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09.01.2004

10:51 Uhr

IG Bauen-Agrar-Umwelt leidet besonders

Job-Misere verstärkt Mitgliederschwund bei Gewerkschaften

Die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angeschlossenen Gewerkschaften haben 2003 rund 300 000 Mitglieder verloren. Zusammen haben die acht Arbeitnehmerorganisationen noch rund 7,3 Millionen Beitragszahler.

HB FRANKFURT/M.Der rasante Beschäftigungsabbau in Deutschland hat den Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften beschleunigt. Die acht DGB-Gewerkschaften verloren im Jahr 2003 nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur etwa 300 000 Mitglieder. Zusammen zählen die Arbeitnehmerorganisationen noch rund 7,3 Millionen Beitragszahler. Ein Hoffnungsschimmer sind bei einigen Organisationen steigende Eintritte von Jugendlichen.

Die beiden größten Gewerkschaften ver.di und IG Metall haben nach eigenen Angaben noch keine aktuellen Zahlen vorliegen. Ver.di hatte Anfang 2003 rund 2,7 Millionen Mitglieder. Im Oktober waren es nach dpa-Informationen nur noch etwa 2,6 Millionen. In der IG Metall waren im Januar 2003 rund 2,6 Millionen Arbeitnehmer organisiert. Bis Oktober sank die Zahl auf 2,5 Millionen. Die IG Metall war im Sommer nach dem gescheiterten Streik für die 35-Stunden-Woche in Ostdeutschland in eine tiefe Krise geraten.

„Die Vernichtung von Arbeitsplätzen hinterlässt bei den Gewerkschaften natürlich Spuren“, sagte IG-Metall-Sprecher Georgios Arwanitidis. In der Metallverarbeitung seien allein in den beiden vergangenen Jahren rund 160 000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Dazu komme der Wandel in der Beschäftigtenstruktur zu Gunsten von Angestellten- und Dienstleistungstätigkeiten. „Es ist uns noch nicht ausreichend gelungen, den Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion durch Mitgliedergewinnung zum Beispiel in den IT-Bereichen zu kompensieren.“

Das gleiche Problem hat auch die drittgrößte DGB-Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE).

Ihre Mitgliederzahl ging innerhalb eines Jahres von 833 000 auf 801 000 zurück. Neben dem Arbeitsplatzabbau und der demographischen Entwicklung gebe es auch Organisationsdefizite. Es sei bislang nicht in einem befriedigendem Maß gelungen, etwa Kaufleute oder besonders hoch qualifizierte Beschäftigte zu gewinnen.

Auch in einigen neuen Industrien wie der Bio- und Gentechnologie seien organisatorische Lücken noch nicht geschlossen, sagte IG-BCE-Sprecher Michael Denecke. Von den Auszubildenden hätten 65 bis 70 Prozent ein Mitgliedsbuch.

Vom Beschäftigungsabbau am stärksten gebeutelt ist weiterhin die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU). Die Zahl ihrer Mitglieder sank von 489 000 auf 461 162, was einem Minus von 5,8 Prozent entspricht. Im Baugewerbe seien im gleichen Zeitraum etwa sieben Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen, sagte IG-BAU-Sprecher Michael Knoche. „Im Vergleich dazu sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.“ 26 581 neue Eintritte zeigten zudem, dass die Gewerkschaft mit ihrer Mitgliederwerbung in den anderen von ihr vertretenen Branchen wie Gebäudereiniger erfolgreich sei. Positiv sei auch die steigende Zahl von organisierten jungen Arbeitnehmern. Ihr Anteil liege bei 10,7 Prozent.

Bei den vier kleineren Gewerkschaften Transnet, GEW, NGG und GdP gab es wegen vieler Entlassungen ebenfalls Mitgliederverluste. Die Bahngewerkschaft Transnet verlor rund fünf Prozent ihrer Mitglieder (15 000) und vertritt noch 283 332 Bahnbeschäftigte. Auch die Zahl junger Mitglieder ist rückläufig. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zählte am Jahresende 260 842 Beitragszahler, knapp 4000 weniger als vor einem Jahr. Die hohen Verluste in den neuen Bundesländern hätten durch einen leichten Zuwachs im Westen nicht wettgemacht werden können, sagte ein Sprecher.

In der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) waren am Jahresende noch 236 507 Mitglieder organisiert, knapp 9000 oder 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Jugendlichen blieb in etwa konstant, ihr Anteil liegt bei rund 6,5 Prozent. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat noch 182 500 Mitglieder. Ein Jahr zuvor hatte sie noch 2500 mehr Mitglieder.

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