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04.08.2014

07:15 Uhr

Höhere Löhne

Top-Manager vs. Bundesbank-Chef

ExklusivBundesbank-Präsident Weidmann hält Lohnerhöhungen von drei Prozent für einen guten Richtwert. Bei deutschen Führungskräften stößt er auf Granit. Eine deutliche Mehrheit sagt, Notenbanker sollten zu dem Thema schweigen.

Bundesbank-Präsident Weidmann hat mit seiner Äußerung zu Lohnerhöhungen für Aufsehen gesorgt. dpa

Bundesbank-Präsident Weidmann hat mit seiner Äußerung zu Lohnerhöhungen für Aufsehen gesorgt.

FrankfurtTop-Manager in Deutschland haben sich irritiert über Wortmeldungen der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) über mögliche Lohnerhöhungen geäußert. Das gehöre nicht zu den Aufgaben der Zentralbanken, meint die große Mehrzahl der Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft (83 Prozent). Dieses deutliche Ergebnis zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, das im Auftrag des Handelsblattes in der Zeit vom 29. bis 31. Juli 502 Führungskräfte in Unternehmen ab hundert Mitarbeitern telefonisch befragt hat.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hatte in der vergangenen Woche gesagt, es sei zu begrüßen, dass die Arbeitsentgelte wieder stärker steigen. Als Richtwert nannte er jährliche Erhöhungen von drei Prozent. Zuvor hatten sich die Chefvolkswirte der Bundesbank und der EZB ähnlich geäußert. Die Bundesbank warf den Vorwurf zurück, sie mische sich in Tarifverhandlungen ein.

Die für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Topmanager lehnen eine Kommentierung der Tarifverhandlungen durch Notenbanken nicht nur generell ab – sie widersprechen der Auffassung Weidmanns auch inhaltlich: 62 Prozent sind der Meinung, höhere Lohnabschlüsse seien in Deutschland „derzeit nicht angemessen“. Und für mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen würden höhere Lohnabschlüsse zurzeit nach eigenen Angaben „größere Schwierigkeiten mit sich bringen“. Insbesondere Manager in Ostdeutschland treibt diese Sorge um.

99 Sekunden

Lohnerhöhungen: Bitte nur mit Maß

99 Sekunden: Lohnerhöhungen: Bitte nur mit Maß

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Von

doh

Kommentare (6)

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Herr Manfred Zimmer

04.08.2014, 08:06 Uhr

"Bei deutschen Führungskräften stößt er auf Granit. Eine deutliche Mehrheit sagt, Notenbanker sollten zu dem Thema schweigen."

Wer sind "deutsche Führungskräfte"?
Wer ist eine " deutliche Mehrheit"?

Es sind die, die seit der Agenda 2010 ganz offensichtlich profitierten und zu Lasten der produktiven Bürgerschaft ungebührliche Bonizahlungen eingestrichen haben. Das hatte und hat nichts mit einer sozialen Marktwirtschaft und erst recht nichts mit der Schaffung eines EU-Wirtschaftsraums, geschweige denn mit einer Stabilisierung des Euros zu tun.

Eine Kritik an der Bundesbank, dass sie sich in die Tarifautonomie einmischt, wäre sachlich korrekt gewesen. Wenn diese definierte Mehrheit, konkret 2 von 3 befragten Managern ( der Rest wurde erst gar nicht befragt ) zu sehr an ihren Bonuszahlungen hängt, keine soziale Verantwortung übernommen hat und übernimmt, dann gehören sie nicht auf diese Positionen.

Ein Beispiel sollten sie sich an "Herrn ALDI" nehmen. Er ist sehr Reich geworden und versorgte das Volk mit günstigen Nahrungsmitteln. Diese Quadratur sollten sie erst einmal hinbekommen.

Ich stimme den Kritikern jedoch darin zu, dass es nicht Aufgabe des Bundesbankpräsidenten sondern ureigenste Aufgabe von Politikern und Tarifvertragsparteien war, für mehr Gerechtigkeit Sorge zu tragen. Aber an diesen Stellen werden "alternativlos" die monatlichen Diäten und Gehaltschecks fraglos eingestrichen.

In gewissem Sinne habe ich auch Verständnis für deren Bemühen "die Kuh, die sie melken", festhalten zu wollen. Man sollte dabei jedoch darauf verzichten, das Volk für blöde zu halten und sich einen sozialen Anstrich geben zu wollen.

Herr Wolfgang Wüst

04.08.2014, 08:27 Uhr

3% - Ob Herr Weidmann so etwas artikuliert oder nicht, bleibt sich gleich. Unter Beibehaltung der kalten Progression bleibt ein sattes 1% beim Lohnempfänger hängen. Das reicht nicht zur Steigerung der Kaufkraft, sondern gerade mal für einen Teil der Inflation.

Eine gefürchtete Lohn-/Preis-Spirale wird davon nicht ausgelöst. Einen Dämpfer für den Wirtschaftsstandort sehe ich bei dieser Größenordnung auch nicht.

Herr Christian Feld

04.08.2014, 09:13 Uhr

Die Aufgabe der Bundesbank/EZB ist die Preisstabilität und diese sieht sie bei einer Inflationsrate von ca. 2% als gewährleistet.
Aktuell sind die Inflationsraten sehr niedrig, manche Volkswirte reden von Deflationsrisiken.

Inflation lässt sich über höhere Löhne erreichen und damit macht die Bundesbank nur ihren Job, wenn sie auf jenen Zusammenhang hinweist.

Klar: "Führungskräfte" sehen höhere Löhne nicht gerne, denn diese bedeuten höhere Kosten und damit für sie weniger Boni.

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