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17.03.2016

12:22 Uhr

Immunität aufgehoben

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Volker Beck

Die nächste Eskalationsstufe: Der Bundestag hat die Immunität von Volker Beck aufgehoben, die Staatsanwaltschaft daraufhin Ermittlungen gegen den Grünen-Politiker eingeleitet.

Der Grünen-Politiker ist vor rund drei Wochen von der Polizei mit dem Rauschgift Crystal Meth gefasst worden. Jetzt wird gegen ihn ermittelt. dpa

Volker Beck

Der Grünen-Politiker ist vor rund drei Wochen von der Polizei mit dem Rauschgift Crystal Meth gefasst worden. Jetzt wird gegen ihn ermittelt.

Berlin -

Gegen den Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck wird jetzt offiziell wegen eines möglichen Drogendeliktes ermittelt. Der Bundestag hat Becks Immunität aufgehoben und damit den Weg für Ermittlungen frei gemacht, wie die Berliner Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Es geht um einen möglichen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die „Bild“-Zeitung hatte als erste darüber berichtet.

Die Berliner Kriminalpolizei hatte am 1. März 0,6 Gramm einer „betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ bei Beck gefunden. Dabei handelt es sich nach dpa-Informationen um das gefährliche synthetische Rauschgift Crystal Meth.

Crystal Meth: Das ist die Modedroge

Gefährliche Modedroge

Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen der Welt. Sie macht extrem schnell abhängig und kann heftige Nebenwirkungen haben. Konsumenten nehmen sie vor allen Dingen, weil sie die Leistung steigern kann. Experten nennen sie eine Modedroge.

In Deutschland immer beliebter

In Deutschland ist Crystal Meth seit Jahren auf dem Vormarsch. Die Zahl der Konsumenten, die erstmals mit der Modedroge auffielen, stieg laut Bundesinnenministerium im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 3138. Besonders in Ostdeutschland erfreut sich die Droge zunehmender Beliebtheit.

Die Wirkungen

Crystal Meth kann leistungssteigernd wirken. Die Droge unterdrückt zudem Müdigkeit, Schmerzen und auch das Hungergefühl. Typische Symptome sind eine gesteigerte Euphorie, extreme Nervosität und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Meist wird Crystal Meth geschnupft, es kann aber auch geraucht, geschluckt oder injiziert werden. Bis zu 70 Stunden kann der Rausch anhalten.

So gefährlich ist die Droge

Die Modedroge macht sehr schnell abhängig und führt zu starken Gesundheitsschäden. Vor allem Langzeitkonsum kann zu Nervenschäden, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen, Zahnausfall, Herzproblemen, Hautentzündungen und Psychosen führen.

Hier wird Crystal Meth hergestellt

Crystal Meth ist insbesondere in Ostdeutschland und an der Grenze zu Tschechien beliebt. Dort wird die Droge in illegalen Labors hergestellt und dann nach Deutschland geschmuggelt. Anfangs waren es noch kleine Mengen, mittlerweile spricht das Bundeskriminalamt von „Kiloeinheiten“.

Crystal Meth und Adolf Hitler

Anders als oft angenommen, ist die Droge keine neuartige Erscheinung, sondern existiert seit mehr als 100 Jahren. Im Zweiten Weltkrieg verabreichte Adolf Hitler seinen Soldaten Crystal Meth, weil es unter anderem das Angstgefühl unterdrückt. Die Droge hatte damals den Spitznamen Panzerschokolade.

Beck trat daraufhin von seinen Ämtern in der Fraktion zurück, blieb aber Bundestagsabgeordneter. Kurz darauf wurde er krankgeschrieben. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er: „Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten. Zu den gegen mich erhobenen Vorwürfen wird mein Anwalt zu gegebener Zeit eine Erklärung gegenüber der Staatsanwaltschaft abgeben. Ich werde mich dazu öffentlich nicht einlassen.“

Becks möglicher Drogenkonsum hat in der eigenen Partei für Kritik gesorgt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von „schwerem Fehlverhalten“, Grünen-Chef Cem Özdemir brachte einen möglichen Verzicht Becks auf sein Bundestagsmandat ins Gespräch.

bw/cha

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Zunächst hatte die Bundestagsverwaltung die Aufhebung der Immunität aus formalen Gründen abgelehnt. Nun widersprach sie nicht mehr der nachgebesserten Mitteilung der Staatsanwaltschaft. In der Regel kann gegen einen Abgeordneten nach 48 Stunden ermittelt werden, wenn der Bundestag einer entsprechenden Mitteilung über die Ermittlungsabsicht der Staatsanwaltschaft nicht widerspricht. In einem ähnlichen Fall wurde gegen den SPD-Politiker Michael Hartmann ermittelt. Das Verfahren wurde 2014 gegen eine Geldbuße eingestellt.

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