Sharan

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19.03.2014, 14:01 Uhr

Timoschenko vergrault deutsche Politiker.
Schickt sie sofort dahin wo sie hergekommen ist, nämlich in den Knast.
Sie ist und bleibt eine Verbrecherin, die sich am Volksvermögen bereichert hat.
Kein Krankenaufenthalt in Berlin, keine Presseberichte oder Fernsehauftritte in der BRD.
Gute Heimreise Frau Timoschenko, man kann auf sie verzichten.

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19.03.2014, 14:08 Uhr

es zeigt sich wieder einmal, wie Hilfebedürftige Menschen, die von Deutschland mit sozialer/humanen Verantwortung aufgenommmen werden, ihren "Herren in die Hand beißen"

Es wird Zeit das wir "Tollwütige Hunde" aus den Land schmeißen inkl. Forderung der geleisteten Sozialleistungen!

Der ganze Hitlerscheiß geht einen so auf den Nerv. Rede doch auch nicht permanent von der Römischen Versklavung!

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