Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2014

20:55 Uhr

Immobilien

Schloss mit Gefängnisturm zu verkaufen

Viele Schlösser, Burgen und Villen in Ostdeutschland sind günstig zu haben. Es gibt nur zwei Nachteile: Sie sind baufällig und liegen in wenig beliebten Regionen. Wo künftige Schlossherren Schnäppchen machen können.

LeipzigEin Schloss steht zum Verkauf. Das Anwesen erstreckt sich über ein Gebiet von 57.000 Quadratmetern, Gefängnisturm, Burggraben und See inklusive. Der Preis- rund 350.000 Euro ist geringer als der für eine Einzimmerwohnung in Manhattan. Der Haken: Es befindet sich in Ostdeutschland. Der Standort ist hierbei nur ein Problem. Das Objekt mit abblätternder Farbe und Kronleuchtern aus der sozialistischen Ära ist baufällig. Die Renovierungskosten belaufen sich auf circa sechs Millionen Euro, sagt Klaus Graf der Bürgermeister der Kleinstadt Mutzschen, zwischen Dresden und Leipzig in der das Schloss liegt. „Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass ein reicher Banker aus Frankfurt sich ausgerechnet in Mutzschen ein Zuhause macht“, sagt Graf.

Er weiß, dass es nicht leicht sein wird, einen Käufer für das Schloss in einem der ärmsten Bundesländer zu finden. „Es gibt nicht so viele wohlhabende Investoren in dieser Region wie in anderen Regionen Deutschlands.“ Schlösser, Villen und andere historische Landsitze in Ostdeutschland, die zwei Weltkriege und den Kommunismus überlebt haben, könnten letztlich dem Kapitalismus zum Opfer fallen. Die Landgemeinden haben oft mit einer schwachen Wirtschaft und schrumpfenden Bevölkerung zu kämpfen. Damit bleibt ihnen nichts anderes übrig, als reiche Käufer zu suchen, um die Herrlichkeit ihres ehemaligen Wohlstands zu retten - bevor alles verfällt.

In Deutschland gibt es rund 5000 Schlösser und Burgen, mehr als tausend davon im östlichen Teil des Landes, schätzt Wolfgang Illert von der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz und fügt an, dass er die Anzahl der verfallenden Bauten nicht abschätzen könne. Unter der kommunistischen Regierung der DDR wurden die Gebäude als Supermärkte, Schulen oder Krankenhäuser genutzt. Architektonische Verzierungen aus früheren Zeiten wurden oft zerstört, um die prunkvolle Vergangenheit zu verschleiern. „Das Regime, das nach dem Krieg an die Macht kam, mochte keine Aristokraten und die von ihnen hinterlassenen Spuren“, erklärt Gerhard Wagner, Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung. „Wenn der Stuck von der Decke fiel, wurde er einfach weggefegt.“

Nach dem Mauerfall vor 25 Jahren wurden viele Schlösser privatisiert. Die Regierung bot den Immobilieninvestoren Subventionen in Milliardenhöhe an, was die Preise für alle möglichen Objektarten in die Höhe trieb - darunter auch Bürogebäude, Wohnungen und Läden. Die ostdeutschen Häuserpreise legten nach der Wiedervereinigung zu und erreichten das Niveau im Westen. Doch zwischen 2005 und 2010 brachen sie in Ostdeutschland wieder um 22 Prozent ein, wie Daten von Jones Lang LaSalle zeigen.

Die attraktivsten Immobilienmärkte Europas

Die Umfrage

Wie attraktiv sind die Immobilienmärkte Europas - das hat die Unternehmensberatung Ernst & Young 500 Investoren gefragt, die in den vergangenen Jahren auf ihrem nationalen Markt aktiv waren. Dabei sind folgende Ergebnisse herausgekommen:

Platz 1

Polen

Deutschlands östlicher Nachbar bietet der Umfrage zufolge den attraktivsten Standort für Immobilieninvestments. 67 Prozent der Befragten hielten Polens Immobilienmarkt für attraktiv, 33 Prozent gar für sehr attraktiv. Im Europäischen Vergleich sieht die Situation ähnlich aus: 85 Prozent der Befragten fanden beurteilten den Standort als gut oder sehr gut.

Platz 2

Deutschland

Auch Deutschland scheint Immobilienanlegern ein guter Standort zu sein. 67 Prozent der Befragten hielten den Immobilienmarkt hierzulande für attraktiv, nur ein Prozent gab sich skeptisch. Im Europäischen Vergleich hielten 59 Prozent der Befragten Deutschland für besonders attraktiv für Immobilienanlage.

Platz 3

Großbritannien

96 Prozent der Anleger beurteilten Immobilieninvestments auf der britischen Insel als attraktiv oder als sehr attraktiv. Auch im europäischen Vergleich war die Mehrheit dieser Meinung - lediglich zwei Prozent hielten den Markt für weniger lukrativ.

Platz 4

Schweden

30 Prozent der Befragten hielten Immobilieninvestments in Schweden für sehr attraktiv, weitere 65 Prozent zumindest für lohnend. Im Europäischen Vergleich schneidet das skandinavische Land weniger gut ab: Dort halten immerhin zehn Prozent der Befragten es für einen unattraktiven Standort.

Platz 5

Österreich

94 Prozent der Anleger hielten Investments auf dem österreichischen Immobilienmarkt für attraktiv oder sehr attraktiv, so die EY-Umfrage. Im europäischen Vergleich waren es 97 Prozent.

Platz 6

Russland

Rund ein Drittel der Befragten fand, dass sich das Investieren in den russischen Immobilienmarkt lohne. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint das Land jedoch weniger attraktiv zu sein, lediglich 16 Prozent der Befragten fanden, dass sich auch im Europa-Vergleich Russland-Investments besonders lohnen.

Platz 7

Spanien

Für kein anderes Land in der Umfrage sind so viele Investoren der Meinung, dass sich Immobilienkauf lohne, wie für Spanien. 49 Prozent beurteilen den Standort als sehr attraktiv, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind 47 Prozent der Befragten dieser Meinung.

Platz 8

Luxemburg

Luxemburg beurteilen 35 Prozent der Befragten als besonders attraktiv, weitere 47 Prozent als attraktiv. Im Europavergleich sehen die Zahlen ähnlich aus: 92 Prozent finden den Standort sehr gut oder gut.

Platz 9

Türkei

Gerade im europäischen Vergleich schneidet die Türkei bei Immobilieninvestoren gut ab. 55 Prozent beurteilen den Markt als besonders attraktiv. Für sich genommen, beurteilen 45 Prozent den Markt als besonders gut. Rund ein Fünftel findet allerdings, dass sich das Investieren in die Türkei weniger lohnt.

Platz 10

Schweiz

Deutlich skeptischer blicken Investoren auf den Schweizer Markt. 20 Prozent halten ihn für sich genommen für wenig attraktiv, im Vergleich zu anderen EU-Staaten gar 30 Prozent. Zugleich sind 35 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich Investments in die Schweiz lohnen.

Platz 11

Belgien

Über die Hälfte (54 Prozent) der befragten Investoren findet den belgischen Immobilienmarkt attraktiv, im Europavergleich 58 Prozent. Für besonders attraktiv halten den Markt ein Viertel der Befragten (Europavergleich: 21 Prozent).

Platz 12

Niederlande

Für nicht besonders attraktiv halten 33 Prozent der Befragten den niederländischen Immobilienmarkt - sowohl für sich genommen, als auch im Europavergleich. Immerhin: Über die Hälfte sind der Meinung, dass sich das Anlegen in dortige Häuser und Wohnungen lohne.

Platz 13

Ukraine

Wenn es um den Vergleich zu anderen Ländern Europas geht, ist die Ukraine für die Befragten das schlechteste Land. 44 Prozent halten es für weniger attraktiv. Für sich genommen steht die Ukraine aber gar nicht so schlecht da: Immerhin sind 57 Prozent der Immobilieninvestoren der Meinung, Anlegen würde sich in diesem Land lohnen.

Platz 14

Italien

61 Prozent der Befragten halten den italienischen Immobilienmarkt für attraktiv oder se, 39 Prozent sind der gegenteiligen Meinung. Im Europavergleich steht Italien weniger schlecht da: Dort finden 27 Prozent der Investoren, dass sich der Markt besonders lohne.

Platz 15

Frankreich

Das Schlusslicht im EY-Rating ist Frankreich. 40 Prozent der Investoren halten den Markt für sich genommen für unattraktiv. Im Europavergleich sinkt diese Zahl allerdings auf 18 Prozent.

Die geplatzte Blase hinterließ eine Reihe gescheiterter Renovierungen. Die Kommunalverwaltungen sind allein nicht in der Lage, die Liegenschaften wieder auf Vordermann zu bringen. Und Investoren kaufen lieber Schlösser, die sich in gutem Zustand befinden. Das hat zur Folge, dass die Bauten oft nicht repariert werden - und damit droht ihnen letztlich der Einsturz. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Gebäude, die seit Jahrhunderten stehen und sogar die DDR überlebt haben, im wiedervereinten Deutschland dem Verfall überlassen werden“, sagt Illert. „Wir müssen sie retten, weil es unser kulturelles Erbe ist.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×