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14.04.2014

08:40 Uhr

Immer mehr Ärzte

Woher kommt der Medizinermangel?

Noch nie gab es so viele Mediziner in Deutschland wie heute. Trotzdem werden die Vorhersagen für die Patienten düsterer. Trends und Probleme bei der ärztlichen Versorgung in Deutschland heute.

Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte steigt kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren von im Schnitt knapp 46,7 auf 53,1 Jahre. dpa

Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte steigt kontinuierlich. In den vergangenen zehn Jahren von im Schnitt knapp 46,7 auf 53,1 Jahre.

BerlinJahr für Jahr gibt es mehr Mediziner in Deutschland - und trotzdem werden die Lücken für die Patienten größer. Um 53.135 ist die Zahl der berufstätigen Ärzte allein innerhalb von zehn Jahren gestiegen - auf 357.252 im vergangenen Jahr. Das zeigt die neueste Statistik der Bundesärztekammer. Kamen 1980 noch 452 Einwohner auf einen Arzt, waren es 2013 nur 230. Wie passt das mit den ebenfalls immer zahlreicheren Klagen über den Medizinermangel zusammen?

Beispiel Hochschwarzwald: Wilhelm Niebling ist hier Allgemeinarzt, er arbeitet zudem als Professor für Allgemeinmedizin in Freiburg. Seit Jahren wirbt Niebling dafür, dass mehr junge Ärzte im Schwarzwald arbeiten - offenbar mit begrenztem Erfolg. Als er vor 25 Jahren in Titisee-Neustadt anfing, gab es dort elf Hausärzte - alle jünger als 50. Heute sind es acht - die Hälfte über 60. Jetzt sieht Niebling eine Zeitbombe ticken, wie er dieser Tage der örtlichen „Badischen Zeitung“ sagte.

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Die neuen Zahlen der Ärztekammer bestätigen den Trend. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte stieg binnen zehn Jahren von im Schnitt knapp 46,7 auf 53,1 Jahre. Immer mehr gehen in den Ruhestand - die Zahl der Ruheständler stieg vergangenes Jahr um 3,8 Prozent auf 72 540. „Die Statistik belegt eindeutig, dass die demografische Entwicklung auch die Ärzteschaft erfasst hat“, mahnt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery.

Hinzu kommt: Immer mehr Ärzte arbeiten in Teilzeit. 42.000 waren dies laut Statistischem Bundesamt beispielsweise noch 2005 - 54.000 nach den jüngsten Daten dazu im Jahr 2011. Eine Ursache laut Experten: Der Frauenanteil steigt. Seit 1991 hat sich der Anteil der Ärztinnen um 34 Prozent auf 45 Prozent erhöht. Auch Allgemeinarzt Niebling meint: Damit die Frauen Job und Familie unter einen Hut bekommen können, brauche es für zwei Ausscheidende künftig drei Nachrücker.

In vielen ländlichen Krankenhäusern ist der Betrieb ohne ausländische Ärzte heute schon nicht mehr aufrechtzuerhalten. Dementsprechend wuchs deren Zahl allein in einem Jahr um fast 3.000 auf 31.236. Zehn Jahre vorher waren es nur 10.275.

Kommentare (3)

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14.04.2014, 12:06 Uhr

Immer mehr und immer teurere Untersuxchungen und angebliche Behandlug, doch immer weniger Qualität, da leigt die Krux.

Hinzu kommt ein immer mehr ausuferndes Inanspruchnehmen ärztlicher Leistungen, die in aller Regel jedoch dem Patienten nicht weiter helfen.

Die medizinische Versorgung braucht wieder mehr Qualität, und der Arzt muss sich wieder darauf besinnen, was seine vornehme Aufgabe ist: den Patienten zu heilen, statt seine Finanzen.

Wir brauchen weniger, aber bessere Ärzte, die zudem ihre finanziellen Emotionen dem Wohle der Patienten unterordnen.

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14.04.2014, 19:42 Uhr

Es sollte jedem Mediziner freigestellt sein, wo er eine Praxis eröffnen möchte. Um seine Privatpatienten müsste er sich allerdings selbst kümmern. Gesetzliche Krankenkassen sollten Gebietstellen nach Bedarf ausschreiben, auf die sich Mediziner deutschlandweit bewerben können. Innerhalb kürzester Zeit wäre das Problem gelöst.

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14.04.2014, 19:43 Uhr

Es sollte jedem Mediziner freigestellt sein, wo er eine Praxis eröffnen möchte. Um seine Privatpatienten müsste er sich allerdings selbst kümmern. Gesetzliche Krankenkassen sollten Gebietstellen nach Bedarf ausschreiben, auf die sich Mediziner deutschlandweit bewerben können. Innerhalb kürzester Zeit wäre das Problem gelöst.

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