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20.01.2016

15:40 Uhr

IG Metall

Die Früchte der Streikwelle

VonFrank Specht

Die Streiks bei der Post oder in den Kitas bescherten den Gewerkschaften im vergangenen Jahr viele neue Mitglieder. Dass es auch ohne heftigen Arbeitskampf geht, beweist die IG Metall.

Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann ist stolz auf die steigenden Mitgliederzahlen. Reuters

Jörg Hofmann

Der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann ist stolz auf die steigenden Mitgliederzahlen.

BerlinWenn es um die Größe der Herausforderung geht, verweist die IG Metall gerne auf Bremerhaven oder Jena. 107.000 Einwohner zählt die thüringische Universitätsstadt, die Seestadt im Norden sogar noch ein paar Tausend mehr. So viele neue Mitglieder, wie Jena oder Bremerhaven Einwohner haben, muss die IG Metall jedes Jahr gewinnen, um nicht zu schrumpfen. Denn ein knappes Viertel der Mitglieder stellen Senioren, die über kurz oder lang ausscheiden werden.

Im vergangenen Jahr hat die größte deutsche Einzelgewerkschaft ihr selbstgestecktes Ziel erreicht. 120.568 Neuzugänge ließen die Mitgliederzahl das fünfte Jahr in Folge steigen – auf nunmehr 2,27 Millionen. „Besonders freuen wir uns darüber, dass die Zahl der betrieblichen Mitglieder auf 1,6 Millionen gestiegen ist – und damit auf den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre“, sagte der im vergangenen Oktober gewählte neue IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann. Betriebliche Mitglieder sind die, die auch den vollen Beitragssatz von einem Prozent des Bruttoeinkommens zahlen. Für Rentner, aber auch für Studierende oder Arbeitslose gelten ermäßigte Sätze.

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Entsprechend gut gefüllt sind die Kassen der Gewerkschaft. Die Beitragseinnahmen stiegen im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent auf 533 Millionen Euro. 15 Prozent ihrer Beitragseinnahmen führt die IG Metall in die Streikkasse ab, die damit für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie um knapp 80 Millionen Euro aufgestockt wird. „Die IG Metall ist gut aufgestellt und jederzeit handlungsfähig“, betont Hauptkassierer Jürgen Kerner.

Mit Warnstreiks hatte die IG Metall in der vergangenen Tarifrunde Druck gemacht und 3,4 Prozent mehr Geld für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche herausgeholt. Am 29. Februar wird der IG-Metall-Hauptvorstand die Forderung für die nächste Runde beschließen. Einen Grund, Zurückhaltung zu üben, sieht Hofmann trotz konjunktureller Risiken nicht: „Die stabile wirtschaftliche Situation, wie sie allseits konstatiert wird, wird auch 2016 vor allem vom privaten Konsum getragen“, sagt er. Die IG Metall werde deshalb auf eine Erhöhung der Realeinkommen setzen, „die der guten Ertragslage der Unternehmen angemessen ist“.

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