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28.01.2005

07:00 Uhr

HRK-Präsident Peter Gaethgens: Kredite müssen auch Lebenshaltungskosten abdecken

Rektoren: Maximal 1000 Euro Studiengebühr

VonBarbara Gillmann

In der Debatte um Studiengebühren hat der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaethgens, eine Obergrenze von 1000 Euro pro Semester gefordert. „Das entspricht einer Höhe von rund 20 Prozent der Kosten in der Lehre“, sagte er dem Handelsblatt.

Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg für Studiengebühren freigemacht. Foto: dpa

Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg für Studiengebühren freigemacht. Foto: dpa

HB BERLIN. Weiter dürfe sich der Staat nicht aus der Verantwortung zurückziehen, denn die Hochschulbildung müsse ein öffentliches Gut bleiben. Zudem fordert der HRK-Präsident umfassende Kreditprogramme, die auch die Lebenshaltung abdecken.

Die Länder, die nach der Freigabe durch das Bundesverfassungsgericht nun Studiengebühren planen, haben Gebühren von rund 500 Euro pro Semester angekündigt. DIW-Chef Klaus Zimmermann hingegen hatte prognostiziert, dass bereits in fünf Jahren rund 2500 Euro üblich seien. Das wiederum hält Gaethgens für unrealistisch. Bei völliger Freigabe könnten es auch bald „5000 oder 10 000 Euro sein, wie in anderen Ländern“.

Auch SPD-Politiker bezweifeln, dass sich die Länder auf 500 Euro beschränken werden. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sagte, jeder wisse, dass es bei dieser Summe nicht bleiben werde. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner geht davon aus, dass bereits nach kurzer Zeit 2 000 Euro üblich sein werden. Die SPD-Länder wollen bislang gebühren nur von Langzeitstudenten erheben. Den zu erwarteten Ansturm auf ihr „Gratis-Studium“ wollen sie mit Landeskinder-Klauseln abwehren. Diese sollen dann entweder Gebühren zahlen oder einem speziellen Numerus Clausus unterliegen.

In der Debatte um die nötigen Kreditprogramme fordert Gaethgens, diese nicht auf die Gebühren allein zu beschränken. „Wir brauchen ein umfassendes Finanzierungssystem inklusive Lebenshaltungskosten, die ein Minimum an Lebensqualität ermöglichen". Nur so könne man auch diejenigen für ein Studium motivieren, deren Eltern nicht bereit sind, sie zu unterstützen, sagt der HRK-Präsident. Bafög komme nur einer sozial bedürftigen Minderheit von rund 33 Prozent der Studenten zugute.

Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) dagegen hält Kredite für unnötig. Um 500 Euro Gebühr zahlen zu können, müssten die Betroffenen lediglich „jeden Monat für hundert Euro auf etwas verzichten oder zwei Nachhilfestunden geben“, sagte er der „Abendzeitung“. Die Verfassungsrichter hatten darauf hingewiesen, dass für die Entscheidung pro oder contra Studium die Lebenshaltungskosten und der Einkommensverzicht wesentlich wichtiger seien als Gebühren. „Heute entscheiden sich rund 30 Prozent der Abiturienten gegen ein Studium", sagte Gaethgens. "mit einem günstigen Rundum-Darlehen könne es gelingen, einen größeren Teil von ihnen an die Hochschulen zu holen.“

Bund und Länder sind sich einig, dass der Standort Deutschland künftig deutlich mehr Studenten braucht. Die Zahl der Schulabgänger wird jedoch deutlich zurückgehen. Nach der gestern veröffentlichten Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK) wird die Zahl der Absolventen mit Hochschul- und Fachhochschulreife von zuletzt 369 000 zwar bis 2008 auf 419 000 steigen, dann aber bis 2020 auf 356 000 zurückgehen. Lediglich 2011 und 2013 gibt es wegen der doppelten Abi-Jahrgänge bei Umstellung auf 12-jährige Schulzeit deutlich mehr Abgänger. Die KMK ist dennoch zuversichtlich, dass „die bildungspolitischen Maßnahmen greifen“ und die Zahl der Studenten steigt. Der Prognose ist jedoch bereits zugrunde gelegt, dass der Anteil der Abgänger mit Hochschulreife am jeweiligen Jahrgang von 39 Prozent auf 43,5 Prozent steigt.

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