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07.04.2012

03:46 Uhr

Hochhuth über Grass

„Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann“

Rolf Hochhuth mischt sich in die Debatte um Grass' Israel-kritisches Gedicht ein. Der Schriftsteller richtet sich in einem Brief an Günter Grass. Auch Günter Grass hat sich ausführlicher zu Wort gemeldet.

Literaturnobelpreisträger Günter Grass in seinem Atelier in Behlendorf. dpa

Literaturnobelpreisträger Günter Grass in seinem Atelier in Behlendorf.

Berlin/MünchenDer Schriftsteller Rolf Hochhuth, Verfasser des Dramas „Der Stellvertreter“ über den Vatikan während der NS-Zeit, hat den Literaturnobelpreisträger Günter Grass wegen eines Israel-kritischen Gedichts scharf kritisiert. In einem Beitrag in den Zeitungen „Die Welt“ und „Münchner Merkur“ schreibt Hochhuth in Briefform, seit Hitler habe kein anderer Staat als der Iran dem jüdischen Volk die Ausrottung angedroht.

Hochhuth schreibt weiter, er schäme sich als Deutscher, „Deiner anmaßenden Albernheit, den Israelis verbieten zu wollen, ein U-Boot deutscher Produktion zu kaufen, das möglicherweise allein ihrem kleinen Staat die letzte Sicherheit geben kann, von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht nicht ausgerottet zu werden“. Der an Grass gerichtete Beitrag schließt mit den Worten: „Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat, aber den Bundeskanzler Kohl anpöbelte, weil der Hand in Hand mit einem amerikanischen Präsidenten einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem auch 40 SS-Gefallene liegen - nie gab es einen meisterhafteren Tartuffe als Dich!“

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Günter Grass hat in einem Gedicht die israelische Politik gegenüber dem Iran kritisiert.

Der Literaturnobelpreisträger verteidigte sich gegen Angriffe wegen des Gedichts und beteuerte zugleich, er würde es jetzt anders schreiben. Er würde nun seine Kritik präziser formulieren, sagte Grass der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich würde den pauschalen Begriff „Israel' vermeiden und deutlicher machen, dass es mir in erster Linie um die derzeitige Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu geht“, sagte Grass.

Kommentare (121)

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Ein-Schaf-weniger

07.04.2012, 06:14 Uhr

Günther Grass : meine Hochachtung an Sie. Es gibt noch einige mutige Menschen in Deutschland, welche es wagen die Wahrheit zu sagen. Leider müssen Sie nun alleine die widerlichen und verdrehten Kommentare und Kritiken ertragen. Ich führchte nur um diese Wahrheiten auszusprechen, braucht man eine gewisse Seniorität. Wir, die vielen Anderen, welche sich nicht trauen aufzustehen, sind zu jung und glauben zu viel zu verlieren zu haben. Auf eine solche Weise kann es dazu kommen, (...). Leider läßt mich mein kurzer Abstecher in die Bibel (Erstes Testament) nicht wirklich fröhlich werden, denn was ich dort lese scheint mit dazu beizutragen, daß die Welt nicht friedlicher wird. Man kann also noch nicht einmal mehr hoffen, daß Gott hilft. Aber bekanntlich stirbt ja die Hoffung zuletzt, aber sie stirbt. Schöne Ostern !

Bodenheim

07.04.2012, 06:16 Uhr

Hier stimmt doch einiges schlichtweg nicht: Der Iran ist keine Atommacht, hat laut CIA sein Atombombenprogramm sogar aufgegeben. Israel kauft die U-Boote nicht vollständig, sondern erhält sie zum Teil geschenkt. Und der Iran hat meines Wissens nie von Ausrottung gesprochen, das war ein Übersetzungsfehler. Meine Güte, was für eine Propagandaschlacht.

Account gelöscht!

07.04.2012, 06:18 Uhr

Leider kann ich Herrn Hochhuth nicht folgen. Er schreibt von der Gefahr Israels, 'von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht ausgerottet zu werden'. Die einzige Atommacht im Nahen Osten ist Israel. Der Iran hat laut CIA, so die Presseberichte, weder Atomwaffen noch baut er daran. Israel ist die dem Iran engst benachbarte Atommacht und könnte den Iran buchstäblich über Nacht ausrotten, zumal es, wie Nord-Korea, den Atomwaffensperr-Vertrag ablehnt. Wir werden es sehen, wer die Bomben wirft!

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