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12.06.2013

18:46 Uhr

Hochwasserschäden

Fluthilfe-Fonds soll acht Milliarden Euro schwer werden

Der geplante Fonds zur Fluthilfe soll ein Volumen von rund acht Milliarden Euro haben. Es gebe aber keine Obergrenze, sagte Kanzlerin Merkel. Die Summe sollen sich Bund und Länder offenbar teilen – was auf Kritik stößt.

Besuch im Hochwassergebiet

Merkel sichert Hilfsmaßnahmen zu

Besuch im Hochwassergebiet: Merkel sichert Hilfsmaßnahmen zu

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BerlinDer geplante Hilfsfonds zur Beseitigung der Hochwasserschäden wird mindestens rund acht Milliarden Euro umfassen. In der schwarz-gelben Koalition hieß es am Mittwoch in Berlin, die Summe würden sich Bund und Länder zur Hälfte teilen. „Wir haben keine Obergrenze eingezogen“, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Besuch in dem vom Hochwasser betroffenen schleswig-holsteinischen Lauenburg. Am Donnerstag will Merkel bei einem Treffen mit den Ministerpräsidenten in Berlin über ein Hilfspaket reden.

Die SPD signalisierte Unterstützung, forderte die Koalition aber auf, zugunsten der Flutopfer auf teure Wahlversprechen zu verzichten. In den Katastrophengebieten kämpften Freiwillige, Feuerwehrleute und Soldaten weiter um die durchweichten Deiche. An vielen Stellen entspannte sich die Lage leicht. Zehntausende Menschen harrten aber weiter in Notunterkünften aus.

Wie hoch die Schäden sind, lässt sich zwar erst beziffern, wenn die Flut vorbei ist. Allerdings gibt es erste Schätzungen. So gehen die Versicherungsexperten der US-Ratingagentur Fitch von einem Schaden von rund zwölf Milliarden Euro aus. Davon seien 2,5 bis drei Milliarden Euro versichert. Die Flut von 2002 hatte die Versicherungsbranche rund 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Wie vor elf Jahren soll bei der Beseitigung der Schäden ein Bund-Länder-Fonds helfen, der damals einen Umfang von sieben Milliarden Euro hatte. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, im Kabinett habe Finanzminister Wolfgang Schäuble eine Neuauflage des Fonds als Option bezeichnet. Dabei könne auch Geld aus dem EU-Solidaritätsfonds angefordert werden, heißt es in einem Reuters vorliegenden Papier des Finanzministeriums für den Haushaltsausschusses des Bundestages. Das Anzapfen des EU-Fonds sei möglich, weil die Schäden mehr als 3,7 Milliarden Euro betragen würden. Der Antrag muss spätestens innerhalb von zehn Wochen nach Auftreten der ersten Schäden gestellt werden. Merkel sprach von „sehr großen Schäden“, weil auch die Infrastruktur in den Hochwassergebieten erheblich betroffen sei.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach für einen Nachtragshaushalt aus, um die Hilfsgelder schnell aufbringen zu können. Steuererhöhungen wie 2002 nannten er und die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt unnötig. Getragen werden sollten die Kosten je zur Hälfte von Bund und Ländern. Schäubles Sprecher Martin Kotthaus sagte, Steuererhöhungen seien „nicht relevant“. „Die Hilfe wird ausreichend und schnell da sein.“

Kommentare (13)

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Ric

12.06.2013, 13:51 Uhr

"Vorgesehen sei, dass Bund und Länder die Kosten je zur Hälfte trügen... Fitch hat die wirtschaftlichen Schäden auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt. "

Was fehlt, kommt über Spenden aus der eigenen Bevölkerung, das wird kurzerhand mit eingerechnet.

Zur Solidarität innerhalb der EU und unseren vielen Freunden fällt mich nichts ein...

Ric

12.06.2013, 13:54 Uhr

es muss natürlich: "fällt mir nichts ein" heißen

Rene

12.06.2013, 16:06 Uhr

Wüßte ich auch gern, wo die europäische Solidarität bleibt...

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