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16.05.2013

17:58 Uhr

Hypo Real Estate

PwC-Wirtschaftsprüfer sollen für Fehlbuchung büßen

ExklusivMitarbeiter von Pricewaterhouse-Coopers haben eine Fehlbuchung bei der Bad Bank der Hypo Real Estate übersehen. Die Grünen wollen sie nun zur Anhörung vorladen. Für die Wirtschaftsprüfer droht ein Nachspiel.

FMS Wertmanagement: Für die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers droht ein Nachspiel. dpa

FMS Wertmanagement: Für die Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers droht ein Nachspiel.

DüsseldorfDie übersehene Fehlbuchung von 55 Milliarden Euro bei der Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE) auf dem Höhepunkt der Finanzkrise könnte für die zuständigen Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) ein Nachspiel haben. Wie das Handelsblatt berichtet, dringt die Bundestagsfraktion der Grünen jetzt darauf, PwC von der berufsrechtlichen Schweigepflicht zu entbinden. Die 55 Milliarden Euro hätten als zusätzliches Plus in der HRE-Bilanz ausgewiesen werden müssen.

Das Handelsblatt beruft sich auf einen ihm vorliegenden Antrag des finanzpolitischen Sprechers der Grünen, Gerhard Schick, und seiner Fraktion an die Bundesregierung. Darin wird diese aufgefordert, die Geschäftsleitung der Bad Bank FMS Wertmanagement (FMSW) anzuweisen, die betroffenen PwC-Prüfer von ihrer Verschwiegenheitspflicht zu entbinden. Ziel der Aktion: PwC könnte sich dann nur noch schwer weigern, einen vor wenigen Wochen fertiggestellten berufsrechtlichen Untersuchungsbericht der Wirtschaftsprüferkammer zu blockieren, der mögliche Ursachen für die Verfehlungen auflistet.

Die Bad Bank der Hypo Real Estate

Abwicklungsanstalt FMS

Die FMS Wertmanagement ist eine Abwicklungsanstalt, die die hochriskanten Giftpapiere der Krisenbank HRE als so genannte Bad Bank übernommen hat. Sie ist im Sommer 2010 gegründet worden, damit die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate, die mittlerweile als Deutsche Pfandbriefbank auftritt, nach der Finanzkrise einen wirtschaftlichen Neubeginn starten konnte.

Die Aufgaben

Im Oktober 2010 lagerte die HRE Risikopapiere im Wert von 175 Milliarden Euro in die Bad Bank aus. Diese giftigen Papiere soll die FMS Wertmanagement in den kommenden zehn Jahren möglichst ohne größere Verluste wieder zu Geld machen. Die Abkürzung FMS steht für Finanzmarktstabilisierung.

Wer für Verluste zahlt

Für die Verluste der öffentlich-rechtlichen Abwicklungsanstalt kommt der staatliche Rettungsfonds Soffin auf, letztendlich also der Steuerzahler. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2011 verhagelte die Griechenland-Krise das Ergebnis. Die Risikovorsorge für die Hellas-Papiere betrug 8,9 Milliarden Euro. Insgesamt steht ein Verlust von 9,97 Milliarden Euro zur Buche.

Personal

Die HRE-Bad-Bank beschäftigt der Bilanz zufolge 92 Mitarbeiter. Mitte des Jahres waren es noch rund 70 Mitarbeiter. Zudem greift die Abwicklungsanstalt je nach Bedarf auf externe Dienstleister zurück, die auch beratend tätig sind, und kooperiert mit Unternehmen der HRE-Gruppe.

Die Köpfe der FMS

Den Vorstand der FMS Wertmanagement teilen sich Christian Bluhm und Ernst-Albrecht Brockhaus. Bluhm war zuvor im Management der Bank Credit Suisse, Brockhaus kommt von der Bayerischen Landesbank, wo er auch für die Liquiditätsplanung und -sicherung der BayernLB zuständig war. Die FMS hat einen aus sechs Mitgliedern bestehenden Verwaltungsrat.

Mitarbeiter der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatten den Jahresabschluss 2010 der FMSW zu testieren. Dabei entging ihnen eine Fehlbuchung über 55 Milliarden Euro. Stattdessen attestierten die Prüfer der Bilanz für 2010 „ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage“.

Schick will den Antrag in der am Freitag anstehenden Geheim-Sitzung des Kontrollgremiums zur Überwachung des Finanzmarktstabilisierungsfonds stellen. Das Gremium besteht aus neun Vertretern des Bundestags und kontrolliert die staatliche Bankenrettung. Sollte Schick sich dort durchsetzen, könnte er die damals zuständigen PwC-Prüfer Sven Hauke und Carolin Dilger zur Anhörung vorladen. PwC hat sich auf Anfrage nicht dazu äußern wollen.

Von

ke

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

16.05.2013, 18:07 Uhr

Haha, welche Posse. Für die Bad-Bank sollen nun Wirtschaftsprüfer gerade stehen müssen. Für die Milliardengräber Elbphilharmonie, Stuttgart 21, Berliner Flughafen, Bundeswehr-Drohnen muss aber kein Beamter oder Politiker seinen Hut nehmen oder gar aus eigener Tasche belangen. Auch nicht für Fehlzahlungen der staatlichen Banken ein paar Tage vor der Pleite an Lehman Brothers. Oh wie unehrlich und verlogen dieses Gesindel doch ist. Sollen die Spitzenbeamten doch erst mal am eigenen Kragen gepackt werden. Oder sitzt etwa ein Herr Asmussen im Knast? Nein, dieser war aber mitverantwortlich für die Bankenderegulierung, Zocken und Kreditverbriefungen.

Account gelöscht!

16.05.2013, 21:50 Uhr

Hallo, es geht hier um eine Abschluss fuer den die Herren gutes Geld erhalten um ihn zu Prüfen.
Bei einer Bank dieser Grössenordnung kann man wohl mal 50 mio übersehen, aber 55 Milliarden????? Die groesseren Posten sollten die sich alle mal angeschaut haben.

Account gelöscht!

17.05.2013, 01:27 Uhr

Ja, aber das war eine reine Fehlbuchung, welche berichtigt wurde und kein Geld verloren ging. Bei den Projekten gehts auch um Milliarden. Aber die sind nicht in irgendwelchen Bilanzen falsch gebucht worden, sondern sind real in den Sand gesetzt worden. Und für die Planung bekommen Architekten, Gutachter und Spitzenbeamte/Politiker auch Geld vom Staat. Und? Denen geht niemand an den Kragen. Warum pfänden wir nicht Kurt Becks Privatvermögen? Schließlich hat uns der 254 Millionen gekostet. Keine reine fehlerhafte Berechnung. Nein, echtes Geld. Im Nürburgring für immer versenkt. Und zwar aus Eitelkeit und Geltungssucht.

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