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28.01.2011

19:30 Uhr

„Ideologische Selbstbefriedigung“

Heftiger Koalitionsstreit über Schröders Frauenquote

VonDietmar Neuerer, Tanja Kewes

ExklusivIn der schwarz-gelben Koalition ist ein heftiger Streit über die Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für eine flexible Frauenquote in Unternehmen ausgebrochen. Widerstand kommt aus den Koalitionsfraktionen. Die CSU fährt schwere Geschütze auf und greift die Ministerin frontal an, die FDP liebäugelt schon mit der Koalitionsfrage.

Unter Beschuss: Familienministerin Kristina Schröder. dpa

Unter Beschuss: Familienministerin Kristina Schröder.

DÜSSELDORF. „Gesetzliche Frauenquoten oder Selbstverpflichtungsquoten sind so überflüssig wie ein Kropf. Das ist ideologische Selbstbefriedigung“, sagte der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union Hans Michelbach, Handelsblatt Online. „Das zentrale Zukunftsproblem unserer Wirtschaft ist nicht die Frage wie viele Frauen in welchen Positionen arbeiten, sondern die Sicherung des Fachkräftebedarfs für die Zukunft.“ Zur Lösung dieser Frage müsse die Politik einen Beitrag leisten.

Michelbach sprach von einer aufgesetzten Debatte um Frauenquoten in Führungsetagen. „Eine Statistik von äußerst beschränktem Aussagewert soll herhalten, um einem schon verstaubten Zeitgeist hinterher zu rennen“, sagte der CSU-Bundestagabgeordnete. Es gibt genug andere Probleme zu lösen. „Deshalb sollte die Politik nicht auch noch Probleme künstlich herbeireden.“ Entscheidend sei doch nicht, ob eine Unternehmensführung weiblich oder männlich ist. Sie müsse erfolgreich sein. “Nur dann sind die Arbeitsplätze sicher und kann Wohlstand gesichert werden – für Männer wie für Frauen.“

Michelbach hält eine gesetzliche Frauenquote zudem für verfassungswidrig wäre. Das Thema gehöre damit „endgültig in den Papierkorb“. Unternehmen durch öffentlichen Druck zu einem verfassungswidrigen Zustand zu „nötigen“ habe in einem Rechtsstaat keinen Platz.

Auch die FDP lehnt eine Frauenquote in Vorstandsetagen ab. „Die FDP sieht darin kein Modell für die Arbeit der Zukunft. Es wird ja auch keiner eine gesetzliche Quote von Männern in Kitas fordern, auch wenn der Bedarf an mehr Männern in Kitas evident ist“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagfraktion, Miriam Gruß, Handelsblatt Online. Die fachliche wie persönliche Qualifikation müsse bei jeder Stellenbesetzung an erster Stelle stehen, betonte sie. Und da Frauen mittlerweile die besseren Abschlüsse machten, besser ausgebildet und meist auch noch schneller fertig seien, wirke eine Quote „eher abwertend“. Gruß fügte hinzu, die Vorgängerregierungen hätten 15 Jahre Zeit gehabt, eine gesetzliche Einheitsquote einzuführen. „Die FDP ist dafür der falsche Koalitionspartner.“

Auch aus der SPD gibt es Kritik. Die ehemalige Justizministerin und heutige Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries sagte dem Handelsblatt: "Die Flexiquote ist uns zu vage." Die Aussagen von Schröder seien wachsweich. "Wir brauchen verbindliche Zielvorgaben und konkrete Zeiträume. Nur so werden wir es schaffen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen."

Schröder hatte zuvor im Handelsblatt für das Frühjahr einen Stufenplan angekündigt, um die Zahl von Frauen in Führungsgremien zu erhöhen. Kern des Plans sei eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung. Unternehmen ab einer gewissen Größe würden dazu verpflichtet, individuell eine selbst bestimmte Frauenquote festzulegen, die innerhalb von zwei Jahren erreicht werden solle, erklärte Schröder. Diese Quote gelte sowohl für den Vorstand als auch für den Aufsichtsrat. Einer einheitlichen Quote erteilte die CDU-Politikerin hingegen eine Absage.

Kommentare (17)

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madeingermany

28.01.2011, 20:41 Uhr

Sonst noch Probleme?

Lutz

28.01.2011, 20:42 Uhr

Frau Schröder ein gutes beispiel dafür, was für bedenkliche Folgen es haben kann, wenn man statt wie die anderen Mädchen Hanni und Nanni zu lesen aufgrund zweifelhafter Sozialisierung in dubiosen politischen Vereinigungen lieber ein Poster von Helmut Kohl anhimmelt. Für alle beteiligten wäre es wohl besser gewesen, wäre hier frühzeitig jemand eingeschritten und hätte das Elend verhindert.

Auch hier ist Widerstand gefragt. Man kann die Schröder zwar nicht abwählen, aber man kann sie ignorieren.

Margrit Steer

28.01.2011, 23:28 Uhr

@[2] Lutz
volle Zustimmung.

Aber vileicht macht ihr ihre Schwangerschaft auch Probleme. Da spielen bekanntlich die Hormone etwas verrückt und bei ihr schalten sie vielleicht das klare Denken aus. Zumal sie auch noch nie richtig im berufsleben war.
bei normalen Schwangeren bewirken die Hormone in der Hauptsache nur eine abartige Esslust
Man stelle sich vor, noch mehr solche Frauen und dann in Chefetagen.
Aber vielleicht kommt sie ja demnächst auch noch mit Gender-Unsinn, der nun Papa und Mama abschaffen will, es soll ja nur noch Elder1 und Elder2 geben. Und Kinderzimmr sollen geschlechtsneutral eingerichtet sein. Also nichts mit rosa blümchentapete fürs Töchterchen und blauers Mützchen für Sohnemann
ich glaube, so allmählich muß man sich große Sorgen machen über den ganzen Unsinn
Hier könnte Chaos ausbrechen aber unsre Emanzen würden immer noch von Quoten und Gleichmacherei quasseln

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