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19.11.2012

13:31 Uhr

Hundt zurückgewiesen

Familienministerin will Elternzeit nicht verkürzen

Viel Kritik hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mit der Forderung nach einer kürzeren Elternzeit auf sich gezogen – von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) genauso wie von der SPD.

Kristina Schröder ist entsetzt über Arbeitgeberpräsident Hundt dapd

Kristina Schröder ist entsetzt über Arbeitgeberpräsident Hundt

Die Arbeitgeberforderung nach einer Verkürzung der Elternzeit sowie der Zahldauer des Elterngelds stößt auf scharfe Kritik bei CDU und CSU. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte am Montag im ARD-"Morgenmagazin", sie sei "wirklich entsetzt über diese Forderung" von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Das laufe im Kern darauf hinaus, dass Mütter "am besten direkt nach dem Mutterschutz" wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehrten. Sie frage sich, ob Hundt "irgendeine Ahnung von der Lebenswirklichkeit von Familien in Deutschland" habe, fügte Schröder hinzu.

Hundt fordert die stufenweise Absenkung der Elternzeit auf zwölf Monate, sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet ist. Auch das Elterngeld soll nach seiner Vorstellung nur noch maximal zwölf statt 14 Monate gezahlt werden. Deutschland habe mit bis zu drei Jahren die im europäischen Vergleich längsten Elternzeiten, hatte der Arbeitgeberpräsident bemängelt. Dies wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus.

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"Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste und desto geringer sind die Karrierechancen", zitierte die "Welt" am Montag aus einem Positionspapier der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Auch beim Elterngeld sind nach Ansicht der Arbeitgeber aufgrund der langen Zahldauer die Anreize zum Verbleib oder zur zügigen Rückkehr in Beschäftigung zu gering.

Die familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, wies den Arbeitgebervorstoß ebenfalls zurück. Die dreijährige Elternzeit sei für junge Eltern ebenso wichtig wie die finanzielle Absicherung, erklärte die CSU-Politikerin am Montag in Berlin. Der Staat habe sich nicht in die Frage einzumischen, wie Mütter und Väter die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder in den ersten Lebensjahren organisierten: "Erst die Möglichkeit, für eine längere Zeit aus dem Erwerbsleben auszusteigen, ohne fürchten zu müssen, den Arbeitsplatz zu verlieren, schafft für Familien echte Wahlfreiheit."

Bär betonte, die Arbeitgeber dürften "nicht nach dem Staat rufen", wenn sie wollen, dass junge Eltern früher wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Sie forderte die Unternehmen auf, selbst Anreize dafür zu setzen. Das gelinge mit "familienbewussten Arbeitszeiten, attraktiven Teilzeitmöglichkeiten, Führungsaufgaben und Karrierechancen auch für Teilzeitkräfte sowie Betriebskindergärten".

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Die FDP bewertete den Vorstoß der Arbeitgeber skeptisch. Er sehe keinen Grund, die derzeitige Regelung in Frage zu stellen, sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring in Berlin. Dies könne sich aber ändern, wenn es für Kinder bessere Betreuungsmöglichkeiten gäbe. Auch über bessere Teilzeitregelungen könnten Frauen schneller zurück in den Beruf. "Der Blick auf die Elternzeit alleine erscheint mir etwas zu kurzsichtig", sagte Döring.

Kritik an Hundt äußerte auch Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD). Sollte dessen Vorschlag auf großen Zuspruch treffen, würde die Landesregierung diesem entschieden entgegentreten, sagte Altpeter. Da die Elternzeit meist nur im Geburtsjahr des Kindes genommen werde, nicht aber darüber hinaus, verstehe sie die Logik hinter Hundts Forderung nicht. Dessen Idee sei "keine kluge Idee", sagte Altpeter.


Kommentare (6)

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Revisor

19.11.2012, 14:46 Uhr

" Sie frage sich, ob Hundt "irgendeine Ahnung von der Lebenswirklichkeit von Familien in Deutschland" habe, fügte Schröder hinzu."

Dieser Hundt ist der nicht gerade mit Scharfsinn gesegnete Oberlobbyist der deutschen Wirtschaft. Der schreckt mit seiner dumpfen Willfährigkeitsarbeit auch vor grobem Unfug und gesellschaftsethisch Bedenklichem nicht zurück.

Es wird Zeit, daß er abtritt, in seinen wohlverdienten Ruhestand. Im übrigen sind größere und mit der Zeit auch mitgekommene Konzerne da ganz und gar nicht seiner Meinung.

hermann.12

19.11.2012, 14:50 Uhr

Es ist nachvollziehbar, warum Hundt dies fordert, sinnvoll wird dadurch dieser Vorschlag jedenfalls nicht.
Familien sind im Berufsleben ohnehin massiv benachteiligt, schlicht weil deren Selbstausbeutung gegenüber vor allem Kinderlosen wesentlich geringer ausgeprägt ist.
Anwesenheit, selbst über die Regelarbeitszeit hinaus, ist immer noch der größte Karrierebeförderer, noch vor der tatsächlichen Qualität der Arbeit.
Sinnvoll ist das nicht und wieso sollen sich Eltern diese Ignoranz der Unternehmen nicht über dne Umweg Staat vergüten lassen? Vor allem da langfristig und im Schnitt ihr Einsatz als Eltern auch für die Unternehmen mehr bringt als jede Überstunde selbst eines absoluten Überfliegers?
So gesehen ist das Elterngeld weit besser investiert als jede andere Sozialleistung und schon allein deshalb sinnvoll.

H.

Account gelöscht!

19.11.2012, 14:52 Uhr

Hundt hat schon Recht mit seiner Forderung, Deutschland ist ohnehin bald abgehangen im System. Habe z.Zt. auch zwei von "Schröders" Schmusesusis in meinem Laden. Alleinerziehend mit Kind und auf Männerfang, Partys bis zum Morgengrauen und Spass bei der Arbeit. Nun ist Mann, äh Frau in neurologischer Behandlung, - auf Staatskosten finanziert wird nach Rauswurf auf Abfindung geklagt.
Good by Deutschland. Die "Andere" hat Lust nach 3 jähriger Erziehungspause auf Sozialer Kosten bespaßt zu werden.
Weiter so Ihr "Schröder" Mutti`s, bald habt Ihr Deutschland völlig ruiniert

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