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29.08.2013

06:43 Uhr

Höhere Steuern

Grüne wollen Fußballstars schröpfen

VonDietmar Neuerer

ExklusivBezahlen große deutsche Fußballclubs wie Bayern München zu hohe Spielergehälter? Ja, meint ein Wissenschaftler und fordert einen Gehaltsdeckel. Die Politik halt davon wenig. Die Grünen haben einen anderen Vorschlag.

Bastian Schweinsteiger (l.) und Franck Ribery vom FC Bayern München: Sollen Fußballmillionäre mehr Steuern zahlen? dpa

Bastian Schweinsteiger (l.) und Franck Ribery vom FC Bayern München: Sollen Fußballmillionäre mehr Steuern zahlen?

BerlinDie Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold (Grüne), nimmt Spitzenverdiener im deutschen Fußball ins Visier. „Wir brauchen keine Gehaltsdeckel für einzelne Branchen, sondern höhere Steuern für Gehaltsmillionäre“, sagte Heinold Handelsblatt Online. „Einem Ribéry, der bei Bayern München kolportierte zehn Millionen Euro jährlich verdienen soll, tut eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent mit Sicherheit nicht weh.“ Im Gegenteil: „Gerade mit einem Ferrari fährt es sich nicht gut auf Schlaglochpisten“, sagte die Ministerin und fügte hinzu: „Ohne ausreichende Steuereinnahmen wird sich aber der Sanierungsstau unserer Infrastruktur nicht auflösen lassen.“

Heinold reagierte auf Äußerungen des Direktors des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), Klaus F. Zimmermann, der angesichts einer wachsenden wirtschaftlichen Diskrepanz zwischen reicheren und ärmeren Clubs auch in der deutschen Bundesliga eine Neuregelung für Spitzengehälter im Fußball angeregt hatte. „Bevor der europäische Spitzensport seinen Konzentrationsprozess noch weiter fortsetzt und einige wenige Vereine mit allen Titeln davonlaufen, sollten wir aus dem Beispiel Amerika lernen. Dort werden die Grundprinzipien der Fairness nachhaltig mit den Grundsätzen des freien Marktes verbunden“, schrieb Zimmermann in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. In den US-Profiligen gibt es Gehaltsgrenzen, wird das Gehaltsbudget der Clubs gedeckelt.

Mit Blick auf Deutschland stelle sich die Frage, „inwieweit Bayern München und Borussia Dortmund nicht zu dominant geworden sind und ob sich dieser Trend aufgrund ihrer Marktmacht beim Spieleraufkauf nicht noch weiter fortschreiben wird. Das würde dem echten Wettbewerb in der Bundesliga nicht gut tun“, meint der IZA-Direktor. Immerhin hätten die beiden Mannschaften seit dem Jahr 2000 insgesamt zehn Meisterschaften errungen sowie zahlreiche weitere Titel. Gleiches gelte auch europaweit.

Die umsatzstärksten Fußballklubs in Europa (Rang 1-10)

Platz 1

Der umsatzstärkste Fußballklub der Saison 10/11 ist Real Madrid mit 479,5 Mio. Euro. Damit bleibt der Verein seinem Platz des Vorjahres weiterhin treu.

Quelle: Studie „Football Money League“, Deloitte (März 2012)

Platz 2

Auf der zweiten Position bleibt der FC Barcelona in der Saison 10/11 mit 450,7 Millionen Euro.

Platz 3

Der Verein Manchester United behält ebenfalls seine Position 3 als umsatzstärkster Fußballklub. In der Saison 10/11 machte er einen Umsatz von 367,0 Millionen Euro.

Platz 4

Auch Bayern München hält sich wacker auf der vierten Position vom Vorjahr mit 321,4 Millionen Euro Umsatz in der Saison 10/11.

Platz 5

Arsenal London gibt ebenfalls seinen Platz vom Vorjahr nicht ab und machte in der Saison 10/11 einen Umsatz von 251,1 Millionen Euro.

Platz 6

Kurz dahinter liegt Chelsea London weiterhin auf dem sechsten Platz mit 249,8 Millionen Euro.

Platz 7

Der AC Mailand nimmt - wie im Vorjahr auch - mit 235,9 Millionen Euro die siebte Position des umsatzstärksten Fußballklubs ein.

Platz 8

Inter Mailand hingegen stieg von Platz neun auf Platz acht auf und erzielte einen Umsatz von 211,4 Millionen Euro.

Platz 9

Vom achten Platz auf den neunten Platz fiel der FC Liverpool. Sein Umsatz in der Saison 10/11 betrug 203,3 Millionen Euro.

Platz 10

Den zehnten Platz nimmt schließlich der FC Schalke ein. Im Vorjahr war er noch auf Platz 16 und schaffte es jetzt, mit einem Umsatz von 202,4 Millionen Euro auf den zehnten Platz vorzudringen.

Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing bezweifelte, ob die Einführung von Maxilöhnen tatsächlich zu mehr Fairness und Wettbewerbsgleichheit in der Bundesliga führe. „Gerade das Bemühen der Vereine um die besten Spieler sorgt dafür, dass die Bundesliga spannend bleibt und auch auf internationaler Ebene konkurrenzfähig ist“, sagte der Bundestagsabgeordnete Handelsblatt Online.

Vor einigen Jahren habe sich Borussia Dortmund noch in einer finanziellen Krise befunden, jetzt spiele die Mannschaft in der Spitze. „Das zeigt deutlich, sportlicher Erfolg ist nicht nur eine Frage von Spielergehältern und Vereinsbudgets“, betonte Wissing. „Gleichmacherei macht den Sport nicht spannender, sondern eher eintöniger.“ Das letzte was die Liga brauche sei ein Bundesliga Tarifvertrag nach dem Vorbild des Öffentlichen Dienstes.

Kommentare (48)

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THHL

29.08.2013, 06:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Nachrechner

29.08.2013, 07:31 Uhr

Der grüne Sozialismus soll jetzt wohl auch in der Bundesliga einziehen, damit Freiburg endlich Meister wird.
Jeder Facharbeiter ist nach den grünen Steuerplänen schon ein 'Reicher', der maximal gemolken wird zum Wohle der ökosozialistischen Umbaus unserer Gesellschaft. Dank des rot-grünen EEGs werden wir ja schon alle über unsere Stromrechnung gemolken. China dankt es uns, da dort ohne das EEG nie eine Solarbranche dieser Größe entstanden wäre. Dies scheint ein Resultat der maoistischen Verbundenheit von Trittin & Co mit China zu sein.

Account gelöscht!

29.08.2013, 07:55 Uhr

Das Fussballargument bezüglich dominanz ist auch nicht richtig. Klar die Vereine sind dominant, das ändert die Steuer aber nicht. Wer deutlich mehr Geld hat als alle anderen, der gibt immer mehr aus für neue Spieler. Das ist Steuerunabhängig., Speziell da wohl jeder Profifussballer in jedem System den höchststeuersatz zahlt.
Ändern kann das nur ein Systemwechsel bei den Regeln des Fussballs.

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