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23.09.2014

15:26 Uhr

Immobilienlobby verbucht Erfolg

Mietpreisbremse light

Die Große Koalition geht gegen Mietwucher vor. Mietererhöhungen werden gedeckelt. Das Gesetz soll in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten. Es gibt aber ein großes Zugeständnis an die Immobilienwirtschaft.

Mietswohnungen: „Wer bestellt, der bezahlt.“ dpa

Mietswohnungen: „Wer bestellt, der bezahlt.“

BerlinJustiz- und Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) hat sich mit den Spitzen der Koalitionsfraktionen auf einen besseren Schutz vor drastischen Mieterhöhungen geeinigt. Bei einem Mieterwechsel darf die neue Miete in ausgewählten Gebieten künftig maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen. Ausgenommen sind Neubauten.

Den Makler soll in Zukunft nicht mehr automatisch der Mieter, sondern der Auftraggeber zahlen. Die Regelungen sollen noch in der ersten Jahreshälfte 2015 in Kraft treten. Die Koalition hatte sich bereits in den Koalitionsverhandlungen auf eine Mietpreisbremse verständigt, die ein zentrales Wahlkampfthema der SPD war. Die letzten Einzelheiten wurden am Dienstagmorgen zwischen Maas und den Koalitionsspitzen geklärt.

Wie die Zinsen sinken und die Preise steigen

Analyse

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken hat für Handelsblatt Online die Kaufpreise in den vier begehrtesten Metropolen Deutschlands berechnet. Im Vergleich mit der Zinsstatistik der Bundesbank für Baugeld zeigt sich: Die Zinsen fallen, die Immobilienpreise steigen.

2007

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 5,03%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3191 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2302 Euro pro Quadratmeter
München: 4232 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2949 Euro pro Quadratmeter

2008

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,83%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3302 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2385 Euro pro Quadratmeter
München: 4283 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 2975 Euro pro Quadratmeter

2009

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 4,29%
Immobilienpreise:
Hamburg: 3414 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2438 Euro pro Quadratmeter
München: 4384 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3090 Euro pro Quadratmeter

2010

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,70 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3503 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2521 Euro pro Quadratmeter
München: 4524 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3137 Euro pro Quadratmeter

2011

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 3,54 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 3768 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2721 Euro pro Quadratmeter
München: 4905 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3320 Euro pro Quadratmeter

2012

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,78 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4023 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 2949 Euro pro Quadratmeter
München: 5252 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3494 Euro pro Quadratmeter

2013

Zins für Baugeld (5 bis 10 Jahre Zinsbindung): 2,85 %
Immobilienpreise:
Hamburg: 4287 Euro pro Quadratmeter
Berlin: 3166 Euro pro Quadratmeter
München: 5590 Euro pro Quadratmeter
Frankfurt: 3660 Euro pro Quadratmeter

„Mieten müssen auch für Normalverdiener bezahlbar bleiben“, erklärte der Verbraucherminister. „Dazu soll die Mietpreisbremse einen Beitrag leisten. Mehr als 30 oder 40 Prozent Mietsteigerung in einigen Ballungsgebieten sind einfach inakzeptabel.“

Die Mietpreisbremse soll nur in Gebieten mit „angespanntem Wohnungsmarkt“ gelten. Ausgewählt werden diese Gebiete von den Ländern für einen Zeitraum von fünf Jahren. Um die Investitionsbereitschaft in Neubauten zu erhalten, werden diese von der Regelung ausgenommen. Das gilt auch für die erste Vermietung nach einer umfassenden Modernisierung.

Die Ausnahmeregelungen sind ein Zugeständnis an die Immobilienwirtschaft, die Maas vorgeworfen hatte, den Wohnungsbau abwürgen zu wollen. „Wenn wir den enormen Anstieg der Mieten langfristig verhindern wollen, brauchen wir natürlich auch Wohnungsneubau“, erklärte der Verbraucherminister jetzt.

Durch die Ausnahme von Neubauten von der Mietpreisbremse werde die „Planungssicherheit der privaten Investoren verbessert“, sagte Manfred Binsfeld, Researchleiter bei Ratingagentur für die Bewertung von Anlagemärkten und Anlageprodukten, Feri EuroRating Services.

„Da in den Zuwanderungsstädten immer noch zu wenig neue Wohnungen gebaut werden, macht es Sinn, die Rahmenbedingungen für den privaten Wohnungsbau zu verbessern.“ Es seien aber weitere Maßnahmen nötig. Es müsse mehr Bauland bereitgestellt werden, neue Konzepte für städtisches Bauen entwickelt, Hochhäuser gebaut und vor Ort nachverdichtet werden.

Ähnlich äußerste sich der Präsident des Zentralen Immobilen Ausschusses Andreas Mattner. Die Mietpreisbremse sei ordnungspolitisch falsch und sozialpolitisch untauglich. „Die gewählten Regeln zur Befristung bleiben hinter unseren Erwartungen zurück“, sagte er. „Wir brauchen mehr steuerliche Anreize für Neubau und energetische wie altersgerechte Sanierung.“

Der Immobilienverband IVD begrüßt, das die Mietpreisbremse auf fünf Jahre befristet werden und nicht für neu errichtete Wohnungen gelten soll. „Dies ist ein wichtiges Signal an Investoren, das sicherstellt, dass auch künftig Investitionen in Wohnungsneubau lohnen“, sagt Jens-Ulrich Kießling, Präsident des IVD. „Dennoch halten wir die Mietpreisbremse für falsch, da sie sich auch im Bestand als Investitionsbremse erweisen wird.“ Laut Verband soll zwar nach einer umfassenden Modernisierung einer Wohnung die Mietpreisbremse bei der Widervermietung nicht gelten. Es sei aber weiterhin ungeklärt, wann eine „umfassende Sanierung“ vorliege.

Kommentare (6)

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Herr Thomas Ostendorf

23.09.2014, 11:52 Uhr

Mich würde interessieren, ob der für mich schwammige Begriff "umfassende Modernisierung" im Gesetzesentwurf genau definiert ist? Wird es da konkrete Richtlinien geben? Oft "modernisiert" der Vermieter und erhöht in der Folge die Miete, dabei spürt der Mieter kaum was von den Modernisierungen.

Herr hans rauchfuss

23.09.2014, 12:13 Uhr

So langsam entwickeln sich Hamburg ,München, Stuttgart oder der Fankfurter Raum zum Standortnachteil wenn ich meinen Mitarbeitern über 500€ p.M. netto mehr bezahlen muß ,nur um die hohen Mieten zu kompensieren.

Herr Bernado Wagno

23.09.2014, 12:40 Uhr

Glückwunsch. Wieder ein Stück Markt ausgehebelt. Sozialpolitik zu Lasten derjenigen, die noch etwas haben. Die Pappnase haben die Immobilienbesitzer auf, wobei viele die Enteigung erst realisieren werden wenn sie mal verkaufen oder vermieten wollen. Das Problem liegt nämlich in den ortsüblich Mieten, die weit ab von der Realität liegen. Bedingt bspw. durch große städtische Wohnungsgesellschaften wie die SAGA in Hamburg. Glück hat nur wer mindere Qualität im relativ guten Umfeld vermietet. Investitionen in den Wohnbestand werden für viele nicht mehr rentabel sein...schade für Deutschland, denn dadurch wird es zukünftig nicht mehr sondern vor allem schlechteren Wohnraum geben...

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