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22.02.2017

11:27 Uhr

Ifo-Geschäftsklimaindex

Überraschend optimistisch

Entgegen der Erwartungen klettert der Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar nach oben. Deutschland profitiert von der belebten Weltkonjunktur. Viele Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft wieder ein größeres Wachstum zu.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend aufgehellt. dpa

Ifo-Geschäftsklimaindex

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend aufgehellt.

BerlinDeutsche Unternehmen zeigen sich nach Einschätzung des Ifo-Instituts unbeeindruckt vom US-Präsidenten Donald Trump, dem Brexit-Votum und dem ungewissen Ausgang der Wahlen in mehreren Ländern Europas. „Die deutsche Wirtschaft zeigt sich erstaunlich robust in politisch unsicheren Zeiten“, sagte Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in einem Interview zum aktuellen Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser kletterte um 1,1 auf 111,0 Punkte, den höchsten Wert seit drei Jahren.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen leichten Rückgang auf 109,6 Zähler erwartet, nachdem der wichtigste deutsche Frühindikator im Januar gefallen war. Das hatten mehrere Volkswirte auf die Sorge vor Beschränkungen des Handels durch die USA unter Trump zurückgeführt. Wohlrabe hatte dieser Einschätzung jedoch widersprochen und sieht sich nun bestätigt: „Die Zahlen zeigen, dass es weiterhin keinen Trump-Effekt auf die deutsche Wirtschaft gibt. Auch der Brexit spielt bisher keine Rolle.“ Das gelte offenkundig auch für die bevorstehenden Wahlen unter anderem in Frankreich und Deutschland.

Was Ökonomen zum ifo-Index sagen

Uwe Burkert (Chefökonom LBBW)

„Die Stimmung unter den befragten Unternehmen ist auf einem Drei-Jahreshoch, vieles deutet auf eine Beschleunigung des Wachstums hin. Es mehren sich damit die Anzeichen, dass das Jahr 2017 für die deutsche Wirtschaft mit einem sehr starken Quartal beginnt.“

Andreas Scheuerle (Dekabank)

„Die Unternehmen durchleben ein Wechselbad der Gefühle. Dies zeigt sich nicht nur in den starken monatlichen Schwankungen, sondern auch im Auseinanderklaffen von Lageeinschätzung und Geschäftserwartungen. Seit Herbst 2012 war der Abstand zwischen der zuversichtlichen Beurteilung der Gegenwart und der verhaltenen Einschätzung der Zukunftsperspektiven nicht mehr so stark. Starken globalen Konjunkturindikatoren, die auf ein gutes erstes Quartal hindeuten, stehen Protektionismussorgen und politische Unsicherheiten gegenüber. Letztere verblassten etwas im Februar vor dem Hintergrund der gut laufenden Konjunktur.“

Thomas Gitzel (Chefvolkswirt VP Bank)

„Die deutschen Unternehmen schließen sich der global zu beobachtenden Konjunkturzuversicht an. Etwaige Handelsrestriktionen von Donald Trump scheinen im Moment keinen Schrecken zu verbreiten. Die deutsche Exportwirtschaft setzt auf ein gutes Ende, was den transatlantischen Handel anbelangt. Auch die spürbare wirtschaftliche Aufhellung in vielen Schwellenländern dürfte Optimismus verbreiten. Für den deutschen Exportsektor war gerade die schleppende Entwicklung in den Schwellenländern der Bremsklotz in den vergangenen Jahren. Darüber hinaus gilt, dass in Anbetracht einer niedrigen Arbeitslosenquote und rekordtiefen Zinsen die Binnenkonjunktur ohnehin gut läuft. Die Zuversicht ist also durchaus berechtigt – sofern sich Donald Trump sanft zeigt.“

Alexander Krüger (Chefvolkswirt Bankhaus Lampe)

„Die protektionistischen Absichten Trumps können die Unternehmen offenbar nicht dauerhaft verunsichern. Entsprechend macht der Ifo-Geschäftsklimaindex seinen Vormonatsverlust wieder wett. Vom hohen Indexniveau geht für das erste Quartal 2017 weiterhin ein klares Wachstumssignal aus. Wolken ziehen dennoch am Horizont auf: Mit der französischen Präsidentschaftswahl steht in den nächsten beiden Monaten ein harter Stimmungstest bevor. Der Ifo-Geschäftsklimaindex dürfte stark fallen, sollte sich abzeichnen, dass der europafreundliche Kurs Frankreichs enden wird.“

Ralf Umlauf (Helaba)

„Der Ifo-Index überrascht klar auf der positiven Seite, denn auch die Geschäftserwartungen haben zugelegt. Eine erhöhte konjunkturelle Dynamik ist daher ungeachtet der zunehmenden politischen Verunsicherung nicht auszuschließen. Dennoch dürfte sich die Europäische Zentralbank davon unbeeindruckt zeigen und vorerst an ihrem Kurs festhalten.“

Wohlrabe erläuterte, es sei noch nicht konkret absehbar, welche Folgen die wirtschaftspolitischen Pläne Trumps und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) für die hiesigen Unternehmen hätten. „Die deutsche Wirtschaft spekuliert nicht.“ Für diese Einschätzung spreche, dass die Exporterwartungen der Industrie erneut gestiegen seien. „Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Export eine stärkere Säule der deutschen Wirtschaft wird.“

Im vergangenen Jahr hatte vor allem die Binnennachfrage für gute Stimmung in den Chefetagen gesorgt. „Der Konsum ist zwar leicht gesunken, bleibt aber eine solide Stütze“, sagte Wohlrabe angesichts der aktuellen Umfrage unter 7000 Managern.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.02.2017, 11:03 Uhr

Wirtschaft hui, Politik pfui.

Account gelöscht!

22.02.2017, 11:29 Uhr

Was heißt hier überraschend optimistisch....ein Unternehmer ist von Haus auf optimistisch eingestellt. Ohne einen Optimismus kann man kein Geschäft/Unternehmen betreiben. Auch wenn die Lage für viele noch enger und schwerer wird...der Optimismus wie die Hoffnung sterben immer zu letzt.

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