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30.01.2005

18:55 Uhr

Hochqualifizierte Persönlichkeiten aus dem ganzen Euroraum auswählen

Ökonomen kritisieren nationale Erbhöfe bei EZB- Führungsstellen

Achtzehn prominente internationale Ökonomen aus Hochschulen, Banken und Forschungsinstituten haben in einer gemeinsamen Erklärung an die EU-Finanzminister appelliert, die Nationalität nicht zum vorrangigen Auswahlkriterium für Posten im Leitungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB) zu machen.

FRANKFURT. „Wir sind über eine sich abzeichnende Tendenz besorgt, dass ausscheidende Direktoriumsmitglieder der Europäischen Zentralbank aus den großen Euro-Mitgliedsländern automatisch durch einen Staatsangehörigen des gleichen Landes ersetzt werden. Ohne damit eine Einschätzung der Qualifikation von Personen zu verbinden, die derzeit als Kandidaten für dieses Amt diskutiert werden, geben wir zu bedenken, dass eine solche Praxis die Kandidatenauswahl unnötig beschränken würde",erklärten die Ökonomen nach einem Bericht des Handelsblatts.

"Um die Reputation der EZB zu bewahren, sollte sich die Auswahl immer auf hochqualifizierte Persönlichkeiten aus dem ganzen Euroraum erstrecken", heißt es weiter. "Wir möchten daher die Finanzminister ermutigen, dem EU-Rat regelmäßig mehrere hochqualifizierte Kandidaten vorzuschlagen. Dabei darf es keine Vorfestlegung geben, wonach ein Land oder eine Ländergruppe ein automatisches Recht hat, im EZB-Direktorium vertreten zu sein. Darüber hinaus ermutigen wir die Finanzminister, Kandidaten mit unterschiedlichen Erfahrungsschwerpunkten in Betracht zu ziehen, wie dies der Praxis in anderen Zentralbanken entspricht. Damit würde gefördert, dass eine Vielfalt von Sichtweisen und Erfahrungen in die geldpolitische Entscheidungsfindung einfließt.“

Derzeit läuft die Kandidatenkür für die Nachfolge des italienischen EZB-Direktoriumsmitglieds Tommaso Padoa-Schioppa, der Ende Mai turnusgemäß ausscheidet. Unbestätigten Meldungen zufolge haben die EU-Finanzminsiter der italienischen Regierung informell ein Vorschlagsrecht eingeräumt. Bereits im vergangenen Jahr war der ausscheidende Spanier Eugenio Domingo Solans durch einen Landsmann ersetzt worden.

Die 18 Ökonomen gehören dem EZB-Schattenrat an, der seit November 2002 geldpolitische Fragen diskutiert und die Politik der europäischen Notenbank kritisch begleitet.

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