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12.06.2011

14:10 Uhr

Horst Köhler

"Ich wollte Schaden vom Amt abwenden"

Quelle:Zeit Online

Warum wollte Horst Köhler nicht mehr Bundespräsident sein? Im Interview mit der "Zeit" nennt er erstmals Gründe. Und er erklärt, warum ihm Afrika und das Schicksal der Flüchtlinge keine Ruhe lassen.

Horst Köhler als Bundespräsident gab am 31. Mai 2010 seinen Rücktritt bekannt. Im Interview mit der "Zeit" nennt er nun erstmals die Gründe. Quelle: dpa

Horst Köhler als Bundespräsident gab am 31. Mai 2010 seinen Rücktritt bekannt. Im Interview mit der "Zeit" nennt er nun erstmals die Gründe.

Herr Bundespräsident, ein Jahr lang waren Sie von der Bildfläche verschwunden. Haben Sie Abstand zu den Turbulenzen um Ihren Rücktritt gefunden?

Ich führe seit einem Jahr wieder ein normales Bürgerleben. Ich bin mit mir im Reinen und genieße manche Dinge, die ich vorher nicht hatte. Ich bin gerade dabei, meine Pläne für die kommende Zeit zu strukturieren. Es ist insoweit alles im grünen Bereich.

Sie vermissen nichts?

Ich vermisse nichts.

Sind Sie auch bei guter Gesundheit?

Ja, auch das. Ich habe im Amt einen Rhythmus gehabt, der auch im physischen Sinne selbstbestimmt war. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, regelmäßig Sport zu machen, mindestens zweimal in der Woche, und auch Urlaube zu nutzen – ob beim Skifahren oder mit Bergtouren im Sommer –, um mich körperlich fit zu halten. Ich bin schon immer ein Frühaufsteher gewesen und habe keine Probleme, relativ lange zu arbeiten. Das Besondere dieses Amtes ist ja, dass man die Leute kennenlernt. Jeder Termin war für mich wichtig, weil ich erkannt hatte, dass jeder etwas zu sagen hat. Das war schon auch fordernd. Aber es gab für mich keine Notwendigkeit, in eine Art Regeneration zu gehen, weil ich erschöpft gewesen wäre.

Stimmt es Ihrer Erfahrung nach, dass es nichts Anstrengenderes gibt als den Beruf des Politikers?

Der Beruf ist anstrengend, besser: fordernd. Das für mich Anstrengende war: Wenn ich mit den Menschen geredet habe, dann habe ich mich immer bemüht, auf sie einzugehen. Zum traditionellen Neujahrsempfang des Bundespräsidenten etwa haben wir immer auch Bürger eingeladen. Wenn Sie 60, 80 Bürgern die Hand geben und mit ihnen auch nur ein oder zwei Minuten mit Interesse reden – später beim Mittagessen natürlich länger –, dann kostet das Kraft. Das ging in der Tat bis zur physischen Erschöpfung. Aber diesen Preis habe ich gern bezahlt.

Sie haben ja auch etwas zurückbekommen.

Ja, genau, das war das Schöne in meiner Zeit als Bundespräsident. Das möchte ich auch nicht missen. Ich schaue auf die Zeit nicht im Zorn zurück oder frage mich nur, was ich falsch gemacht habe. Es waren für mich Jahre, die mir etwas gegeben haben. Aber es ist nicht so, dass mir das fehlt.

Kommentare (9)

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FreundHein

12.06.2011, 17:01 Uhr

Hört auf, uns mit diesem versehntlich die Treppe heraufgefallenen Parteibuchkarrieristen zu langweilen.
Der Schnulli ist kein Bit Speicherplatz wert!

Christian-Det

12.06.2011, 17:09 Uhr

Dass er sich nicht schämt! Ein Feigling, ein Fahnenflüchtiger ist er. "Schaden vom Amt des BP abwenden" - kann davon allen Ernstes die Rede sein? Er hatte keine Lust mehr. Das wars doch viel mehr.

Zum politischen Alltag gehören genau solche Geschehnisse wie die um seine Äußerung zu den Militäreinsetzen der Bundeswehr. Das ist allgemein bekannt auch ihm. Herr Köhler selbst hat es nie ausgelassen, sich in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. Kein Bundespräsident hat häufiger und kontroverser die Ausfertigung von Gesetzen verweigert und von der umstrittenen (vermeintlichen!) materiellen Prüfungskompetenz des Bundespräsidenten gebraucht gemacht. Er selbst hat sich vom Staatsnotar zum Teil des politischen Tagesgeschehen aufgeschwungen. Dann fällt die Resonanz einmal (ob gerechtfertigt oder nicht darf man geteilter Meinung sein) sehr heftig und sehr negativ aus und er lässt sein Land im Stich.

Für sowas gilt es sich zu schämen. Sowas ist ehrlos.

Account gelöscht!

12.06.2011, 18:32 Uhr

Was Afrika betrifft, hat Köhler wohl ein bißchen viele rosarote Brillen.
Denn, das sagen ja sogar afrikan. Wissenschaftler, unsere Entwicklungshilfe ist teils kontraproduktiv. Sie verleitet zum Faulsein, anstatt es endlich mal selbst anzupacken.
Im übrigen können wir nicht die ganze Welt retten, auch das muß Köhler begreifen
Und jemand, der immer gleich geht, wenn mal ein kleines Lüftchen weht, nunja, das zeigt nicht von großer Stärke
Man muß sich im Leben auch mal durchbeißen, es läuft nicht immer alles rund

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