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29.03.2016

12:37 Uhr

Höcke vs. Meuthen

AfD streitet über NPD-nahen Landesverband

VonDietmar Neuerer

In der AfD ist ein Streit über den NPD-nahen saarländischen Landesverband entbrannt. Der Thüringer Landeschef Höcke kritisiert den Beschluss der Parteispitze, den Verband aufzulösen und löst damit großen Unmut aus.

Der AfD-Bundesvorstand hatte den Landesverband im Saarland vor einigen Tagen aufgelöst - jetzt gibt es parteiinterne Kritik an der Entscheidung. dpa

AfD

Der AfD-Bundesvorstand hatte den Landesverband im Saarland vor einigen Tagen aufgelöst - jetzt gibt es parteiinterne Kritik an der Entscheidung.

BerlinDer Bundesvorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen, hat die Kritik des Thüringer Landeschefs Björn Höcke an der Entscheidung zur Auflösung des saarländischen Landesverbandes zurückgewiesen. „Wir wissen als Bundesvorstand schon, warum und auf Basis welcher konkreten Vorgänge wir in diesem Fall so handeln“, sagte Meuthen der „Thüringer Allgemeinen“.

Höcke hatte auf der Facebook-Seite seiner Plattform „Der Flügel“ mitgeteilt: „Eine Partei, die einen Landesverband auflöst, scheint mir den Kinderschuhen doch noch nicht ganz entwachsen zu sein.“ Inzwischen wurde der Post offenkundig wieder gelöscht.

Björn Höcke kritisiert die Entscheidung der AfD-Bundesspitze gegen den saarländischen Landesverband. (HB: Screenshot)

Höcke-Zitat

Björn Höcke kritisiert die Entscheidung der AfD-Bundesspitze gegen den saarländischen Landesverband. (HB: Screenshot)

Der Bundesvorstand hatte den Landesverband im Saarland vor einigen Tagen aufgelöst. Die Entscheidung muss jedoch noch von einem Bundesparteitag bestätigt werden. Zuvor hatte das Magazin „Stern“ über enge Verbindungen der dortigen Landespitze zur NPD berichtet.

Höckes Thüringer Co-Vorsitzender Stefan Möller wollte sich der Kritik an der AfD-Spitze nicht anschließen. „Ich gehe davon aus, dass der Bundesvorstand seine Entscheidung nicht leichtfertig getroffen hat“, sagte er der Zeitung. Er wisse nicht, auf welche zusätzlichen Informationen sich sein Amtskollege möglicherweise beziehe.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

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