Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.03.2016

19:42 Uhr

Im Wahlkampf-Endspurt

Hacker legen AfD-Seite zwischenzeitlich lahm

Die Internetseite der AfD ist am Freitag von Hackern zeitweilig lahmgelegt worden. Die Partei konnte auch keine E-Mails mehr empfangen oder verschicken. Der Zeitpunkt scheint vor den drei Landtagswahlen bewusst gewählt.

ie Alternative für Deutschland geht von einem „politisch motivierten Hackerangriff“ aus. AP

AfD-Chefin Frauke Petry

ie Alternative für Deutschland geht von einem „politisch motivierten Hackerangriff“ aus.

BerlinKurz vor den Landtagswahlen in drei Bundesländern haben Unbekannte die Internetseite der AfD zeitweilig lahmgelegt. „Seit 13.55 Uhr ist unsere Website nicht mehr erreichbar, wir können auch keine E-Mails mehr empfangen oder verschicken“, sagte Parteisprecher Christian Lüth am Freitag. Dies sei wegen der anstehenden Wahlen am Sonntag in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt besonders ärgerlich. Die Polizei sei informiert worden. Am frühen Abend war die Internetseite wieder zu erreichen.

Die Alternative für Deutschland ging von einem „politisch motivierten Hackerangriff“ aus. Die Firma, bei der die rechte Partei ihre Website hosten lässt, habe pro Sekunde 1,6 Millionen Zugriffe auf die Seite festgestellt, sagte Lüth. Die Vorstandsmitglieder wurden von der Bundesgeschäftsstelle am Nachmittag per SMS aufgefordert, bis auf weiteres nur noch telefonisch zu kommunizieren.

Die Gesichter der AfD

Alexander Gauland, Bundesvorsitzender

Gauland gilt als gewiefter Taktiker und mächtigster Mann der AfD. Als Vorsitzender der Bundestagsfraktion hält er bereits viele Fäden in der Hand. Gauland ist dem rechtsnationalen Flügel verbunden. Flügel-Gründer Höcke ist aus seiner Sicht ein „Nationalromantiker“. Für das ehemalige CDU-Mitglied Gauland ist die AfD die dritte Karriere. Als junger Politiker war er die rechte Hand des CDU-Politikers und früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann. Später wurde Gauland in Potsdam Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“.

Jörg Meuthen, Co-Bundesvorsitzender

Meuthen arbeitete vor seinem Einstieg in die Politik als Professor für Volkswirtschaft an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Im Juli 2015 wurde er auf einem stürmischen Parteitag in Essen als Repräsentant des wirtschaftsliberalen Flügels zum Co-Vorsitzenden der AfD neben Frauke Petry gewählt. 2016 zog er als AfD-Spitzenkandidat in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Später näherte sich Meuthen dem rechtsnationalen Flügel um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke an. Anfang November kündigte er seinen Wechsel von Stuttgart ins Europäische Parlament an.

Georg Pazderski, Parteivize

Pazderski ist Landes- und Fraktionschef der Berliner AfD. Dem Bundesvorstand gehörte er bisher als Beisitzer an. Schrille Töne sind dem ehemaligen Oberst im Generalstab der Bundeswehr genauso ein Graus wie politische Korrektheit. In einer Rede im Berliner Abgeordnetenhaus erzählte er, wie sein polnischer Vater als Jugendlicher für die Deutschen Zwangsarbeit leisten musste. In dem Vorstoß für einen Parteiausschluss von Höcke sah er eine „große Chance für die AfD, im bürgerlichen konservativ-liberalen Lager Fuß zu fassen“.

Albrecht Glaser, Parteivize

Glaser war früher CDU-Mitglied und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main. Der AfD-Spitze gehörte der Bundestagsabgeordnete aus Hessen schon bisher als Stellvertreter an. In der Partei ist Glaser durch seine Arbeit als Leiter der Programmkommission gut vernetzt. Die damalige Parteivorsitzende Frauke Petry schlug ihn 2016 als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten vor. Bei der Wahl durch die Bundesversammlung erhielt der chancenlose Glaser mindestens sieben Stimmen aus anderen Parteien. Im Oktober kandidierte er für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten und fiel dreimal durch. Die anderen Parteien begründeten ihre Ablehnung mit Äußerungen Glasers zur Religionsfreiheit und zum Islam.

Kay Gottschalk, Parteivize

Gottschalk ist Mitglied im größten AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Der Bundestagsabgeordnete galt als Verbündeter von Frauke Petry. Nach ihrem Rückzug twitterte er: „Frauke Petry will also nicht unserer Fraktion angehören. Das ist schade!“ Mittlerweile er auf die Gauland-Linie eingeschwenkt. Beim Parteitag in Hannover wurde er vor dem Kongresszentrum von Demonstranten an der Hand verletzt. Daraufhin sprach er vor den Delegierten von „Linksfaschisten“. Deren Gesichter seien „stumpf und empathielos“, rief Gottschalk den laut klatschenden und johlenden AfDlern zu. „Die hätten auch (...) ein KZ führen können.“

Auf der AfD-Internetseite hieß es am frühen Abend: „Zur Zeit wird unsere Webseite durch eine Distributed Denial of Service (DDoS) Attacke angegriffen.“ Die Attacke sei für den Moment erfolgreich abgewehrt worden. „Leider können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es den Angreifern erneut gelingen wird, unsere Webseite und die damit verbundenen Strukturen lahm zu legen.“ Das IT-Management der Bundesgeschäftsstelle und der Dienstleiter arbeiteten mit Hochdruck an langfristigen Abwehrmaßnahmen.

Die Abkürzung DDoS steht für „Distributed Denial of Service“ und beschreibt ein Verfahren, bei dem Webserver in einer abgestimmten Aktion mit unzähligen Datenanfragen aus unterschiedlichsten Quellen überflutet werden, bis sie in die Knie gehen. In der Vergangenheit wurden auch Medien-Website mit DDoS angegriffen, wenn sie kritische Berichte veröffentlicht hatten.

Am Donnerstagabend hatten Hunderte Demonstranten eine Wahlkampfveranstaltung der rechtspopulistischen Partei im baden-württembergischen Reutlingen gestört. Ein Polizist erlitt leichte Verletzungen. Mehr als 250 Beamte schützten den Wahl-Endspurt in der Stadthalle, wie die Polizei am Freitag mitteilte. An den Absperrungen davor versuchten den Angaben zufolge rund 500 Gegner aus der linksautonomen Szene, Teilnehmer am Zutritt zu hindern.

Laut Polizei gab es Sitzblockaden, vereinzelte körperliche Angriffe und eine Bombendrohung. Der Telefonanruf sei aber „diffus“ und ungefährlich gewesen, deshalb sei von einer Räumung der mit 400 Teilnehmern gefüllten Halle abgesehen worden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×