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13.01.2006

08:23 Uhr

Horst Seeehofer

Vom Sicherheitsrisiko zum Aktivposten

VonPeter Thelen

Den Vertretern der Bauernlobby auf der Grünen Woche war das Wohlbehagen anzumerken: Endlich wieder ein Mann als Agrarminister, und dann auch noch einer aus Bayern. Ein Schulterklopfer hier, ein kräftiger Handschlag dort. Bei seinem ersten Rundgang über die weltgrößte Ernährungsmesse erntete Horst Seehofer (CSU) gestern vor allem eines: Vorschusslorbeeren.

Bei den Landschafts-Funktionären beliebt: Horst Seeehofer.

Bei den Landschafts-Funktionären beliebt: Horst Seeehofer.

HB BERLIN. Die dramatischen Preissenkungen für deutsche Zuckerrübenbauern, denen Seehofer beim EU-Zuckergipfel im Dezember zustimmte, hätten die Bauern seiner Vorgängerin Renate Künast um die Ohren gehauen, unkt der langjährige Agrarexperte der FDP, Hans-Michael Goldmann. „Da wären die Zuckerrüben geflogen.“ Doch außer einem leisen Grummeln sei nichts zu hören gewesen von der Agrarlobby.

Der schmierte der Minister allerdings auch vom ersten Tag an nach Kräften Honig um den Bart. Kraftvoll distanzierte er sich von seiner Vorgängerin, der er vorwarf, mehr versprochen als gehalten zu haben. Künasts Förderprogramm für den Ökolandbau diffamierte er als „grüne Spielwiese“ und versprach, er werde die grüne Gentechnik nach vorne bringen.

Gestern auf der Grünen Woche hörte sich das alles schon etwas maßvoller an. Von einer Trendwende in der Agrarpolitik könne keine Rede sein. „Es wird schon gespart, aber wir machen keinen Feldzug gegen den Ökolandbau“, ließ er wissen. Auch beim Thema Gentechnik ruderte er zurück. Offensichtlich hat er inzwischen gemerkt, dass die Fronten in der Ernährungsbranche nicht ganz so eindeutig stehen, wie es sich bei Bauernpräsident Gerd Sonnleitner manchmal anhört. Tatsächlich ist der Ökolandbau mit einem Umsatzzuwachs von 70 Prozent seit 2000 eine Boombranche. Es sind auch längst nicht nur die Grünen und die Umweltverbände, die vor einer Lockerung des strengen Haftungsrechts beim Anbau genveränderter Pflanzen warnen. Gestern drohte der Kindernahrungshersteller Hipp mit dem Wegzug ins Ausland, sollte in Deutschland der Anbau mit genveränderten Pflanzen zunehmen. Greenpeace führe eine ganze Liste von Unternehmen, die Genfood nicht wollen, weiß die grüne Agrarexpertin Ulrike Höfken. So braucht Unilever für seine Margarine gentechnikfreies Rapsöl, weil die Verbraucher genveränderte Rama nicht kaufen würden.

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