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04.06.2015

20:52 Uhr

Homo-Ehe

Kramp-Karrenbauers Steilvorlage für die AfD

VonDietmar Neuerer

Die Saar-Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer vergleicht die Homo-Ehe indirekt mit Inzest und Polygamie. Trotz Kritik sieht sie keinen Grund zur Entschuldigung. Das sorgt für Empörung, nur nicht bei der AfD.

Wegen eines gewagten Vergleichs unter Beschuss: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer.

Wegen eines gewagten Vergleichs unter Beschuss: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

BerlinDass viele in der Union einer Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ablehnend gegenüberstehen, ist bekannt. Dass nun aber die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Ablehnung unter mit den möglichen rechtlichen Folgen begründet und dabei zu einem gewagten Vergleich greift - die CDU-Politikerin setzte die Homo-Ehe indirekt mit Inzest und Polygamie gleich -, sorgt nun parteiübergreifend für Empörung.

Kramp-Karrenbauer hatte der „Saarbrücker Zeitung“ gesagt, es gebe in der Bundesrepublik bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau. „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“

Mit Kopfschütteln reagierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann. Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe sagte er: „Diese Äußerung zeigt auch die Argumentationsnot mancher Gegner.“ SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sieht die Debatte über die Ehe für alle mit den Äußerungen der Ministerpräsidentin auf einem neuen Tiefpunkt. Sie habe keinerlei Verständnis dafür, dass eine CDU-Regierungschefin gleichgeschlechtliche Partnerschaften jetzt mit Inzucht und Polygamie gleichsetze. Das sei ein „Schlag ins Gesicht“ Hunderttausender gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, die füreinander einstünden und Verantwortung übernähmen, sagte Fahimi.

Grünen-Chefin Simone Peter sagte, Kramp-Karrenbauers Äußerung „würdigt Schwule und Lesben in verletzender Weise herab und zeichnet ein entstelltes Gesellschaftsbild“. Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Matthias Höhn, erinnerte die CDU-Politikerin daran, dass die Bundesrepublik kein christlicher Gottesstaat sei. „Wer die eigene religiöse Überzeugung zum für alle alleinverbindlichen Wertemaßstab erklärt, ist nichts anderes als ein Fundamentalist“, sagte Höhn dem Handelsblatt. Die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nannte die Äußerungen Kram-Karrenbauers eine „Unverschämtheit“, weil sie Homosexuelle „zutiefst“ beleidigten. Beer forderte Kramp-Karrenbauer auf, sich für ihre „Entgleisung“ zu entschuldigen.

Auch Volker Beck ist empört. Die Aussagen der CDU-Politikerin zeigten, dass den Gegner der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare die Argumente ausgegangen seien, sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt. „Frau Kramp-Karrenbauer soll doch mal darlegen, in welchen der 20 Länder, die die Ehe für alle haben, es Polygamie und inzestuöse Ehen gibt. Ansonsten sind ihre Äußerungen schlichtweg eine Frechheit, für die sich entschuldigen sollte.“

Beck kritisierte zudem die Ausführungen der Ministerpräsidentin zum Adoptionsrecht. Ihre Aussagen wirkten so, als ob sie das deutsche Familien- und Adoptionsrecht nicht kenne. Individuell sei Homosexuellen die Adoption nie verwehrt gewesen. Seit 2004 über die Stiefkindadoption, seit 2013 über die Sukzessivadoption könnten Lebenspartner gemeinsam adoptieren, erläuterte der Grünen-Politiker. Die einzige Frage sei, ob man zwei Verfahren brauchte. „Frau Kramp-Karrenbauer tut so, als ob die Frage, ob Lebenspartner adoptieren dürfen, sich noch stellt“, sagte Beck. Sie sei aber entschieden und das mit dem Segen des Bundesverfassungsgerichts. „Will Frau Kramp-Karrenbauer das wieder zurückdrehen oder weiß sie nur nicht Bescheid?“

Der Sprecher des Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, forderte eine Entschuldigung. „Es wird immer peinlicher“, erklärte er bei Twitter. „Hoffe die Karrenbauer entschuldigt sich zügig. Unsäglich!“ Seiner Empörung schickte er noch den Satz hinterher: „Pfälzer ind die Pfalz, Saarländer in die Saar.“

Kommentare (16)

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Herr Bernhard Ramseyer

04.06.2015, 16:23 Uhr

- Die Ehe werde dann zu einem „nichtssagenden Konzept und der besondere Schutz, den das Grundgesetz zusagt, könnte nicht mehr gewährleistet werden, weil er nichts Besonderes mehr schützt“. -

Vielleicht ist das ja das Ziel?

Herr Jens Großer

04.06.2015, 16:24 Uhr

So wie Lucke hätte sich auch die Petry geäußert, was einmal mehr meine Meinung bestätigt das es kaum inhaltliche sondern nur persönliche Probleme in der AfD-Führungsspitze gibt. Aber das ist ein anderes Thema.

Zum Thema hier: Wenn man nicht der Meinung des veröffentlichten Mainstreams folgt, wird man von allen Seiten heftig attackiert. Dieses Thema entwickelt sich ähnlich wie die Energiewende immer mehr zu einer "Religion" in der jede Kritik schon als Blasphemie interpretiert wird.

Herr Bernhard Ramseyer

04.06.2015, 16:25 Uhr

Bedeutet, man kann sie gleich abschaffen.

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