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06.04.2014

19:48 Uhr

In den letzten 20 Jahren

Zahl der befristeten Arbeitsverträge verdreifacht

Fast drei Millionen Deutsche haben einen befristeten Arbeitsvertrag unterschrieben. Das sind mehr als dreimal so viel wie noch vor 20 Jahren. Vor allem Frauen bekommen wesentlich häufiger einen Vertrag auf Zeit.

Bei den 15- bis 25-Jährigen ist jeder Vierte befristet angestellt. obs

Bei den 15- bis 25-Jährigen ist jeder Vierte befristet angestellt.

BerlinDie Zahl der befristeten Arbeitsverträge hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht. Die Zahl stieg von 876.000 Neuverträgen in 1993 auf 2,7 Millionen im vergangenen Jahr, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag übermittelt wurde.

Bei Neuverträgen sind inzwischen 42 Prozent zeitlich begrenzt, 1997 waren es noch 34 Prozent. Frauen sind davon stärker betroffen, 47 Prozent aller Arbeitsverträge wurden 2013 bei ihnen nur noch befristet ausgestellt, bei den Männern waren es 38 Prozent.

EU-Kritik am Reformvorbild Deutschland

Krise als Dauerzustand

Viele der jüngsten Empfehlungen zur deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik seitens der EU-Kommission ähneln denen der vorherigen Reformperiode. „Damit hat die schwarz-gelbe Regierung eine Ehrenrunde im Europäischen Semester gedreht und einen Reformstau verursacht“, sagte der Finanz- und Wirtschaftsexperte der Grünen, Sven Giegold, Handelsblatt Online.

Autor: Thomas Ludwig

Haushalt

Die Kommission ist der Meinung , „dass die öffentlichen Finanzen Deutschlands insgesamt solide sind und das mittelfristige Haushaltsziel erreicht worden ist. Das den Haushaltsprojektionen des Programms zugrunde liegende makroökonomische Szenario ist plausibel.“ Weiter so.

Schuldenbremse

Bei der Umsetzung der in der Verfassung niedergelegten Regel des ausgeglichenen Haushalts („Schuldenbremse“) wurden nach Ansicht der Kommission seit der letztjährigen Empfehlung einige Fortschritte erzielt: „Allerdings scheinen in den meisten Bundesländern noch die spezifischen Durchführungsbestimmungen erforderlich zu sein, um eine wirksame Anwendung der Schuldenbremse im jährlichen Haushaltsverfahren sicherzustellen.“

 

Mehrwertsteuer

Brüssel kritisiert, Deutschland schöpfe wachstumsfreundliche Einnahmequellen nicht in ausreichendem Maße aus: „Die Anwendung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes (von derzeit sieben Prozent) auf ein inzwischen recht breit gefächertes Spektrum von Waren und Dienstleistungen könnte eingeschränkt und die MwSt-Verwaltung geprüft werden, um die Effizienz, die Steuererhebung und die Betrugsbekämpfung zu verbessern.“

Öffentliche Aufträge

Was die öffentliche Auftragsvergabe anbelangt, ist der Wert der von den deutschen Behörden gemäß den EU-Vorschriften veröffentlichten Aufträge sehr gering.

Die Kommission empfiehlt der Bundesregierung daher, dass sie im Zeitraum 2013/2014 „dringend Maßnahmen ergreift, um den Wert der im öffentlichen Auftragswesen vergebenen Aufträge signifikant zu steigern.“

Gesundheit

Die  Effizienz bei der Verwendung der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und Pflege lässt nach Ansicht der Kommission zu wünschen übrig. Zwar gebe es Fortschritte. Diese seien aber begrenzt: „Die bisherigen Reformanstrengungen im Gesundheitssektor und die diesjährige Pflegereform scheinen nicht ausreichend, um die erwarteten künftigen Kostensteigerungen zu dämpfen.“

Bildung

Die Kommission sieht Deutschland auf einem gutem Wege, das nationale Ziel für Bildungs- und Forschungsausgaben einzuhalten. Aber: „Deutschland sollte sich noch ehrgeizigere Folgeziele setzen, um mit den innovativsten Volkswirtschaften gleichzuziehen.“ Bei der Anhebung des Bildungsniveaus benachteiligter Menschen sei die Bundesrepublik voran gekommen. Doch alle Bundesländer sollten weiter ehrgeizig daran arbeiten, ein Schulsystem zu schaffen, das gleiche Chancen für alle bietet, fordert die Kommission.

Berufstätige Frauen

Zufriedenheit klingt anders. „Deutschland hat keine Maßnahmen ergriffen, um die signifikanten Fehlanreize für Zweitverdiener abzuschaffen, und die Fortschritte beim Ausbau der Verfügbarkeit von Ganztagskindertagesstätten und -schulen bleiben begrenzt“, schreibt die Kommission der Bundesregierung ins Arbeitsheft.

Arbeitsmarkt

Die politischen Maßnahmen zur Verringerung der hohen Steuer- und Abgabenlast für Geringverdiener und zur Verbesserung der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt halten die Experten in Brüssel für begrenzt. „Deutschland sollte mehr tun, um die auf Niedriglöhne erhobenen hohen Steuern und Sozialabgaben zu verringern. Es sind weitere Anstrengungen notwendig, um die Umwandlung von bestimmten Beschäftigungsverhältnissen, z. B. Minijobs, in nachhaltigere Beschäftigungsformen zu verbessern und damit eine Segmentierung des Arbeitsmarkts zu vermeiden.“

Löhne

Die Reallöhne liegen der Kommissionsanalyse zufolge unter dem Stand von 2000. Das habe zum strukturellen Rückgang der Arbeitslosenquote von acht Prozent auf 5,5 Prozent beigetragen. Zuletzt aber habe bei den Reallöhnen ein dynamisches Wachstum eingesetzt, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt würde. Gleichzeitig aber wächst die Schere bei den Einkommen: „Die Lohndisparitäten haben zugenommen“, schreibt die EU-Kommission.

Energie

Hier sieht Brüssel enormen Handlungsbedarf. „Deutschland strebt an, die gesamtwirtschaftlichen Kosten des Umbaus des Energiesystems so gering wie möglich zu halten. Bislang hat dies keine greifbaren Ergebnisse gezeitigt und nach wie vor bestehen größere Risiken und potenzielle Ineffizienzen. Die Koordinierung seiner nationalen Energiepolitik mit den Energiepolitiken der Nachbarländer ist unzureichend.“

Finanzsektor

Der Regulierungs- und Aufsichtsrahmen wurde gestärkt. Brüssel würdigt das als „signifikante Anpassungen“. Die Entscheidungen der Kommission über staatliche Beihilfen, unter anderem der WestLB, hätten die Umstrukturierung der Landesbanken weiter vorangetrieben. „Nach wie vor scheinen jedoch einer marktgetriebenen Konsolidierung im Bankensektor Governance-Hindernisse entgegenzustehen, die die Gesamteffizienz des Finanzsektors beeinträchtigen.“

Dienstleistungen

In diesem Sektor hat sich die Situation seit dem vergangenen Jahr nicht signifikant verändert. Im Hinblick auf den Zugang zu bestimmten Berufen und deren Ausübung gibt es nach wie vor zahlreiche Beschränkungen. Rat der Kommission: „Deutschland sollte stärker an der Öffnung des Dienstleistungssektors arbeiten, indem ungerechtfertigte Beschränkungen und Marktzutrittsschranken abgeschafft werden, was das Preisniveau senken und Dienstleistungen für die unteren Einkommensgruppen bezahlbarer machen wird.“

Freie Berufe

Viele freiberufliche Dienstleistungen unterliegen Anforderungen an die Rechtsform und in Bezug auf die Gesellschafter. Deshalb fordert die Kommission Deutschland dazu auf, zu prüfen, ob sich die gleichen im öffentlichen Interesse liegenden Ziele nicht durch eine weniger strikte Reglementierung erreichen ließen: „Die verschiedenen Regelungen auf Länderebene weisen ebenfalls darauf hin, dass Spielraum für weitere Anstrengungen besteht, um die mit dem geringsten Aufwand verbundenen regulatorischen Ansätze zu ermitteln und deren Anwendung bundesweit auszudehnen und auf diese Weise den Verwaltungsaufwand für Unternehmen zu verringern.“

Auch junge Beschäftigte bekommen den Angaben zufolge wesentlich häufiger einen Vertrag auf Zeit. Während der Anteil der befristeten Verträge in 2012 insgesamt bei 8,5 Prozent lag, betrug er in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen 14,1 Prozent. Bei den 15- bis 25-Jährigen hatte sogar jeder Vierte einen befristeten Vertrag, bei den 55- bis 65-Jährigen waren es nur 4,2 Prozent. Auch Ausländer hatten häufiger einen befristeten Vertrag. Ihr Anteil lag bei 14,6 Prozent, der von deutschen Arbeitnehmern hingegen nur bei 7,9 Prozent. Zuvor hatte die Berliner Tageszeitung "Welt" (Montagsausgabe) über die Zahlen berichtet.

Die Linken-Fraktion forderte als ersten Schritt die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung. Die Befristung sei ein „gezieltes Mittel, die Rechte von Arbeitnehmern klein zu halten“, erklärte die Abgeordnete Jutta Krellmann. „Der Kündigungsschutz wird ausgehebelt, die Arbeit meist schlechter bezahlt.“ Und bei jungen Leuten falle die Lebensplanung aus. All das habe mit dem von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) „beschworenen Respekt vor geleisteter Arbeit nichts zu tun“. Die Bundesregierung werde jedoch untätig bleiben und keine Änderungen im Befristungsrecht vornehmen, mutmaßte Krellmann.

Von

afp

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.04.2014, 07:36 Uhr

.......Die Linke fordert deshalb die Abschaffung der sachgrundlosen Befristungen.....

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Dann sollte die Politik dafür sorge tragen, dass es diesen Grund nicht geben kann, leider sehen wir gerade das gegenteil, Energie abhängige unternehmen haben allen Grund diese befristeten Verträge abzuschließen, steht Deutschland doch mit seinen Nachbarn im Wettbewerb und die höhere Belastung durch die Energiewende machen diese unternehmen nicht wettbewerbsfähig .
Es liegt also auch an euch liebe Linke !!!

Account gelöscht!

07.04.2014, 11:13 Uhr

Durch die Deregulierung im Arbeitsrecht, mit den notwendigen, entzogenen Leitplanken, wurde der Billiglohnsektor in Deutschland geboren, politisch gewollt!

Rede von Gehard Schröder in Davos 2005, sagt alles aus.

Armselige, kranke Lobby-Politik und die Gewerkschaften und Betriebsräte blieben viele Jahre zuschauende Arbeitnehmervertreter !!!

Der betroffene Arbeitnehmer, besser Lohnsklave, zu harmlos! Wehrt euch endlich !

Die Verursacher : ROT/Grün

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