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24.02.2012

08:00 Uhr

Illner-Talk zur Bundespräsidenten-Wahl

Gaucks Zitate und Merkels Blutgrätsche

In Maybrit Illners Talkshow stritten die Gäste heftig über den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Dabei schlug CSU-Mann Söder der Linkspartei vor, Margot Honecker als Bundespräsidentschafts-Kandidatin aufzustellen.

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck. dapd

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck.

BerlinDie beste Wendung der gestrigen Maybrit Illner-Talkshow kam ganz am Schluss gegen 23.15 Uhr: Da wurde ein leider kurzer Ausschnitt aus der Talkshow "Gauck trifft…" eingespielt, die Joachim Gauck anno 2001 im WDR-Fernsehen moderierte - ein noch relativ unverbrauchter Fakt aus dem Gauck-Mediengewitter, das seit ein paar Tage durchs Land geht; sein damaliger Talkgast war Angela Merkel.

Die absurdeste Wendung zur Illner-Sendung gab es schon vor Sendebeginn eine Stunde zuvor. Da kündigte Markus Lanz im Werbetrailer an, in seiner im Anschluss folgenden Show den FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler zu Gast zu haben - um den es auch bei Illner ausführlich gehen sollte. Nicht nur die ARD hat ein Problem mit ihrer Talkshowflut, das ZDF hat auch eines, das bloß besser getarnt ist, weil nicht fünf verschiedene Talker pro Woche auf Sendung gehen, sondern zusätzlich zu Illner noch dreimal pro Woche derselbe, Lanz.

Jedenfalls wäre Rösler in Illners Show unter dem Titel "Merkels Super-Gauck - Gut fürs Volk, schlecht für die Regierung?" gut aufgehoben gewesen. Anfangs wollte sie sehr ausführlich die Frage geklärt wissen, wie zerstritten die Regierungsparteien denn nun nach der, wie es heißt, von Rösler gegen Merkel durchgesetzten Nominierung Gaucks fürs Bundespräsidenten-Amt sind.

Der Haudegen Rainer Brüderle, der an Röslers Stelle die FDP vertrat, ließ sich im Einzelinterview vorab nicht aus seiner Seelenruhe bringen. "Liebesbeziehungen hat man privat", sagte er. Die Bemerkung "Den Inhalt eines Vieraugengesprächs kennen vier", die ihm zwischendurch rausrutschte, sollte nicht der schlimmste Versprecher des Abends bleiben.

Gleich noch eine eher unglückliche Entscheidung gestern bei der Gäste-Zusammenstellung der ZDF-Talkshows: Melda Akbas, 20-jährige türkischstämmige Buchautorin "Mein Leben zwischen Moschee und Minirock", wurde zwar anfangs vorgestellt, blieb dann aber im Publikum sitzen, um erst viel später ein paar Fragen gestellt zu bekommen. Dabei wäre es sowohl eine sinnvolle Geste gewesen, am Tag der offiziellen Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt eine Deutsche mit Migrationshintergrund in der Gästerunde zu haben, als auch belebend für die Sendung selbst.

Kommentare (10)

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rjm

24.02.2012, 10:12 Uhr

Ich bin Illner Fan,habe gestern jedoch die Sendung abgeschaltet. Kann man einem Menschen der bald Bundespräsident wird nicht eine Chance geben sich in der Rolle zu beweisen? Warum versucht man jetzt bereits wieder Gauck zu demontieren? Ganz ganz schlechter Stil ...Hoffe die Quoten solcher Talkshows brechen bald ein , damit sich die Talkmaster wieder Themen zuwenden , die die Menschen wirklich beschäften.

R.W.F.

24.02.2012, 10:51 Uhr

Haben Sie noch immer nicht kapiert, dass hinter diesen sog. Polit-Talkshows, die gezielt Disput, Emotionen und Krawall auslösen bzw. inszenieren, ein klar durchdachtes Marketing-Konzept steht? Wer sich wirklich ernsthaft politisch informieren und orientieren will, der liest seriöse Zeitungen!

Wenn Sie also wirklich Bedarf haben an "Themen, die die Menschen wirklich beschäftigen", und wirklich Interesse haben an fundierten Informationen und Hintergrundwissen, dann sollten Sie Ihre Zeit nicht vor der Glotze mit diesen billigen Krawall-Shows verbringen!

Brechreiz

24.02.2012, 11:06 Uhr

"Wer sich wirklich ernsthaft politisch informieren und orientieren will, der liest seriöse Zeitungen!"

... zu denen das Handelsblatt definitiv nicht gehört... Nach längerem Nachdenken fällt mir auch keine Zeitung ein, die KEINEN politischen Einschlag hat. Selbst intelligente und renommierte Zeitungen wie die FAZ (eher schwarz) oder die Süddeutsche (eher rot) können sich nicht von einem politischen Einfluss befreien..

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