Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2011

08:04 Uhr

Illner-Talk

"Neues Geld in alte Löcher stopfen"

VonGabriela M. Keller

Von Griechenlands Schuldenberg gibt es nicht viel Neues zu erfahren. Entsprechend müde und uninspiriert verlief die Diskussion bei Maybrit Illner. Doch es kam auch der ein oder andere interessante Aspekt zu Tage.

Der Sparkurs der Regierung bringt immer noch die Griechen auf die Straße. Quelle: dpa

Der Sparkurs der Regierung bringt immer noch die Griechen auf die Straße.

BerlinGriechenland, immer wieder Griechenland. Schon vor etwas über einem Jahr starrte die Welt alarmiert in Richtung Athen: Die dramatische Verschuldung hatte das Land an den Rand der Staatspleite gebracht. Ein milliardenschweres Hilfsprogramm der EU sollte Abhilfe schaffen. Und jetzt sorgt Hellas schon wieder mit desaströsen Bilanzen für europaweite Aufregung.

Zudem lehnt sich das griechische Volk auch noch gegen den radikalen Sparkurs auf, den ihm ihre Regierung verdonnert hat. Die deutschen Politiker indes haben mehr und mehr Schwierigkeiten, den Steuerzahlern begreiflich zu machen, warum schon wieder Milliarden in Richtung Peloponnes gepumpt werden sollen. Maybrit Illner nahm die Schlagzeilen in dieser Woche zum Anlass, eine Runde von Finanzexperten und Politikern zur Schuldenberatung einzuladen. „Milliardengrab Euro – noch mehr Geld für Griechenland?“, so fragte sie ihre Gäste. 

Doch ausgerechnet dieses kontroverse Thema, das den Volkszorn erheblich schürt, wurde überraschend trocken und leidenschaftslos debattiert. Es gelang der Moderatorin nicht, eine angeregte Diskussion in Gang zu bringen. Statt dessen rührten die Gäste ziemlich uninspiriert in der Konkursmasse herum. Die Sendung verlief damit in etwa so rasant wie ein Refarat in einem Proseminar im Fach Finanzwirtschaft. Das war schade, zumal sich Illners Redaktion alle Mühe gegeben, sachkundige Menschen einzuladen, die das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Doch leider erschien es so, als seien die Gäste des Themas etwas überdrüssig.

Es ist im Grunde ja auch schon so viel dazu gesagt worden. Evangelos Antonaros, griechischer Oppositionspolitiker, hätte für etwas Erdverbundenheit sorgen und anschaulich machen können, was die Misere für die Bewohner des Landes bedeutet. Tatsächlich aber hakte er kurz die Begriffe Gehaltskürzung, Verunsicherung und Arbeitslosigkeit ab und tauchte dann ins innenpolitische Klein-Klein seiner Heimat ein. „Die demonstrieren gegen uns,  alle Politiker“, stammelte er fassungslos.

Äußerst forsch dagegen argumentierte die Finanzjournalistin Silvia Wadhwa.  „Das Problem ist nicht, dass Griechenland seine Schulden nicht mehr zurückzahlen kann“, stellte sie klar, „denn das können wir alle nicht, ob das die Amerikaner sind, die Briten oder wir. Griechenland ist überall.“ Das Problem sei vielmehr, dass die Märkte den Glauben daran verloren hätten, dass Griechenland sich das Geld beschaffen kann, um seine Schulden zu tilgen. Es sind Aussagen wie diese, die deutlich machen, welche Eigendynamik die Finanzwirtschaft mittlerweile entfaltet hat. „Im Moment kann niemand einschätzen, was die Märkte daraus machen“, sagte Wadhwa weiter. Was die Märkte machen. Das klingt nach Mächten, die die Menschheit so unkontrollierbar ihren Launen unterwerfen wie einst die Gottheiten der griechischen Mythologie. Das wirft aber auch die Frage auf, was die Politik überhaupt tun kann, um den Verwerfungen des Geldmarktes gegenzusteuern.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Profit

17.06.2011, 09:05 Uhr

Es wird erneut mit Bezug auf die gestrige Sendung gesagt, daß die Griechen "fleißig" seien und als Beleg wird angeführt, daß sie sogar zwei Stunden länger arbeiten als Deutsche (in der Woche?). Diese Aussage hat einen Informationswert, der gegen null geht. Im Sozialismus schuftete der eine auch den ganzen Tag, indem er ein Loch grub. Der zweite schuftete ebenfalls, indem er ganau dieses Loch wieder zumachte. Beide gingen am Abend nach Hause und berichteten ihrem Mütterlein, wie hart sie gearbeitet hätten. Mit anderen Worten: Entscheidend ist die Produktivität im Zusammenhang mit vermarktbaren Produkten. Man muß sich nur die überbodene Bürokratie in Griechenland anschauen. Die Vielzahl der Staatsbetriebe. Die verkrusteten Strukturen z.B. bei den Logistik-Unternehmen. Die Macht der Gewerkschaften. In den Ferienhotels: Wer arbeitet dort denn "wirklich"? Albaner, Bulgaren, Rumänen! Griechen spielen nur Oberaufpasser und Platzanweiser. Nein, liebe Griechen, Euere Gesellschaft ist unproduktiv auf fast allen Ebenen. Und in Punkto Fleiß sind Euch Euere Gastarbeiter aus Albanien haushoch überlegen!

TV-Glotzer

17.06.2011, 09:29 Uhr

Eine „unteririsch“ schlechte Sendung war das gestern Abend.
Prof. Stabatty kam kaum zu Wort, dafür durfte Brüderle und Herr Fricke ausführlich ihren Schwachsinn von sich geben.
Ich habe mioch wirklich auf die Sendung gefreut, aber was dann presentiert wurde, war eine Frechheit für jeden am Thema interessierten Zuschauer.

Account gelöscht!

17.06.2011, 09:30 Uhr

An einem Schuldenschnitt kommt man bei Griechenland nicht vorbei. Die Beteiligung der Banken sollte dabei nicht freiwillig sein. Freiwillig ist nur die Beteiligung des Steuerzahlers.
Die Lobby der Banken versucht das ganze zu verdrehen. Schließlich sind nicht genutzte Wertberichtigungen Gewinne der Zukunft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×