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06.01.2014

16:29 Uhr

Hoffnungsträger

Lindner schwört FDP auf Pro-Europa-Kurs ein

Letzte Hoffnung Lindner? Der neue FDP-Chef spricht seiner Partei beim traditionsreichen Dreikönigstreffen Mut zu. Ob's hilft, werden etliche Wahlen 2014 zeigen. Den Kurs dafür hat Lindner in Stuttgart bereits abgesteckt.

Dreikönigstreffen der FDP

Lindner: „Wir sind so unabhängig wie nie zuvor“

Dreikönigstreffen der FDP: Lindner: „Wir sind so unabhängig wie nie zuvor“

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StuttgartFDP-Parteichef Christian Lindner hat seine aus dem Bundestag ausgeschiedene Partei zum Jahresauftakt auf einen Neustart eingeschworen. Beim traditionellen Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart forderte er die Liberalen auf, die Wahlniederlage vom September auch als Chance zu begreifen. Er bekräftigte den Pro-Europa-Kurs der FDP, sprach sich aber auch für Reformen in der EU aus. „Für seine Zukunft braucht Europa weder Skepsis noch Romantik. Europa braucht mehr Realismus und Bürgernähe“, rief er unter Applaus den rund 1400 Zuhörern im voll besetzten Opernhaus zu.

Die EU müsse den Mut haben, ihre Probleme anzugehen, sagte er mit Blick auf die anhaltende Eurokrise und übermäßige Bürokratie in Brüssel. In Europa trage eine „fatale Mischung aus Technokratie und Pathos“ dazu bei, dass die Menschen den Eindruck hätten, ihnen wichtige Themen würden in Brüssel nicht wahrgenommen. Dies wirke sich wie ein Konjunkturprogramm für „Bauernfängerparteien“ wie die UKIP in Großbritannien, die Le-Pen-Bewegung in Frankreich und die AfD in Deutschland aus, sagte der FDP-Chef.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Nach der Wahlniederlage und der personellen Neuaufstellung sieht Lindner seine Partei nun in einer historischen Lage mit großen Chancen: „Wir sind so unabhängig, in der Sache und politisch, wie niemals zuvor in unserer Geschichte. Und das ist die neue Stärke der FDP: die Unabhängigkeit im Urteil und die Eigenständigkeit in der Sache.“ Viele Menschen in Deutschland wünschten sich eine starke liberale Partei. „Wir haben es in der Hand“, sagte er am Ende seiner Rede, für die er zwei Minuten und zehn Sekunden Applaus bekam.

Die Liberalen hatten 2013 erstmals in der Nachkriegsgeschichte den Einzug in den Bundestag verpasst. Gebrochene Wahlversprechen, soziale Kälte, interne Machtkämpfe und die Bindung an die Union gelten als die zentralen Fehler der Vergangenheit. 2014 stehen neben der Europawahl im Mai drei Landtagswahlen im Spätsommer sowie übers Jahr verteilt elf Kommunalwahlen an, bei denen die FDP wieder Boden gutmachen will. Zum traditionellen Jahresauftakt in Stuttgart waren neben Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher auch Ex-Fraktionschef Rainer Brüderle und Ex-Parteichef Wolfgang Gerhardt gekommen.

Kommentare (17)

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Bezahlnutzbuerger

06.01.2014, 16:38 Uhr

"„Bauernfängerparteien“ wie die AfD"

Also sind alle AfD-Wähler dumme Bauern und Landwirte sind pauschal blöde oder was?

Das soll der Hoffnungsträger der FDP sein? Bei mir würde der bestenfalls aufgrund von Welpenschutz überleben. Wie kann man nur derart stumpfsinnig argumentieren?

Lutz

06.01.2014, 17:08 Uhr

Die Bürger erkennen langsam dass die Europäische Union im Grunde ein riesiger sozialistischer Umverteilungsapparat ist und die großen kulturellen Leistungen entstanden in einer Zeit, in der es keinen großen Zentralstaat gab und Jetzt kommt Lindner und will aus die korrupte EUdSSR reformieren.

einfach_nur_peinlich

06.01.2014, 17:23 Uhr

Also ich bin eigentlich ein typischer FDP-Wähler, eben Mittelstand. Doch die FDP ist immer mehr zum Speichellecker der Großkonzerne, zum bekennenden Umweltvernichter und mit der Befürwortung der sozialistischen Transferunion zum Feind des Mittelstandes geworden, denn der muss für diese Umverteilung zahlen, während sich die Großkonzerne in Steueroasen flüchten und gemeinsam mit den Gewerkschaften Bürokratie, Zwangsabgaben, Lohnnebenkosten und Ansprüche in die Höhe treiben. Und nun nach der Miki Maus der Milchbubi, der, statt sich mal ernsthaft mit der auch parteiintern sehr deutlich und sachkundig geäußerten Kritik an all diesen Missständen auseinandersetzen, ein weiter-so-wie-bisher predigt und meint, sich jede Kursänderung durch ein plattes AfD-Bashing ersparen zu können. Mit Herrn Lindner hat sich die FDP endgültig aus dem Bereich der Wählbarkeit verabschiedet, schade.

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