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28.07.2016

19:22 Uhr

IfW-Präsident Dennis Snower im Interview

„Man hat oft das Gefühl, von der Alltagswelt entfernt zu sein“

VonKevin P. Hoffmann

Dennis Snower ist der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft. Im Interview spricht der Ökonom über die Koordination der Think-Tank 20, politischen Einfluss und das Problem der Machtlosen und Abgeschotteten.

Der Ökonom ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, das die Think-Tank 20 (analog zu den G20) koordinieren soll. dpa

Dennis Snower

Der Ökonom ist Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, das die Think-Tank 20 (analog zu den G20) koordinieren soll.

BerlinHerr Professor Snower, warum sind Ihr Institut und das DIE ausgewählt worden, die Gruppe der Think-Tank 20 zu koordinieren?
Das DIE ist schon lange im T20-Prozess involviert, hat also viel Expertise – speziell auf dem Feld der Entwicklungspolitik. Auch unser IfW hat natürlich auch eine Reputation in wirtschaftspolitischer Beratung, wir sind aber noch nicht so lange beim T20-Prozess dabei. Unser Institut für Weltwirtschaft interessiert sich aber traditionell für die Probleme, bei denen es globale wirtschaftliche Zusammenhänge gibt und für die kein Land allein die Verantwortung übernehmen kann. Finanzkrisen, Klimawandel und Armut sollte man zusammen betrachten. Vor diesem Hintergrund veranstalten wir auch jedes Jahr das Global Economic Symposium. Insgesamt fühlen sich unsere Institute optimal ergänzt. Zudem empfinde ich den Austausch mit Professor Messner persönlich und intellektuell als sehr anregend.

Ihre bereits für 2017 gesetzten Themen reichen von Migration, Flucht, über Energiewende und Haushaltspolitik bis zum digitalen Wandel. Wie wollen sie sich dabei nicht verzetteln?
Wir werden einen Neubeginn wagen. Wir werden im Rahmen der T20 weniger andere Institute um Meinungen bitten zu all den vielen Themen, zu denen sie Meinungen haben. Wir werden stattdessen thematische Fäden knüpfen, die für die Bundesregierung von besonderem Interesse sind. Wir werden Institute in aller Welt finden, die diese Spezialthemen bearbeiten können. Dann soll es einen Dialog mit den zuständigen Ressorts geben über die Relevanz unserer Vorschläge. In einem dritten Schritt formulieren wir Antworten. So stellen wir uns den neuen Prozess zur Unterstützung der G20 vor. Das wird nicht einfach, wir müssen uns fokussieren.

Inwieweit nimmt die Bundesregierung Einfluss auf die Inhalte?
Natürlich gewährt sie den Think-Tanks ein völlige Autonomie, sich mit den Themen zu befassen, die sie wollen. Aber wir wollen auch, dass sich die Debatten auf die Themen konzentrieren, auf die die jeweilige Präsidentschaft setzt. Es geht um Kohärenz der politischen Vorschläge und eine Kontinuität von der einen zu anderen Präsidentschaft. Sonst kann man realpolitisch wenig erreichen. Wir befassen uns bewusst mit den längerfristigen Themen, mit einem über Jahre laufenden Diskurs, in der Erwartung, dass man ihn auch zu Ergebnissen führen kann.

Mit welchen konkreten Instrumenten wollen Sie nachhaltige Debatten pflegen?
Eben nicht, indem wir ein möglichst dichtes Netzwerk aus möglichst vielen Think-Tanks knüpfen, bezogen auf diverse Themen. zusätzlich zur gewohnten T20-Website, wo alle aktivitäten dargestellt werden, soll es eine T20-Insight-Plattform geben, wo man thematischen Fäden, die verschiedene Politikvorschläge verbinden, bequem verfolgen kann.

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