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19.09.2011

17:49 Uhr

IfW-Chef Dennis Snower

Wie Deutschland auf die Flaute reagieren sollte

Deutschland muss sich auf seine Stärken besinnen. IfW-Chef Snower fordert einen flexiblen Arbeitsmarkt und eine rasche Lösung der Schuldenkrise. Sein Rat: Die Regierung muss Einfluss nehmen - und Fiskalregeln einfordern.

IFW-Chef Dennis Snower. dpa

IFW-Chef Dennis Snower.

BerlinDeutschland sollte sich nach Ansicht der Kieler IfW-Instituts im anstehenden Abschwung auf seine Stärken besinnen und in der Euro-Schuldenkrise mutig reagieren. „Die Rezessionsgefahr ist gestiegen, weil es unseren Handelspartnern nicht so gut geht“, sagte IfW-Chef Dennis Snower am Montag im Reuters-Interview. „Es wird 2012 eine sehr sanfte Erholung geben.“ Wie sie konkret ausfalle, sei schwer vorherzusehen, betonte Snower am Rande der Kieler Konjunktur-Gespräche. „Denn die Risiken und die Unsicherheit sind sehr groß.“ Die größten Probleme, die zur Krise geführt hätten, seien noch nicht überwunden. „Durch die Schuldenproblematik sind die Finanzmärkte zusätzlich beunruhigt.“

Das Institut für Weltwirtschaft erwartet für 2012 nur noch ein Anziehen der Konjunktur um 0,8 Prozent, nach 2,8 Prozent im laufenden Jahr. Die heimische Wirtschaft sollte deshalb nach Snowers Worten auf zuletzt erfolgreiche Instrumente setzen. „Die flexible Arbeitsmarktpolitik und Lohnmoderation haben Deutschland 2009 über die Rezession hinweg geholfen“, sagte der IfW-Präsident. „Diese Stärken sollten wir nicht außer acht lassen.“ Das schwache Wachstum treffe nicht nur europäische Handelspartner, sondern die „ganze westliche Welt“ und auch exportlastige Schwellenländer. Dabei könne man nicht darauf hoffen, dass der bevölkerungsreichste Staat für die Industrieländer in die Bresche springe. „Es ist nicht zu erwarten, dass China die Schwäche von vielen OECD-Ländern ausgleichen kann“, sagte Snower.

Politisches Pendant einer unabhängigen Zentralbank gesucht
Er rief die schwarz-gelbe Koalition auf, in der Euro-Zone „Einfluss zu nehmen“, um die Schuldenkrise zu bewältigen. „Deutschland sollte von allen Ländern, die Anspruch auf einen Rettungsschirm haben wollen, Fiskalregeln einfordern, die unabhängige Schuldenkommissionen umsetzen sollten“, betonte Snower. Hier sei eine neue Institution gefragt - als politisches Pendant einer unabhängigen Zentralbank. „Dann wären wir die Schuldenkrise los, und das würde Deutschland sehr helfen.“ Solche Verunsicherungen entstünden vor allem, wenn die Finanzmärkte nicht mehr daran glaubten, dass die Schulden auf lange Sicht zurückgezahlt würden. Deshalb sind langfristige Pläne nötig, auch in den USA. „US-Präsident Barack Obama würde es enorm helfen, wenn sich Demokraten und Republikaner auf Fiskalregeln einigten, die dann glaubwürdig implementiert würden“, sagte der 60-jährige Amerikaner. Seit Oktober 2004 leitet er das Kieler Institut.

Die Lage der Europäischen Zentralbank in der Krise bezeichnete Snower als schwierig. „Denn die Finanzminister Europas haben es nicht geschafft, verantwortungsvolle Finanzpolitik zu betreiben oder dies den angeschlagenen Ländern langfristig abzuverlangen“, kritisierte der Forscher. „Daher liegt es bei der EZB, den Euroraum finanzwirtschaftlich zu retten.“ Dies geschehe vor allem durch den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen, den zuletzt Bundesbankpräsident Jens Weidmann erneut kritisierte. „Für die EZB könnte es künftig zum Zielkonflikt kommen, dass sie sich durch den Kauf der Staatsanleihen zu sehr der Stabilität der Finanzmärkte widmet“, warnte Snower. „Dadurch könnte die Freiheit, sich der Stabilität der Preise zu widmen, eingeschränkt werden.

 

Von

rtr

Kommentare (2)

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Adolf

19.09.2011, 19:34 Uhr

Erzähle uns lieber wie die Eurozone auf die Flaute reagieren sollte.
Es gibt 17 Länder in der Währungunion, Deutschland ist eins davon.

Palimpalim

19.09.2011, 19:39 Uhr

Snower ist Amerikaner, was noch nicht schlimm ist. Dass er solchen Unsinn als Institutsleiter von sich gibt allerdings schon.

Nach dem Euphemismus, nahezu Nullwachstum mit sanftem Wachstum zu umschreiben wird er demnaechst von der Rezession als Konjunkturverschlankung sprechen.

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