Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2014

15:11 Uhr

Hohe Strompreise

150 Euro Abwrackprämie für alte Kühlschränke

Alte Kühlschränke schlucken viel Strom, doch Arbeitslose und Sozialempfänger können sich keine neuen leisten. Nun will die Umweltministerin ihnen eine Abwrackprämie zahlen. Die Idee dockt an ein erfolgreiches Projekt an.

Bundesumweltminister Barbara Hendricks (SPD): „Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen.“ dpa

Bundesumweltminister Barbara Hendricks (SPD): „Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen.“

BerlinBisher saß der Umweltminister bei den Energie-Gipfeln neben Kanzlerin Angela Merkel auf dem Podium. Und durfte gewichtige Dinge zu Strompreis-Bremsversuchen verkünden. Die neue Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) ist außen vor, der ganze Energiebereich ist in das Wirtschaftsministerium abgewandert. Sie sitzt stattdessen am Mittwoch bei der Caritas. Während ein paar Stunden zuvor drüben im Kanzleramt ständig von der „Kostendynamik“ die Rede war, die man durchbrechen müsse, stellt Hendricks ein Programm vor, dass armen Haushalten im Kampf gegen hohe Strompreise eine reale Entlastung bringen soll.

„Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen“, betont sie. Doch gerade Bürger mit wenig Geld können sich die stromsparenden Geräte meist nicht leisten. Große Stromfresser sind oft die Kühlschränke. Bis Ende 2015 soll daher nun der Austausch von 16.000 alten Kühlschränken mit jeweils 150 Euro für den Kauf eines neuen Geräts unterstützt werden. Die „Abwrackprämie“ richtet sich an Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld und soll in 67 Städten und Kreisen angeboten werden.

Das neue Programm wird angedockt an die „Stromspar-Checks“ des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD) und des Deutschen Caritasverbands. Die Kühlschränke müssen älter als zehn Jahre sein. Zunächst wird der Verbrauch über 48 Stunden gemessen. Wenn errechnet wird, dass bei einem Austausch gegen ein Gerät der Effizienzklasse A+++ mindestens 200 Kilowattstunden im Jahr (rund 56 Euro Stromkosten) gespart werden können, wird ein Gutschein ausgehändigt. Das alte Gerät muss fachgerecht entsorgt werden. Wenn der Entsorgungsnachweis und die Rechnung für den neuen Kühlschrank eingereicht werden, werden schließlich die 150 Euro ausgezahlt.

Im Gegensatz zu mancher Ineffizienz bei der Energiewende scheinbar gut investiertes Geld. Seit 2008 hat das Bundesumweltministerium die „Stromspar-Checks“ mit rund 30 Millionen Euro gefördert. Wer dabei Stromsparhelfer in einkommensschwachen Haushalten begleitet, ist verblüfft, mit welch simplen Maßnahmen sich der Verbrauch drosseln lässt. Ein paar Sparlampen, abschaltbare Stecker, damit das alte Radio nicht unbemerkt Strom zieht und Wasserdurchlaufbegrenzer: Schon gehen die Kosten runter. Die Artikel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Stromsparhelfer sind meist selbst Langzeitarbeitslose, die nach einer Schulung so zu Botschaftern des Energiesparens werden.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.04.2014, 15:24 Uhr

Die Lobby der Kühlschrankhersteller hat ganze Arbeit geleistet!

Account gelöscht!

02.04.2014, 15:32 Uhr

Erst erzeugt der Staat einen ueberhoehten Preis, dann verkuendet er, dass man viel sparen kann.

Account gelöscht!

02.04.2014, 15:39 Uhr

"Alte Kühlschränke schlucken viel Strom, doch Arbeitslose und Sozialempfänger können sich keine neuen leisten. Nun will die Umweltministerin ihnen eine Abwrackprämie zahlen. Die Idee dockt an ein erfolgreiches Projekt an. "
---
Mir bleibt die Sprache weg, was nicht sehr oft geschieht.
Als Student hatte ich oft weniger Geld als mancher Sozialhilfeempfänger. Habe ich mir etwa Kühlschrank, Herd und Waschmaschine *neu* gekauft? Nein! Ich habe in Kleinanzeigen geblättert und maximal 30 Mark (damals noch) für Altteile ausgegeben, die technisch noch o.k. waren und mir für viele Jahre den Dienst taten.
Aber ich vergaß, für Hartzer ist ja das beste, neuste gerade gut genug.

Merke: Wenn man knapp bei Kasse kauft man Gebrauchtes für kleines Geld und nicht Nagelneues!

Nur mal zur Erinnerung: Die Umweltministerin studierte Geschichte und Sozialwissenschaften und promovierte über "Die Entwicklung der Margarineindustrie am unteren Niederrhein."
http://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Hendricks_(Politikerin)#Ausbildung_und_Beruf

Produktive Arbeit? Fehlanzeige! :-(

(Liebe Reaktion, aus gemachten Erfahrungen weise ich darauf hin, daß Wikipedia eine Online Enzyklopädie ist und KEINE Werbung. Also nicht wieder übereifrig löschen!)
Wie man in einem extraknappen Budget im Haushalt zurechtkommt, hat sie wohl nicht gelernt.


PS.: Bei diesen extraeffektiven A+++ Kühlschränken ist bei gleichen Außenabmessungen (muß ja in genormte Küchenzeilen passen) der nutzbare Raum entschieden kleiner, weshalb wir heute noch lieber alte Geräte benutzen. Wenn man statt 2 auf einmal 3 Kühl- oder Gefrierschränke bräuchte, macht das natürlich ungeheuer Sinn. Soviel zum Thema Wirtschaftlichkeit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×