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18.01.2009

14:29 Uhr

Im Interview

Glos setzt auf Atomkraft statt Erdgas

VonKlaus Stratmann

ExklusivBundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) übt scharfe Kritik an Russland und der Ukraine. Beide Seiten hätten mit ihrem tagelangen Streit um Gaslieferungen „eine Menge Vertrauen verspielt“. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erläutert der Minister, wie er die Abhängigkeit vom Erdgas verringern will.

Will die Abhängigkeit vom Erdgas verringern: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Foto: ap ap

Will die Abhängigkeit vom Erdgas verringern: Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Foto: ap

Ist die Gasversorgung auch noch in Zukunft sicher?

Die politisch Verantwortlichen in Russland und in der Ukraine haben eine Menge Vertrauen verspielt. Es stellt sich die Frage, wie ernst sie es mit der Vertragstreue und den Liefer- und Transitverpflichtungen eigentlich nehmen. Ich will die möglichen kommerziellen und sicher auch politischen Hintergründe für die Streitigkeiten zwischen der russischen Gazprom und der ukrainischen Naftogas nicht näher beleuchten. Fakt ist, dieser unerträgliche Streit geht zu Lasten Unbeteiligter, langfristige Lieferzusagen gegenüber Abnehmern in Drittländern werden nicht eingehalten.

Glücklicherweise sind wir in Deutschland relativ gut aufgestellt. Niemand muss bei uns fürchten, im Kalten zu sitzen. Dies ist - und das will ich ausdrücklich positiv hervorheben - in erster Linie Ergebnis kluger Vorsorgepolitik unserer Unternehmen mit zum Teil erheblichen Investitionen in die Gasbeschaffung und dazu gehörende Infrastruktur. Vor allem die kommerziellen Speichermöglichkeiten haben sich gerade jetzt sehr bewährt. Der Erdgasstreit macht deutlich, wie abhängig die Energieversorgung in Deutschland und Europa von Importen ist. Es gilt, die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, damit wir zukünftig noch besser gerüstet sind.

Müssen sich die deutschen Gasimporteure nicht intensiver um zusätzliche Gasbezugsquellen kümmern? Warum gibt es in Deutschland kein Flüssiggas-Terminal?

Ja, wir brauchen eine weitere Diversifizierung der Transportwege und Lieferquellen. Konkret sollten hierzu die geplanten Pipelineprojekte Nord-Stream durch die Ostsee und Nabucco zur Anbindung des kaspischen Raums weiter vorangetrieben werden. Dazu gehört aber auch die Möglichkeit, verflüssigtes Erdgas nach Deutschland zu liefern. Die Frage eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven wurde lange diskutiert und letzten Endes unter wirtschaftlichen Aspekten zurückgestellt. Das Thema LNG gehört aber wieder auf die Tagesordnung. Ich begrüße es deshalb ausdrücklich, dass RWE öffentlich angekündigt hat, an der Nordseeküste eine Anladestation für LNG-Tanker zu bauen.

Wie stehen Sie zu Forderungen, aus Gründen des Klimaschutzes mehr auf die Stromerzeugung in Gaskraftwerken zu setzen?

Wir dürfen die Abhängigkeit vom Erdgas nicht weiter erhöhen. Würde man Vorschläge zum Beispiel der Grünen umsetzen, Erdgas stärker in der Grundlast einzusetzen, würde dies unsere Abhängigkeit weiter erhöhen und zu steigenden Strompreisen führen. Auf dieser Basis lassen sich die Herausforderungen unseres hoch entwickelten Industriestandorts nicht lösen, die Zeche zahlen am Ende die Verbraucher. Erdgas ist für mich eine zu knappe und wertvolle Ressource, um es in der Grundlast-Stromerzeugung zu vergeuden. Es gibt wichtigere und sinnvollere Verwendungsmöglichkeiten. Deshalb erscheint es mir sehr fraglich, ob Erdgas bei der anstehenden Erneuerung des Kraftwerksparks in Deutschland eine prominente Rolle spielen sollte.

Muss es - nach dem Vorbild der strategischen Ölreserve - eine nationale Gasreserve geben?

Diese Frage muss diskutiert werden. Ich habe dazu eine Arbeitsgruppe einberufen. Dabei spielen vor allem die Themen Diversifizierung der Bezugsquellen und Transportwege, verflüssigtes Erdgas, aber auch Gasspeicher eine wichtige Rolle. Ich hoffe hier auf eine konstruktive Mitarbeit der Gaswirtschaft.

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