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19.02.2016

13:24 Uhr

Höcke kontra van Dyk

Eine Hymne für die AfD

VonDietmar Neuerer

Björn Höcke darf ein Lied des Star-DJs Paul van Dyk nicht mehr als Hymne für seine Anti-Asyl-Auftritte verwenden. Die AfD will das Verbot ignorieren, dabei haben Höckes Fans schon längst andere Song-Ideen.

Auf seinen AfD-Kundgebungen wettert Björn Höcke nicht nur gegen die Asylpolitik der Bundesregierung, er lässt auch Songs abspielen, die er mit leuchtenden Augen mitsingt. AP

Thüringer AfD-Chef Höcke.

Auf seinen AfD-Kundgebungen wettert Björn Höcke nicht nur gegen die Asylpolitik der Bundesregierung, er lässt auch Songs abspielen, die er mit leuchtenden Augen mitsingt.

BerlinOb Björn Höcke ein glühender Fan des international bekannten Techno-DJs Paul van Dyk ist, wissen wir nicht. Auf den regelmäßigen Anti-Asyl-Kundgebungen des AfD-Politikers in Thüringen war lediglich zu beobachten, dass es ihm ein Song des Berliner Musikers besonders angetan haben muss.

Das Lied „Wir sind wir“ von van Dyk und Peter Heppner ließ Höcke immer wieder als seine Auftrittsmusik bei den monatlichen Protestaktionen auf dem Erfurter Domplatz spielen. Der AfD-Fraktionschef soll manchmal sogar leuchtenden Auges mitgesungen haben. Das Ganze habe gewirkt, als würde hier einer seine eigene Hymne vortragen.

Dabei hat die AfD offiziell gar keine Hymne. Und geht es nach dem Berliner Star-DJ van Dyk soll das auch so bleiben. Jedenfalls will der Musiker nicht, dass Höcke, der dem deutschnationalen Flügel der Partei zugerechnet wird, weiterhin auf seinen Song zugreift. Van Dyk droht sogar mit juristischen Konsequenzen, berichtete „Zeit Online“. Und was macht die AfD? Sie kündigte an, das Lied weiter zu verwenden – obwohl es Alternativen gebe. Das meinen jedenfalls einige Internetuser, die auf Höckes Facebook-Seite ihre Ideen ausbreiteten.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

„Warum nicht einen Wettbewerb ausschreiben, wer der AfD die schönste Parteihymne komponiert?“, schreibt eine Annette Fuchs und regt dazu gleich an, ein kleines Preisgeld auszusetzen.

Ähnlich denkt Andre Hochstein: „Einfach wie Pegida eine eigene Hymne komponieren dann muss man solchen Leuten nicht mehr am Hintern lecken!“

Andere User empfehlen stattdessen musikalischem Stoff, den es schon gibt und der wie maßgeschneidert für eine AfD-Hymne scheint. So schlägt eine Ines Hoffmann vor, mehr Patriotismus zu wagen und „Deutscher Patriot“ des jungen Nachwuchsrappers Chris Ares zu spielen.

Ein Maggy Linde plädiert für den Gefangenen-Chor von Nabucco. „Ich finde der passt bestens.“

Christian Rogler glaubt, dass der österreichische Volksmusik-Star Andreas Gabalier sicher nichts dagegen hätte, „wenn da die „Heimatsöhne“ gespielt würden“.

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