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02.02.2016

12:19 Uhr

IG-Metall-Forderungen

Es geht nicht ohne Schmerzen

VonFrank Specht

4,5 bis fünf Prozent mehr Geld will die IG Metall für ihre Beschäftigen erstreiten. Doch jeder Prozentpunkt kostet die Unternehmen Milliarden. Erhöhungen „als Gnadenakt des Patrons“ will die Gewerkschaft aushebeln.

Nach hohen Tarifforderungen war es 2015 zu Streiks gekommen. dpa

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Nach hohen Tarifforderungen war es 2015 zu Streiks gekommen.

BerlinGanz aus dem Vollen schöpfen will die IG Metall dann doch nicht. Der Bundesvorstand hat am Dienstag in Frankfurt empfohlen, mit einer Forderung nach 4,5 bis fünf Prozent mehr Geld in die Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie zu gehen. Er folgt damit exakt der vorsichtigen Empfehlung des Bezirks Nordrhein-Westfalen. Andere Bezirke, vor allem mit den Industriestandorten im Südwesten, würden gerne die fünf vor dem Komma sehen.

„Die Forderung ist von den Unternehmen finanzierbar und sichert den Beschäftigten einen fairen und verdienten Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung“, sagte der im vergangenen Oktober an die Spitze gewählte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. „Sie ist zur weiteren Stärkung der Binnennachfrage ebenfalls dringend geboten.“

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Die IG Metall fordert 4,5 bis fünf Prozent mehr Geld für ihre Mitglieder. Die Forderungen sind gefährlich – auch für die Gewerkschaft selbst. Warum pokert sie dermaßen hoch? Eine Analyse.

Obwohl es dieses Mal nur um eine reine Entgeltrunde geht und nicht um qualitative Elemente wie etwa die Bildungsteilzeit, erwartet Hofmann keine einfachen Verhandlungen: Jeder Prozentpunkt Tarifsteigerung koste die Unternehmen 1,8 Milliarden Euro. „Da fängt jeder Kaufmann an zu rechnen“, sagt der IG-Metall-Chef. Er wolle deshalb nicht ausschließen, dass beiden Seiten „der entsprechende Schmerz“ abverlangt werde, um zu einem Ergebnis zu kommen. Insgesamt habe die IG Metall in den vergangenen zehn Jahren aber eine „sehr verlässliche Lohnpolitik“ abgeliefert.

Die IG Metall sieht nach wie vor ein rosiges wirtschaftliches Umfeld. Die USA befänden sich im Wirtschaftsboom, auch aus Spanien oder Großbritannien kämen wieder erfreuliche Signale. Nur Russland und China bereiten den Konjunkturexperten Sorge.

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Trotz wachsender Unsicherheiten verbuchten die Unternehmen weiter satte Gewinne, wie die bevorstehende Quartalssaison zeigen werde. Die Nettoumsatzrendite sei 2015 gegenüber dem Vorjahr zwar leicht gesunken, liege mit 3,6 Prozent aber immer noch im Schnitt der Nachkrisenjahre, argumentiert Frank Iwer, der bei der Gewerkschaft die Strategie und die politische Planung verantwortet. Und: 2015 hätte allein der Gewinn von Daimler ausgereicht, um bundesweit die Tarifforderung der IG Metall zu erfüllen.

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