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04.02.2014

10:29 Uhr

IAW-Studie

Große Koalition fördert den Pfusch

Auch wenn die Schwarzarbeit seit Jahren zurückgeht – laut einer Studie sorgen die Pläne der Großen Koalition in Zukunft für ein Anwachsen der Schattenwirtschaft. Verantwortlich seien zwei zentrale Projekte der Politik.

Schwarzarbeit sorgt in den Kassen des Bundes jedes Jahr für Lücken. dpa

Schwarzarbeit sorgt in den Kassen des Bundes jedes Jahr für Lücken.

TübingenDie Politik der Bundesregierung führt einer Studie zufolge dazu, dass mehr Menschen in Deutschland künftig Geld mit Schwarzarbeit verdienen. Vor allem die Pläne von Union und SPD für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 führen dazu, dass in Zukunft mehr Geld am Staat vorbei verdient wird, heißt es in einer Studie der Universität Linz und des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Nachdem die verschiedenen Vorgängerregierungen gut zehn Jahre lang dafür gesorgt hätten, dass sich legale Arbeit stärker lohne, gebe es nun allmählich eine Kehrtwende. Lediglich die stabile Konjunktur sorge in diesem Jahr noch dafür, dass viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden und deshalb weniger schwarzgearbeitet werde.

Nach der am Dienstag veröffentlichten Modellrechnung werden in der Schattenwirtschaft in diesem Jahr 338,5 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspräche 12,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wäre der niedrigste Wert seit mehr als 20 Jahren. 2013 lag die Schattenwirtschafts-Quote noch um 0,2 Prozentpunkte höher.

Doch dieser Rückgang ist so schwach wie seit vielen Jahren nicht. Und während in den vergangenen Jahren Arbeitsmarktreformen wie die Einführung von Minijobs die Schwarzarbeit unattraktiver machten, habe die Politik in diesem Jahr keinen Anteil an dem Rückgang, erklärten IAW-Direktor Bernhard Boockmann und der Linzer Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider. Der Rückgang sei ausschließlich eine Folge der stabilen Konjunktur: Weil die Chancen auf einen regulären Job im Moment gut sind, fehle den Menschen die Zeit und die Motivation für Schwarzarbeit, sagte Boockmann.

Doch in den kommenden Jahren werde die große Koalition der Schwarzarbeit voraussichtlich wieder Vorschub leisten. Pläne wie der flächendeckende Mindestlohn, die Finanzierung der Rente mit 63 oder die höheren Beiträge zur Pflegeversicherung machten legale Arbeit teurer und somit die Schwarzarbeit attraktiver. Zusammengerechnet erwarten die Experten durch diese Maßnahmen ein Wachstum der Schattenwirtschaft um drei Milliarden Euro pro Jahr.

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Noch stärker wirkt sich demnach aus, dass die Bundesregierung die kalte Progression, also den heimlichen Steueranstieg durch Lohnerhöhungen, nicht ausgleichen will. Das mache reguläre Arbeit unattraktiver und stärke die Schattenwirtschaft um 5,3 Milliarden Euro. „Gerade für Menschen mit mittlerem Einkommen steigt dadurch der Reiz, die höheren Abgaben zu umgehen und in die Schattenwirtschaft auszuweichen“, sagte Boockmann. „Wenn die große Koalition keine kompensierenden Effekte beschließt – und im Koalitionsvertrag ist dazu nichts abzusehen – dann rechnen wir tatsächlich in den nächsten Jahren mit einem Anstieg der Schattenwirtschaft.“

Da sich Schwarzarbeit nicht direkt messen lässt, erfassen die Experten für die Prognose Faktoren, die Auswirkungen auf die Schwarzarbeit haben. Daraus leiten sie das Volumen der Schattenwirtschaft ab. Unter Schattenwirtschaft verstehen sie dabei vor allem Schwarzarbeit, aber auch kriminelle Aktivitäten. Der große Verlierer durch Schwarzarbeit sind der Staat und die Sozialversicherungsträger. Ihnen gehen nach Schneiders Schätzungen rund 50 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr verloren.
Union und SPD treiben mit ihren Plänen für einen gesetzlichen Mindestlohn und die Rente mit 63 der Studie zufolge wieder mehr Menschen in die Schwarzarbeit. Nachdem die verschiedenen Bundesregierungen gut zehn Jahre lang dafür gesorgt hätten, dass sich legale Arbeit stärker lohne, gebe es nun allmählich eine Kehrtwende, heißt es in der Studie.

Von

dpa

Kommentare (10)

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BITTEkaufMICH

04.02.2014, 10:00 Uhr

egal wie wortreich und wissenschaftlich vorgetragen , plumpe
anbiederei für drittmittel.

auf meine konkreten fragen nach dem zustandekommen und erheben seiner zahlen , verwies mich der oestreichische wichtigtuer vor jahren auf seine bücher

RumpelstilzchenA

04.02.2014, 10:50 Uhr

Das europäische System ermuntert regelrecht zur Schwarzarbeit. Oder glauben Sie wirklich, dass das von den Arbeitgebern nicht beabsichtigt wird?
Es lebe die korrupte EU!!!

merxdunix

04.02.2014, 11:12 Uhr

Es zeigt sich mal wieder: Eine wissenschaftliche Studie ist noch lange keine wissenschaftliche Arbeit.
Von wegen, der Staat verliert. Wenn die Schwarzarbeit auflebt, weil die Löhne steigen, dann nimmt der Staat von diesen Löhnen mehr Steuern ein (Lohnsteuer, Mehrwertsteuer auf Löhne, Mehrwertsteuer auf Lohnsteuer). Es wird vom Staat immer soviel Schwarzarbeit zugelassen, dass er trotzdem gewinnt und sich dennoch möglichst viele ihm gegenüber schuldig machen. Schließlich sind die Profiteure der Schwarzarbeit immer auch Wähler, die sich vom Futtertrog gnädiger Politiker und einäugiger Beamter nähren und ihr Kreuzchen dort machen, wo alles so verlogen bleibt, wie es ist. Verlierer ist nur der Ehrliche. Es sei denn, er hört damit auf, sich selbst etwas vorzumachen. Wo sind wir bloß hingeraten?

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